Für wen arbeitet Odysseus?

Trojanische Bombe: Der Computervirus “stuxnet”

Trojanische Bombe: Der Computervirus "stuxnet"

Trojanische Bombe: Der “stuxnet”

Mit , dem König von Ithaka und listenreichstem griechischer Krieger im Feldzug gegen , hat uns Homer den besten Strategen der Kriegsgeschichte hinterlassen: Mit etwas Bauholz, einer kleinen, mobilen Kampfeinheit und etwas Phantasie beendete sein in einer Nacht einen Krieg, der bereits 10 Jahre gedauert hatte. Der Computervirus “stuxnet”, der im Moment die Elite der Sicherheitsexperten des Planeten beschäftigt, entpuppt sich hingegen mehr und mehr als Erstschlagswaffe; als “trojanische Bombe” sozusagen.

Für wen arbeitet Odysseus?

Das Prinzip eines sogenannten “Trojaners”, derjenigen Art von Computervirus, die von Hollywood zum unumschränkten Star der Schadprogramme erhoben wurde, ist bei Odysseus abgeschaut: Man bringt den Gegner dazu, die Tore zu öffnen und verrichtet alsdann heimlich das tödliche Handwerk. “Stuxnet” ist allerdings nicht irgendein Schadprogramm, es ist vielmehr das wohl perfekteste seiner Art. Es benutzt zwar, wie viele seiner Kollegen, Schwachstellen in Microsofts Betriebssystem Windows. Der entscheidende Unterschied aber ist, dass es nicht nur gleich deren vier kennt, sondern dass diese vier Schwachstellen zuvor nicht bekannt waren, angeblich nicht einmal Microsoft. Überdies ist die Gesamtarchitektur von “stuxnet” derart ausgefeilt (und daher extrem teuer in der Herstellung), dass sich die Frage aufdrängt: Für wen arbeitet Odysseus?

Iranisches Atomprogramm sabotiert?

Die Indizien sind interessant: Der neue Super-Virus kommt nicht nur mit einer Windows-Version klar, sondern nimmt es von Windows 2000 (wir erinnern uns mit Grausen) bis zu Windows 7 mit allen Varianten auf. Eine für völlig neue Sichtweise auf das leidige Thema der Kompatibilität tut sich da auf!
Derjenige Hinweisaber, der den allerdings endgültig aus der Masse seiner in Hobbykellern zusammenprogrammierten Artgenossen hebt, betrifft seinen Einsatzzweck: Stuxnet war offenbar konstruiert, um eine Zentrifugenanlage im , in der Uran zur Nutzung in Atomkraftwerken (und potentiell in Waffen) angereichert wird, zu sabotieren, in der es 2009 tatsächlich massive Störungen im Betriebsablauf gegeben hat.

Langley oder Tel Aviv?

Für den geneigten Beobachter bleiben eine Gewissheit und eine Frage. Erstere lautet: Die Sicherheit von Atomkraftwerken und ähnlich sensiblen Einrichtungen hat mit der Wandstärke der Gebäude nur am Rande zu tun. Die zweite hingegen: Liegt Ithaka bei Langley oder Tel Aviv?

Das Kunststück aber, mit einem trojanischen Pferd einen Krieg zu beenden, haben die Erbauer der trojanischen Bombe allerdings trotz ungleich höheren Aufwands verfehlt. Odysseus, der listenreiche, bleibt ungeschlagen.

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