Israel-Kritik in Gedichtform und die Reaktionen auf Günter Grass

Günter Grass oder das Dichten mit dem Vorschlaghammer

Günter Grass - das nächste Mal besser eine Rede.© Getty Images

- das nächste Mal besser eine Rede.

Günter Grass oder das Dichten mit dem Vorschlaghammer

Den Literatur- hat Günter Grass 1999 für sein Lebenswerk erhalten. Die -Jury wird dabei, wie der größte Teil von Grass’ lesendem Publikum, wohl hauptsächlich Günter Grass’ Prosa-Werk vor Augen gehabt haben, weniger seine . Obwohl Grass selbst oft betont hat, dass ihm das Dichten am meisten liege, muss man zu seinem -kritischen “Prosa-” wohl vor allem eines sagen: Ein gutes ist es nicht. Günter Grass, so der Eindruck, wollte seinem Ärger über das gegenwärtige Auftreten Israels im Atom-Streit mit Teheran unbedingt Luft machen – kein unverständliches Anliegen -; er hätte dazu aber vielleicht lieber eine Rede gehalten. Eines hat Günter Grass mit “” allerdings ausgelöst: Den beim Thema vorhersehbaren und dennoch immer wieder befremdlichen Sturm der Entrüstung.

Israel-Kritik in Gedichtform und die Reaktionen auf Günter Grass

Zum literarischen Wert von Günter Grass’ Einlassung hat den richtigen Ton bereits getroffen. Brumlik sprach dem SWP gegenüber von “AgitProp” und traf damit insbesondere den quälend bemühten Charakter von Grass’ Zeilen exakt auf den Punkt. Die mangelnde formale Güte des Textes erklärt jedoch nicht den zornigen – und ebenso gequält-bemühten Aufruhr – unter den üblichen Verdächtigen des politischen Berlin. Weder ist es falsch, die Bundesrepublik für die Lieferung von U-Booten mit Atomraketen-Trägerkapazität an Israel zu kritisieren, wie es Günter Grass getan hat. Noch muss jede legitime Kritik an israelischer Politik zwangsläufig jedes Mal auch die durchaus handfeste Bedrohung des Staates durch seine Nachbarschaft (insbesondere durch den Iran) ebenfalls verbalisieren, auch wenn man diese nicht ignorieren darf. Und die Forderung, dass Israels Atomwaffen von den zuständigen internationalen Behörden überwacht werden sollten, kann man Günter Grass nicht ernsthaft übel auslegen, oder?

Mit dem Vorschlaghammer

Problematischer sind die Passagen in Günter Grass’ “Gedicht”, die mit dem Vorschlaghammer auf das angebliche Tabu der Israel-Kritik in Deutschland und eine besondere zu ebensolcher Kritik verweisen. Das Thema deutscher Schuld gegenüber Israel ist für den jüngst selbst-geouteten ehemaligen Waffen-SS-Freiwilligen Günter Grass verständlicherweise nicht nur ein allgemeines, sondern ein persönliches. Trotzdem sollte man in diesem mit Fettnäpfchen übersäten Feld präzise Aussagen treffen: Die fehlende Kritik an den zu kritisierenden Teilen israelischer Politik ist in Deutschland vor allem ein Manko in der Politik. Während ansonsten durchaus reichlich und oft genug im Ton des Anti-Judaismus kritisch von Israel gesprochen wird, vermittelt der Staat BRD nun einmal lieber Waffen in den Nahen Osten – übrigens nicht nur an Israel, wir sind ja schließlich Pluralisten.

Besonderer deutsche Verantwortung oder “deutsches Wesen”?

Und die „besondere Deutsche Verantwortung“? Manchmal haben wir den Eindruck, hierbei handelt es sich bei allem guten Willen in der rhetorischen Realität eher um eine verquere Version des vormaligen „deutschen Wesens“, an dem auch die Welt zu genesen hatte; ob sie wollte oder nicht. Interessanterweise bemüht sich der weitaus überwiegende Teil der Kritik an Günter Grass nicht einmal, die tatsächlichen Probleme seiner Einlassung zu ermitteln. Stattdessen werden die üblichen Keulen benutzt: ’, Brandstifterei etc., etc. Dass der Nahost-Konflikt, der gegenwärtig so verfahren ist wie kaum jemals und zudem ein akutes Kriegsrisiko birgt, durch einseitigen Druck auf Teheran nicht gelöst werden wird bleibt dennoch ein wahrer Kern des “Gedichts” von Günter Grass. Nächstes Mal bitte trotzdem eine Rede, Herr Grass; schlechte Lyrik gibt es schon genug.

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