Wasser und Gebete gegen den Super-GAU in Japan

Selbstmord in Fukushima

Selbstmord in Fukushima

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So sieht sie aus, die letzte Bastion einer hochtechnisierten Gesellschaft gegen die atomare Katastrophe, den Super- im japanischen Fukushima: 50 Männer, Meerwasser und Gebete, dass nach Erdbeben und Tsunami die nukleare Katastrophe eine begrenzte bleiben möge. Es ist, unter allen verstörenden Bildern und Berichten, die uns seit letzten Freitag aus erreichen, vielleicht die bitterste Nachricht. Eine Handvoll Menschen bemüht sich mit schon fast tragisch unzureichenden Mitteln, die radioaktive Verstrahlung großer Teile eines dichtbesiedelten Landes irgendwie noch zu verhindern. Und, das unterscheidet die Lage in von der 1986 in Tschernobyl, wir alle sehen und hören zu beim Selbstmord in Fukushima.

Wasser und Gebete gegen den Super-GAU in Japan

Wir sehen Wasser, das auf überhitzte, teilweise in der Kernschmelze befindliche Reaktoren geschüttet wird, als gelte es, ein brennendes Auto zu löschen. Wir hören Vorhersagen über Windrichtungen, die über das Wohl und Wehe der 37 Millionen Einwohner Tokios entscheiden könnten. Was das Fernsehen nicht zeigen kann, sind die Gedanken derer, die im Kernkraftwerk Fukushima in diesen Tagen wahrscheinlich ihr Leben, ganz sicher ihre Gesundheit opfern. Und man kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass dieses umsonst sein wird. Umsonst, weil die Reaktoren nicht mehr zu retten sein werden und umsonst, weil die nun vielerorts geäußerten Hoffnung auf das Ende des Atomzeitalters in der Sphäre des Wunschtraums verbleiben wird.

Im Atomstreit nichts neues aus Fukushima

Jürgen Kaube hat recht, wenn er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt, es gebe sachlich keine neuen Argumente im Streit um die Kernkraft, der allem Anschein nach ohnehin ein deutsches Phänomen bleiben wird. Wenn Kanzlerin Merkel ihre taktische Kehre mit einer neuen Lage begründet, die durch Fukushima entstanden sei, lügt sie und sie weiß es. Was soll man auch machen, zwei Wochen vor der Wahl, wenn sich in Umfragen plötzlich 80% der Deutschen als Gegner der Kernenergie bezeichnen?
Dass der Größte Anzunehmende Unfall (GAU), auf den ein vorbereitet sein muss, in der Realität immer zu einem unkontrollierbaren Super-GAU werden kann, wusste man immer. Dass dieses “Restrisiko” jede Erwähnung von Kernkraft und Rationalität in einem Satz zum Absurdum macht, war ebenfalls klar. Wer, ganz direkt gefragt, stellt sich eigentlich bei uns mit dem Wassereimer neben den Reaktor, wenn es so weit ist?

Kein Ende des Atomzeitalters in Sicht

Keine neuen Argumente, nur neue Bilder gibt es. Doch die Macht der Bilder ist eine kurzfristige; Schreckensbilder gibt es genug, die menschengemachten Schrecken der Welt sind davon nicht verschwunden. Langfristig hingegen wirken die Folgen radioaktiver Strahlung. Schon deswegen muss man hoffen, dass “nur” die 50 in Fukushima mit ihrer Gesundheit oder ihrem Leben bezahlen. Allein, der Glaube fehlt auch hier.

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