Ultra-orthodoxe Juden stellen Israel auf den Prüfstand

Zwei Staaten Israel?

Zwei Staaten Israel?© Getty Images

Zwei Staaten ?

Gespräche zwischen Israel und Palästinensern erneut gescheitert

Nicht erst seit der entsprechenden UN-Resolution im Jahre 2002 ist die “” als Heilmittel im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern Konsens in beinahe allen Sonntagsreden, die weltweit dem Nahostkonflikt gewidmet waren und sind. Und was sollte auch sonst – nicht zuletzt angesichts der Mauer, die mittlerweile kreuz und quer durch Israel verläuft – Ziel eines Verhandlungsprozesses sein, der spätestens seit 2008 diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient. Gerade in diesen Tagen sind erneut Vor-Verhandlungen, diesmal in Jordanien, gescheitert und man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass in der gegenwärtigen innenpolitischen Lage Israels, die Benjamin an die Staatspitze geführt hat, diese Zwei-Staaten-Lösung bis auf weiteres endgültig die Gestalt einer Fata Morgana annehmen wird. Zumindest die zwischen Israel und .

Ultra- stellen Israel auf den Prüfstand

Denn das vielleicht auf Sicht gesehen innenpolitisch sprengkräftigste Problem in einem an strukturellen Verwerfungen nicht armen Staat stellen für Israel die gegenwärtig etwa 700.000 Menschen dar (etwas mehr als 10% der Gesamtbevölkerung), die zum “ultra-orthodoxen” Judentum gerechnet wird. Diese Charedim, so die in Israel gebräuchliche Bezeichnung, zerfallen in zahlreiche Vereinigungen und Sekten. Politisch gesehen reicht dabei das Spektrum von grundsätzlicher Ablehnung des israelischen Staates als nicht durch den Messias erschaffene Einheit bis hin zur ausdrücklichen Befürwortung Israels als zionistischem Projekt.

Orthodoxe demographisch im Vorteil

Die Probleme mit den Charedim beginnen für den Staat in Israel mit der Demographie: Denn im Gegensatz zur – ähnlich wie in Deutschland – schrumpfenden Restbevölkerung zählen ultra-orthodoxe Familien in Israel im Durchschnitt sieben Kinder. Das hat zur Folge, dass heute bereits ein Viertel der israelischen Grundschüler in Israel aus charedischem Elternhaus stammt. Für einige Stadtviertel von Jerusalem und – wie in der zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegenen Stadt Beit Shemesh – ganze Gemeinden bringt dieser Trend handfeste soziale Probleme mit sich, die offenbar mehr und mehr gewaltsam ausgetragen werden.

Teheran, Kabul und Jerusalem

Bereits Kinder werden da wegen Verstößen gegen die strengen Sitten der in Beit Shemesh mittlerweile die Majorität stellenden Charedim bespuckt und angepöbelt. Im Klartext bedeuten diese Regeln getrennte Bürgersteige für Frauen und Männer, getrennte Sitzbereiche in Bussen und insbesondere für Frauen weitere Einschränkungen, die man gemeinhin eher mit Teheran und Kabul während der Herrschaft der Taliban verbindet, als mit Israel. Wie groß das Problem tatsächlich ist, lässt sich an Überlegungen ablesen, die nach Zeitungsberichten Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereits für Beit Shemesh angestellt haben soll: Netanjahu überlege, so der Bericht, ob man die Stadt nicht in einen religiösen und einen säkularen Teil spalten solle, komplett mit zwei unabhängigen Stadtverwaltungen.

Zwei-Staaten-Lösung innerhalb Israels?

Netanjahu, der im Parlament auf die Stimmen der ultra-orthodoxen Schas-Partei angewiesen ist, ist – sagen wir es offen – kein Mann der für gewöhnlich unser Mitgefühl erregt. Die Aufgabe jedoch, mit einer ultra-religiösen Minderheit zurecht zu kommen, die zudem in absehbarer Zeit in Israel keine Minderheit mehr sein wird, ist keine, um die man ihn beneidet – oder seine Nachfolger. Denn das Problem am religiösen Fanatismus – sei er jüdisch, christlich, muslimisch oder sonst wie – ist schlicht dies: Streng genommen leben solche Menschen in einer anderen Welt. Oder um es im Land des Kulturprotestantismus einmal deutlich zu sagen: Der Glaube und die Buchstaben der heiligen Schrift ist für die Charedim in Israel genauso wenig Gegenstand gelehrter Diskussion wie für Bible-Belt-Evangelikale oder Salafisten.
De facto ist sie demnach bereits im Entstehen, die inner-israelische Zwei-Staaten-Lösung. Offizielle Schritte in diese Richtung wären für den Staat Israel allerdings der Offenbarungseid.

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