Stellen Sie sich vor, es ist Wahlkampf.

Wahlkampf ohne Kampf

Wahlkampf ohne Kampf

Es ist Wahlkampf, Bundestagswahlkampf zudem. Die ist nur noch sieben Wochen entfernt und wir müssten gerade die Hochzeit des Kampfs um den Posten des wichtigsten Staatsamts erleben. Aber sehen Sie jemanden kämpfen? Haben Sie irgendwelchen (verbalen) Geschützdonner gehört? Ist es nicht so, dass sich die beiden Kontrahenten – / und – eigentlich erstaunlich einig sind, dass das Kämpfen in diesem Wahlkampf unnötig ist. Der Union kann man es nicht einmal verdenken, schließlich sitzt die Amtsinhaberin, , so sicher im Sattel, wie nie zuvor. Das vielfach befragte Wahlvolk hält zwar nicht unbedingt viel von der schwarz-gelben Bundesregierung, dass es die Kanzlerin behalten will, scheint aber außer Frage zu stehen.

Wahlkampf oder SPD

Und die SPD? Eine wird zwar gebetsmühlenartig verteufelt. An die Möglichkeit, selbst die Regierung zu übernehmen, hat aber offenbar im Willy-Brandt-Haus nie jemand geglaubt, anders kann man sich diesen Nicht-Wahlkampf nicht erklären. Nicht einmal Generalsekretärin , der man die innere Überzeugung ihrer Gegnerschaft zur Union noch am ehesten abnimmt, scheint der Ansicht, dass die Wahlkampf-Themen der SPD verfangen werden. Und wer sollte der SPD einen echten Kampf auch abnehmen nach einer Legislaturperiode in der Opposition, die in ihrer Zahmheit umso erstaunlicher anmutet, blickt man auf die ungezählten Peinlichkeiten, die sich die Regierung Merkel in aller Öffentlichkeit geleistet hat.

Vier verschenkte Jahre

Ja, die Wahlkampf-Vorzeichen für die SPD standen schlecht; gegen Merkel zu gewinnen scheint mittlerweile für diesmal unmöglich. Aber man hat es in vier Jahren Opposition auch schlicht versäumt, sich eine Ausgangsbasis für einen Sieg zu schaffen, Themen zu setzen, wenigstens einen Personalwechsel hinzubekommen. Statt dessen hat man sich einen Polit-Rentner zum Spitzenkandidaten gewählt, der in einige Fettnäpfchen sprang, aber vor allem wie einer wirkt, der schlicht aus der Übung ist. Zu allem Überfluss plakatiert man im Wahlkampf die Gegnerin, als sei die nicht schon präsent genug. Denn: Nicht dass Angela Merkel auf den SPD-Plakaten angegriffen wird, ist das Problem, sondern dass sie überhaupt darauf zu sehen ist. Wer denkt sich so etwas aus?

Trotzdem kämpfen geht auch

Abgesehen davon sind selbst diese angeblichen Angriffe so harmlos, dass CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sich nicht einmal empören musste, sondern lediglich spottete, nein, die CDU habe zu keiner Zeit des Wahlkampfs vorgehabt, zu plakatieren. Geschieht ihnen Recht. Es gibt zwei Arten, einer wahrscheinlichen Niederlage entgegenzugehen: man kämpft trotzdem, oder man lässt es bleiben. Die SPD hat ihre getroffen.

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