Die EU erhält den Friedensnobelpreis - Barack Obama hat ihn ja schon

They did it again: EU erhält Friedensnobelpreis

Friedensnobelpreis an die EU© Getty Images

Friedensnobelpreis an die

Die EU erhält den Friedensnobelpreis – hat ihn ja schon

Nein, es ist keine Ente. Das Osloer Nobelkomitee hat entschieden, den diesjährigen Friedensnobelpreis an die zu verleihen. Die EU und ihre Vorgänger, so das Komitee in seiner Begründung, hätten “über sechs Jahrzehnte zur Förderung von und Versöhnung beigetragen.” Ihre Arbeit entspreche einer Form von ‘Friedenskongress’, wie Alfred Nobel dies als Kriterium für den Friedensnobelpreis in seinem Testament umschrieben habe. Wenigstens, könnte man erwidern, hat die EU irgendeine Form von Arbeit vorzuweisen. Der letztjährige Preisträger, US-Präsident Barack Obama, wurde schließlich nur für in ihn gesetzte, mittlerweile auch in Oslo zerstobene Hoffnungen ausgezeichnet.

They did it again: EU erhält Friedensnobelpreis

Aber hat das Nobelpreiskomitee nicht recht? Hat die EU (ihre Vorgänger seit der Montanunion eingeschlossen) nicht auf einem von zwei Weltkriegen zerstörten Kontinent für Frieden gesorgt? Ist der Weg von Verdun nach Brüssel nicht weit genug gewesen, um den Friedensnobelpreis zu verdienen? Zugegeben, wer heute noch ernsthaft mit der Möglichkeit eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich rechnet, muss wohl geistig verwirrt sein. Aber verlangt eine Auszeichnung wie der Friedensnobelpreis – wenn man ihn nach der Farce des letzten Jahres noch ernst nehmen kann – nicht, das ganze Bild des Preisträgers Europäische Union zu betrachten?

Kein Sieg der reinen Vernunft

Wir denken ja und beginnen sollte man gleich am Anfang. Denn es war ja nun nicht so, dass der Beginn der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrig der reine Sieg der Vernunft war, als der er in der Laudatio auf den Friedensnobelpreis-Träger EU dargestellt wird. Wir wollen doch bitte nicht vergessen, dass diese Vernunft zu einem guten Teil, und glücklicherweise, den vom Krieg mehr oder minder zerstörten Feinden von der neuen Supermacht USA diktiert werden konnte und musste. Oder glauben Sie, Adenauer und de Gaulle hätten sonst zusammengefunden? Beim schlimmsten innereuropäischen Krieg danach, dem in Ex-Jugoslawien, musste erneut die Hilfe der USA angefordert werden, während unter den Augen europäischer Truppen Milosevic und Co. in aller Ruhe Frauen und Kinder abschlachten (lassen) konnten.

Festung Europa

Doch das sind, so könnte man wiederum einwenden, doch vergangene Zeiten, schließlich herrscht gegenwärtig und in absehbarer Zukunft Frieden in Europa. Und Eurokrise hin oder her, die Attraktivität der EU für potentielle Beitrittskandidaten ist unvermindert hoch. Also doch ein gerechtfertigter Friedensnobelpreis? Wenn man das Faktum fehlender Kriege im Gebiet der EU gelten lässt, vielleicht. Aber was ist, wenn man aus der rein europäischen Perspektive herauszoomt? Schließlich ist die EU nach allen selbst-Bekenntnissen der letzten Zeit doch vor allem ein wirtschaftlicher Zusammenschluss. Und als solcher tut sie mit Subventionen nach innen und Protektionismus nach außen einiges, um den nach wie vor größten Faktor für Krieg und Elend auf dem Planeten zu zementieren: Das gegenwärtige Weltwirtschaftssystem in seiner ganzen Hässlichkeit. Und schon sind wir, zusammen mit einer äußerst wenig Friedensnobelpreis-würdigen Einwanderungspolitik, beim durchaus nicht falschen Bild von der Festung Europa.

Diese Festung ist übrigens bestens mit Waffen eigener Produktion ausgestattet, die die waffenproduzierenden Mitgliedsländer der EU großzügig und profitabel in alle Welt verkaufen. Andererseits machte Alfred Nobel ja auch in Sprengstoff. Und hat ihn schließlich auch bekommen, den Friedensnobelpreis.

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