Zur möglichen Wiedergeburt des deutschen Damentennis

Wieder großes Tennis?

Großes Tennis

Wieder großes ?

Als Tennisfan in Deutschland ist man in der letzten Dekade zu zwangsläufig zu einer Art ewig Gestrigem geworden. Zu strahlend die Erinnerungen an Wimbledon-Finals Becker-Sampras (auch wenn Becker verlor) und, natürlich an die Auftritte von , die zu Zeiten gar keine ernsthaften Konkurrentinnen haben zu schien. Michael Stich, das sagen wir offen, zählte trotz Wimbledon-Sieg irgendwie schon nicht mehr, ebenso Anke Huber. Danach kam die Zeit der Leiden; unterbrochen, immer wieder, durch kurze Zustände der Hoffnung, die üblicherweise in Viertelfinals endeten. Nun ist es wieder einmal soweit – wir geben zu, wir können es auch nicht lassen – man darf fragen, ob es aus Deutschland bald wieder großes Tennis zu sehen gibt.

Zur möglichen Wiedergeburt des deutschen Damentennis

Wir reden natürlich vom Damentennis. Während Nicolas Kiefer vor einigen Monaten endgültig seine Karriere beendete, tapfer sein x-tes Verletzungs-Comeback versuchen wird und allgemein die deutschen Herren – wie immer eigentlich – hauptsächlich mit sich selbst zu kämpfen haben, gibt es bei den Damen und . Beide, und das scheint bei aller gebotenen Vorsicht sie von vielen ihrer Vorgängerinnen als Hoffnungsträger zu unterscheiden, strahlen eine Mischung aus Ehrgeiz und Gelassenheit aus, die erstaunt. Einerseits werden da Viertelfinals nicht als Erfolge gewertet, andererseits hat man nicht (mehr) das Gefühl, dass sie an Niederlagen sofort zerbrechen. Beides haben wir oft erleben müssen in den letzten Jahren, darum sind wir vorsichtig geworden, was Prognosen angeht. Aber die Weltrangliste lügt erst einmal nicht und zwei Damen unter den Top 20 hatten wir ein gefühltes Jahrhundert nicht mehr.

French Open als Gradmesser

Diese zweite Woche der French Open in Roland Garros wird allerdings recht schnell zeigen, ob wir es hier wieder mit einem Strohfeuer zu tun haben, oder ob Görges und Petkovic die in diesem Jahr gezeigten Leistungen auch in der allerersten Liga des Tennissports unter Beweis stellen können. Während wir dies zuschauend abwarten müssen, erinnern wir uns an den Auftritt von Andrea Petkovic im Aktuellen Sportstudio vor einigen Wochen. Während ihres äußerst eloquenten Auftritts erzählte Petkovic auf eine entsprechende Frage, dass Steffi Graf sie zum gemeinsamen Training nach Florida eingeladen habe. Graf habe ihr, so die bosnische Hessin, dezidierte Hinweise gegeben, was sie noch zu verbessern habe, sie habe sehr viel gelernt.

“Steffi Graf könnte noch mitspielen”

Soweit so gut. Auf die Frage der Moderatorin, wie es denn sei, mit Steffi Graf Tennis zu spielen, dann aber die Antwort, die tief blicken lässt in die Realität des Damentennis: Graf könne, so Petkovic, für eine Dreiviertelstunde noch immer problemlos mit den Top 5 der Welt mithalten, dann fange allerdings ihr Körper an hier und da zu zwicken. Ein beeindruckender Befund, aber auch ein trauriger, der sich mit dem Eindruck der letzten Jahre deckt. Während im Herrentennis die Spielweise von und dessen Duelle mit Rafael Nadal gleich eine genze Generation von Spielern auf ein neues Niveau getrieben hat (beste Beispiele: Andy Murray und Novak Djokovic), ist bei den Damen eigentlich gar nichts passiert. Kim Clijsters konnte nach ihrer Babypause einfach zurückkommen und gewann gleich die US Open, Henin ist leider nach ihrem Comeback nicht mehr die alte und ansonsten wird eigentlich nur im Williams-Sharapova-Stil auf dem Ball herumgeprügelt.

Zeit also wieder für großes Tennis; warten wir es ab.

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