Ein Erklärungsversuch über die Praxis der Todesstrafe in den USA

Warum brauchen die USA die Todesstrafe?

Warum brauchen die USA die Todesstrafe?

Wie in jedem Frühjahr hat in diesen Tagen seinen jährlichen Bericht zur Praxis der Todesstrafe auf der Welt vorgelegt. Die Zahlen zu Todesurteilen und tatsächlich erfolgten Hinrichtungen in 2011 deuten an, dass die Zahl der Länder, die die Todesstrafe praktizieren, zurückgeht, innerhalb dieser Ländergruppe aber mehr Todesurteile vollstreckt werden, als zuvor. Als einziges westliches Land sind – wie seit vielen Jahren – die USA auf der Amnesty-Liste vertreten, wo die Todesstrafe in 2011 78 Mal verhängt und 43 Mal exekutiert wurde. Mit und dem an der Spitze (es folgen , der Irak und die USA) liest sich die Liste der Länder, in denen die Todesstrafe 2011 vollstreckt wurde, wie eine erweiterte Aufstellung von George Bushs “Achse des Bösen”. Warum aber brauchen die USA als einzige (westliche) die Todesstrafe ebenso wie Nordkorea, der Jemen oder der Sudan?

Ein Erklärungsversuch über die Praxis der Todesstrafe in den USA

Besieht man die Amnesty-Liste genauer, fällt sofort auf, dass beinahe alle Länder, die die Todesstrafe exekutieren, getrost unter dem Etikett subsumiert werden können. Nicht einmal ihre größten Kritiker werden diese Kategorie jedoch auf die USA anwenden, sieht man von der “ des Kapitals” ab, die nun aber gewiss keine ausschließliche Domäne Amerikas darstellt. Was sonst aber verbindet die USA in puncto Todesstrafe mit dem Rest dieses illustren Zirkels? Man könnte auf die Idee kommen, dass die Lösung für dieses Rätsel mit einem starken Transzendenzbezug der jeweiligen “politischen Kultur” zu tun hat, die die Länder mit Todesstrafen-Praxis fast ausnahmslos kennzeichnet.

Transzendenzbezug der politischen Kultur

in der “politischen Kultur”? Meinen wir damit Gott? Nun, immerhin ist im Westen der Name des HERRN nirgendwo so oft zu hören wie in den USA. Die Brücke zum politischen Islam á la Teheran oder Riad wäre damit bereits gezogen. Aber China und Nordkorea? Man ersetze “Transzendenzbezug” durch die “charismatische Herrschaft” eines Kim Jong Il oder die Formel von der Unfehlbarkeit der (kommunistischen) Partei und es wird durchaus ein Schuh draus. Im Klartext: Die Todesstrafe besitzt mit Sicherheit eine direkte, repressive Wirkung, die gut mit den üblichen Charakterzügen politischer Diktaturen harmoniert. Aber, so die hier aufgestellte Behauptung, die Praxis der Todesstrafe in den USA deutet darauf hin, dass die Todesstrafe auch auf der “Meta-Ebene” des politischen Gemeinwesens verortet werden muss.

“Mein ist die Rache, redet Gott”

Auf dieser Ebene hat – so unsere These – in religiös und kulturell höchst unterschiedlich geprägten Weltgegenden das politische System den “vormodernen”, religiösen Herrschaftsmodus gewissermaßen bruchloser abgelöst als anderswo. Zuvor hatte, um im vertrauten christlich-jüdischen Kontext zu bleiben, der Gott des Alten Testaments das Recht auf Vergeltung inklusive “Todesstrafe” dem durch ein Verbrechen Geschädigten oder seiner Sippe zugestanden(“Auge um Auge…”). Dieses Rache-Recht musste das “moderne” politische System in staatliche Obhut überführen, um das Machtmonopol des Staates, das ihn trägt, zu verwirklichen. Der für transzendent begründete Herrschaft letztlich konstitutive Allmachtsanspruch jedoch geht dabei nicht unbedingt verloren. Und dieser – siehe Todesstrafe – macht natürlich beim Menschenleben nicht Halt. Insofern wäre in den USA – besonders in den konservativ-religiös geprägten Staaten des Südens, in denen die meisten Todesurteile vollstreckt werden – die Todesstrafe schlicht die Konsequenz einer stark (zivil-) religiös geprägten politischen Identität. „God save America“, wie man dort zu sagen pflegt.

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  • 111

    Achso man darf die USA ja nicht als “Diktatur” bezeichnen. Schade obwohl es wahr ist!

  • hauiut

    Wenn man sagt dass in der USA eine Monarchie herrscht was wäre dann Deutschland?