Schröder, Käßmann, Wulff - Hannover royal?

Sodom und Hannover

und Hannover

Was fällt ihnen zu Hannover ein? Kröpke? Maschsee? VW? Fußgängerzone? Aufregendes jedenfalls eher nicht, vielmehr – natürlich im besten Sinne – eine gewisse Harmlosigkeit, Solidität, vielleicht gar ein wenig Langeweile? In Hannover spricht man nicht nur das klarste Hochdeutsch; nein, die Stadt steht in gewissem Sinne fast paradigmatisch für Nachkriegsdeutschland: Man geht dort gewissenhaft seiner Arbeit nach, fährt Volkswagen und eckt im besten Fall nirgends an. Hannover ist nett, so die Vorstellung; gewissermaßen ein Vorstadtidyll im Landeshauptstadt-Kostum. Kölscher Klüngel? Münchner Schickeria? Frankfurter Männerbünde? Nein, hier nicht – so dachten wir lange Zeit.

Schröder, , – Hannover royal?

Dann bewarb sich ein Sozialdemokrat namens Gerhard Schröder um den Posten des hannoverschen Landesvaters und aufmerksame Beobachter stutzen über das wie. Da wurden plötzlich im “Stern” politische Home-Stories veröffentlicht; der Kandidat ließ sich mit wehenden Haaren bei flotter Fahrt im offenen Audi-Cabrio ablichten. War das noch Hannover? Es war es ganz offensichtlich. Und als besagter Herr Schröder dann Hannover mit Berlin als Amtssitz tauschte, waren plötzlich alle verblüfft, über wie gute Kontakte in Großindustrie und Geldadel dieser sozialdemokratische Provinzfürst verfügte. Es waren dies, so lesen wir nun, mehr oder weniger die gleichen Personen, die auch Wulff zu seinen Freunden und Förderern zählt. Hannover royal, sozusagen.

Listig und brutal

Mittlerweile ist Herr Schröder eine Liga aufgestiegen und hat Freunde in Moskau und Sankt Petersburg. Während er aber politisch klug genug war, um sich erst nach seiner Abwahl offen ins Zwielicht zu begeben, wurde Hannover für andere zum Problem. Zuerst vergaß Margot Käßmann für einen Abend scheinbar, dass sie zu ihrer großen Bekanntheit und Beliebtheit nur mit Hilfe einer neugierigen Öffentlichkeit gelangt war. Listig führte Hannover sie in die süße Irre des Unantastbarkeits-Gefühls (auch eine Schröder-Domäne), um sie dann brutal in Person eines braven Streifenpolizisten wieder auf den harten Boden des Fahrverbots zurückzuholen. Das Ende einer Karriere.

Wulffs Guttenberg’sche Entschuldigung

Das Gefühl, sich vieles erlauben zu können, scheint auch Christian Wulff bewogen zu haben, sich sein Aufsteiger-Einfamilienhaus nicht etwa mit Schwäbisch Hall, sondern mit Hilfe von Hannovers Geldgranden zu finanzieren. Wieder hatte Hannover einen in Sicherheit gewogen, der – im Gegensatz zu Schröder – dabei erstaunlich wenig politisches Gespür bewies. Dass Wulff nun voraussichtlich mit einer fast schon Guttenberg’sch dürren Entschuldigung davonkommt, ist wohl hauptsächlich dem Zustand der großen Koalition geschuldet, die sich nicht noch einen Abbrecher im Amt des Bundepräsidenten leisten kann. Hannover aber lächelt ungerührt. Vielleicht plant es bereits den nächsten Fall.

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