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Simonetta Cattaneo Vespucci

Simonetta Cattaneo Vespucci - porträtiert von Sandro Botticelli

- porträtiert von Sandro Botticelli

Simonetta Cattaneo Vespucci (* vermutlich am 28. Januar 1453 in Portovenere oder Genua; † 26. April 1476 in ), Tochter eines Adeligen aus Genua, galt als die schönste Frau von und inspirierte zahlreiche Künstler der italienischen , darunter Piero di Cosimo, der sie als Kleopatra darstellte, oder Sandro Botticelli, der sie – gemäß älterer Auffassungen in der Darstellungstradition – in seinem Werk „Die Geburt der Venus“ sowie in zahlreichen anderen allegorischen, Madonnen- und Portraitdarstellungen verewigte und darum bat, nach seinem Tode zu ihren Füßen beerdigt zu werden. (Ernst Gombrich hatte diese Theorie verworfen, die jedoch durch neue vergleichende Gegenüberstellungen durch eine Botticelli-Retrospektive im Frankfurter Städel 2009 wieder ins Blickfeld gerückt ist).

Simonetta wurde bereits im Alter von 16 Jahren mit Marco Vespucci (einem Cousin des Seefahrers und Entdeckers Amerigo Vespucci) verheiratet, die Ehe war jedoch – vermutlich aufgrund von homosexuellen Neigungen des jungen Ehemannes – nicht glücklich. Simonetta fand jedoch schnell Zugang zu den Kreisen um die Familie der .

Am 29. Januar 1475 fand in Florenz ein Turnier statt, bei dem Giuliano de Medici, der Bruder des berühmten Lorenzo Il Magnifico, seinen Auftritt Simonetta, der Königin der Schönheit (regina della belezza), gewidmet hatte. Sie erschien auf einer – nicht erhaltenen – Standarte aus Botticellis Werkstatt mit Helm, Lanze und Schild in der Pose der Pallas Athene neben Amor, der an einen Baum gefesselt war, die Pfeile zerbrochen; diese Szene sollte symbolisieren, daß die Schöne den Verlockungen des Werbenden widersteht und ihn zurückweist, wie es die Turnierregeln erfordern. Auch Poliziano beschreibt dieses Turnier in der Weise, dass die Auserwählte zur Minerva wird, und Botticellis Minerva-Darstellungen wiederum tragen ähnliche Züge der idealisierten schönen Frau, die mutmaßlich Simonetta Vespucci darstellt.

Porträt Simonetta Vespucci von Piero di Cosimo

Porträt Simonetta Vespucci von Piero di Cosimo

Es ist nicht klar, ob es im Anschluss an das Turnier bei der platonischen Verehrung blieb oder Simonetta zur Geliebten Giulianos wurde. Indizien wie die Medici-Kamee, die Botticellis „Weibliches Idealbildnis“ (Städel) um den Hals trägt, sind immer wieder gefunden worden. Andererseits ist davon auszugehen, daß eine Verbindung zwischen einem Medici-Regenten und einer verheirateten Frau einen stadtbekannten Skandal hätte auslösen müssen, ein solcher aber ist in den Quellen nicht überliefert.

Simonetta starb nur ein Jahr später in der Nacht vom 26. zum 27. April 1476 im Alter von 23 Jahren an Tuberkulose und ist in der Familienkapelle der Vespucci in der Kirche Ognissanti in Florenz beigesetzt. Giuliano wurde auf den Tag zwei Jahre nach ihrem Tod im Zuge der „Pazzi-Verschwörung“ im Florentiner Dom Santa Maria del Fiore erstochen.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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