Zur Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton

William und Kate oder die letzte Chance

William und Kate

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/02/Coat_of_Arms_of_Prince_William_of_Wales_Arms.svg

William und Kate oder die letzte Chance

Die Welt brennt und England feiert . So könnte man angesichts der täglichen Meldungen ausrufen, die uns aus Syrien, Libyen, Japan, dem Jemen, Afghanistan und, und, und erreichen. Trotzdem wird zumindest die Weltpresse, wenn vielleicht auch nicht die vielzitierte Weltöffentlichkeit (man beachte den feinen Unterschied) am heutigen Freitag ihre Aufmerksamkeit der Vermählung von Prinz William und Kate Middleton widmen. Allein in Deutschland werden vier Fernsehkanäle – Nachrichtensender nicht mitgezählt – “live” berichten, wenn William und Kate sich in Westminster Abbey das Jawort geben. Jenseits der prachtvollen Bilder, die eine solche Veranstaltung zweifelsohne liefert, geht es für Englands jedoch um weit mehr: Es ist, so meinen viele, die letzte Chance der Windsors, ihre Berechtigung als hochbezahlte Staatsoberhäupter unter Beweis zu stellen. ohne ? Die Frage lohnt sicher einen genaueren Blick.

Monarchie oder Republik?

Glaubt man Graham Smith, dem Wortführer der organisierten Monarchie-Gegner in England, so ist das Interesse der Briten an der königlichen Hochzeit weit weniger groß als das des Auslandes und das der britischen Medien. Smith leitet daraus ein Desinteresse der Bürger am royalen Staatsoberhaupt ab, das er mit der Einführung eines gewählten Präsidenten beheben möchte. Dass er dabei ausdrücklich nach Deutschland verweist, muss man wohl mit der Unkenntnis der hiesigen Situation erklären – oder wann haben Sie zum letzten Mal von Christian Wulff gehört?
Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, ob der enorme finanzielle Aufwand, mit dem sich der britische Steuerzahler die Windsors als Staatsoberhäupter leistet, gerechtfertigt ist. Vergleicht man das internationale Mobilisierungspotential der Hochzeit von William und Kate mit dem, sagen wir, der Hochzeit selbst noch von Chelsea Clinton, geht der Punkt an die Windsors.
Wenn schon ein Staatsoberhaupt zu Repräsentationszwecken, so könnte man argumentieren, dann doch bitte das Original.

Vorerst kein William V.

Doch dieses Original hat seine Tücken, denn – allen Unkenrufen zum Trotz – wird es sich Prinz Charles nach dem Tod seiner Mutter mitnichten nehmen lassen, den Thron zu besteigen; wie könnte er auch, nach einer solchen Wartezeit? Abwählen ist also nicht, auch wenn das Volk noch so viel lieber einen König William V. als Nachfolger von Elisabeth II. sähe. Ein Punkt für die Republik, ganz gewiss, doch vielleicht nur auf den ersten Blick.
Denn der Schacherei um Kompromisskandidaten für das höchste Staatsamt hierzulande, die nun einmal zum politischen Spiel in der Demokratie gehört, steht buchstäblich eine Entscheidung fürs Leben gegenüber. Damit wären wir beim erstaunlichsten Faktum, das die heutige royale Hochzeit zu bieten hat: Da haben sich mit William Mountbatten-Windsor und Kate Middleton zwei vergleichsweise junge Menschen (Jahrgang 1982) entschieden, ein Leben ohne nennenswerte Privatsphäre zu führen. Fürstlich entlohnt, gewiss, aber in einer Weise öffentlich zur Schau gestellt, die man sich extremer kaum vorstellen kann. Eine Entscheidung, die Respekt abnötigt und man darf sehr wohl gespannt sein, was die beiden aus dieser Situation machen.

Tradition und Feenstaub

2:1 also für die Erbfolge? Vielleicht. Aber wer schaut sich schon aufgrund derartiger, trocken-politischer Überlegungen die Hochzeit im Fernsehen an? Eben, niemand. Die Faszination die von der Hochzeit von und Kate Middleton ausgeht, liegt wohl eher im eigentümlichen Einbruch uralter Tradition in eine Zeit begründet, in der Epochen am treffendsten anhand der Entwicklung der Computertechnik beschrieben werden müssten. Um es anders auszudrücken: Dieses Ereignis hat etwas simples, greifbares, sofort verständliches an sich, das willkommene Abwechslung verspricht. Und außerdem – zu welcher Gelegenheit wird sonst vor aller Augen eine solche Menge Feenstaubs verstreut?
Man möge uns deshalb nun entschuldigen; wir haben eine Verabredung mit Rolf Seelmann-Eggebert.

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