Betrachtungen zu einer seltsamen Treibjagd

Was ist Wikileaks?

Was ist Wikileaks?

Was ist ?

Was ist, was macht Wikileaks eigentlich? Ist das, was Wikileaks-Gründer und sein Netzwerk tun etwas anderes als investigativer Journalismus? Hätte zum Beispiel der “Spiegel” die vertraulichen Berichte US-amerikanischer Diplomaten in seiner nächsten Ausgabe gebracht, wenn er sie denn zugespielt bekommen hätte? Sind die klassischen Medien die vielgepriesene “4. Gewalt” in der Demokratie und ist das mit Wikileaks an erster Stelle eine Bande von Terroristen?

Öffentlichkeit oder Terrorismus?

Der neue Staatsfeind Nr. 1 in den und andernorts heißt jedenfalls Julian Assange, der nun in London verhaftet wurde. Dass die Anklage, wegen der er von der schwedischen Jusitiz weltweit gesucht wurde, im besten Fall fragwürdig erscheint, verleiht der Verhaftung einen offensichtlichen Beigeschmack. Davon abgesehen wäre es durchaus zu begrüßen, wenn alle mutmaßlichen Sexualstraftaten mit gleicher Konsequenz verfolgt würden.
Nicht nur konservative US-Politiker hatten Assange und Wikileaks aber ohnehin bereits unter das Verdikt des Terrorismus gestellt und einige von ihnen sähen ihn wohl am liebsten in Guantanamo.
Angesichts des vermeintlichen “Cyber-Kriegs” gegen Wikileaks-Server einerseits und staatliche Stellen sowie Unternehmen, die Wikileaks ihre Unterstützung entzogen hatten (PayPal zahlt bereits wieder) andererseits, geraten die tatsächlichen Kernpunkte der Affäre außer Sicht:

Politik geht im Hinterzimmer besser

Da ist zunächst die beleidigte Reaktion von Staaten, bsonders von den vorgeführten Vereinigten, die offenbar noch immer schwer an der Pressefreiheit und erst recht an den Möglichkeiten des Internets zu kauen haben. Man muss allerdings nur etwa an das Verhalten der Regierung der BRD auf die “Spiegel-Affäre” erinnern, um zu wissen, dass dies nichts Neues ist. Die Dimensionen sind andere, aber Politik macht sich ohne allzuviel Einsicht von außen einfach besser, damals wie heute.

Geheimisverrat durch Wikileaks?

Der Punkt, an dem die wahlweise martialisch oder – wie auch in deutschen Medien (Welt, FAZ) – staatstragend daherkommenden Vorwürfe des Geheimnisverrats gegen Wikileaks komplett zur Farce geraten, ist daher ein anderer:
Denn diejenigen, die ansonsten der Jugend der Welt erklären, dass sie bei der Veröffentlichung ihrer persönlichen Daten in “Facebook” vorsichtig sein müsse, haben beim Schutz von Staatsgeheimnissen kläglich versagt. Dass diese Erkenntnis schlechte Laune verursacht ist verständlich, aber keineswegs angemessen.

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