Kein Holocaust, kein Kalter Krieg. Saarlands Schüler bald ohne Geschichte?

Schulreform im Saarland

Stundenplan ohne Geschichte

Ein Stundenplan ohne - die Zukunft im Saarland?

Schul-Reform im Saarland auf Kosten der Geschichte.

Geschichte ist die Lehrmeisterin für das Leben, heißt es bei Cicero – nach allgemeiner Ansicht zu Recht. Die schwarz-gelb-grüne Landesregierung des Saarlands scheint anderer Ansicht zu sein; anders ist die dort beschlossene Schul-Reform nicht zu erklären.

Vorauszuschicken ist, dass im deutschen Bildungswesen – sei es in den Schulen oder den Hochschulen – nun wahrlich nicht alles zum Besten steht. Nicht erst seit Pisa und Bologna stehen alle Zeiger auf fünf vor Zwölf, und statt durch tiefgreifende Reformen für mehr (NICHT dasselbe wie: Ausbildung oder Wissen!) zu sorgen, wird gepfuscht, kaschiert und beschwichtigt, was das Zeug hält.

Die im Saarland kürzlich beschlossene Schulreform scheint nun – je nach Grad des persönlichen Pessimismus’ – diese schändlichen Entwicklungen fortzuschreiben, oder vielleicht die offenkundige Bildungsverachtung im Land der Dichter und Denker sogar auf eine neue Stufe zu heben:

Ab dem nächsten Schuljahr wird es in den Schulen des Saarlandes möglich sein, das Fach Geschichte nach der neunten Klasse abzuwählen. Man hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland möglich wäre, dass sich jemand auch nur trauen würde, so etwas vorzuschlagen. Und doch ist es passiert.

Schüler werden also künftig im Saarland das Abitur erwerben können, ohne je von so unwichtigen Themenkomplexen wie dem Nationalsozialismus, dem , dem Kalten , der DDR oder auch dem Zusammenbruch des Ostblocks behelligt worden zu sein.

Herzlichen Glückwunsch, damit wäre die Klammer gesetzt, die sich die “Schlußstrich-Fraktionen” Rechts wie Links schon immer gewünscht haben; und von Weimar (wenn überhaupt) ginge es direkt nach Berlin.

Man müsste eigentlich zum Marsch aufs saarländische Bildungs(!)ministerium ansetzen und es so lange belagern, bis Minister Klaus Kessler (Grüne) und seine Helfershelfer Vernunft annehmen. Jener versicherte unterdessen in treuherziger Naivität, dass zum Ausgleich dessen das Fach Politik gestärkt werden solle.

Dazu ist zweierlei zu sagen: Erstens glaubt niemand, dass angesichts der ohnehin vollen Lehrpläne dank “Turbo-Abitur” ein Fach ein anderes auch nur annähernd ersetzen könnte. Und zweitens ist doch genau das der Punkt: Politische Bildung ohne fundierten geschichtlichen Hintergrund ist zum Scheitern verurteilter Unsinn.
Vom schreienden Gegensatz der Neuregelung zur gerade in Deutschland so vielzitierten “geschichtlichen Verantwortung” als zentraler politischer Kategorie soll an dieser Stelle geschwiegen werden.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Schüler nicht von ihrem Abwahlecht Gebrauch machen werden. Aber wer sollte es ihnen verdenken, wenn die Stundenpläne angesichts des 12-jährigen Abiturs (übrigens der Grund für die Neuregelung des Geschichtsunterrichts!) immer voller werden?

Die zentrale Kontaktadresse für E-Mails im Bildungsministerium des Saarlands lautet übrigens, dies nur am Rande: poststelle@bildung.saarland.de.

Nur für den Fall, dass es etwas zu verschicken gäbe. Geschichtsbücher zum Beispiel.

Themenverwandte Artikel, die Sie auch interessieren könnten: