Maler

Sandro Botticelli

Sandro Botticelli - Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom

- Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom

1. Allgemeines über Sandro Botticelli

Sandro Botticelli (* 1. März 1445 in ; † 17. Mai 1510 ebenda; eigentlich Alessandro di Mariano Filipepi) war ein italienischer und Zeichner der frühen Renaissance.

Im Geist der und des Humanismus malte Botticelli, beeinflusst von Filippo Lippi, Masaccio und Antonio Pollaiuolo, religiöse Bilder, Altarbilder sowie Bilder aus dem Themenbereich der griechischen Mythologie und Allegorien mit Gegenwartsbezug. Von herausragender Bedeutung ist seine Porträtkunst, die nachhaltig das Bild der Medici und ihrer Parteigänger geprägt hat. Sein Spätwerk trägt emotional expressive Züge mit Rückbezug auf die Gotik. Einige Elemente seiner Malerei wurden später von den Präraffaeliten im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen. Auch der Jugendstil nahm in Linie und Ornament Anleihen von ihm auf. Botticellis Gesamtwerk weist ihn als einen der bedeutendsten Maler der italienischen aus.

2. Leben und Wirken

Fast alle Informationen über das Leben Botticellis stammen aus der Biographiensammlung Giorgio Vasaris von 1550. Danach wurde „Botticelli“ (der Spitzname – von „botticello“ = Fässchen – stammt von seinem Bruder Giovanni) im Florentiner Arbeiterviertel Ognissanti als jüngster Sohn des Lohgerbers Mariano di Vanni Filipepi geboren. Er blieb dieser Stadt sein ganzes Leben lang eng verbunden. Florenz war ihm zeit seines Lebens geistige Heimat, da er zunächst durch den in Florentiner Adelskreisen besonders geförderten Humanismus und später durch die Lehren des Bußpredigers und Medici-Gegners Girolamo Savonarola (1452–1498) starke künstlerische Anregungen empfing.
Botticelli wurde Lehrling eines Goldschmiedemeisters, eventuell seines älteren Bruders Antonio, stellte aber bald fest, dass er mehr Interesse an der Malerei hatte. Ab 1464 wurde er für drei Jahre Schüler in der in Prato gelegenen Werkstatt des damals berühmtesten Malers der Stadt, Fra Filippo Lippi (1406–1469). Zwischen 1465 und 1470 fertigte Botticelli eine Reihe von Madonnenbildern an (darunter die „ con Bambino e due angeli“, mit Kind und zwei Engeln, gefertigt zwischen 1468 und 1469). In diesen Frühwerken zeigen sich deutlich die Einflüsse seines Lehrmeisters Lippi, aber auch der robustere Stil der beiden damals führenden Maler in Florenz, Antonio Pollaiuolo und Andrea del Verrocchio.

Madonna und zwei Engel von Sandro Botticelli

Madonna und zwei Engel von Sandro Botticelli

1470 eröffnete Botticelli seine eigene Werkstatt. Im selben Jahr erhielt er von Tommaso Soderini den Auftrag, ein Bild der Tapferkeit zu malen, um damit die Reihe der Tugenden zu komplettieren. Diese Reihe wurde für das Gericht im Palazzo dei Mercanti gefertigt. Wiederholte Kontakte mit den Medici und die besondere Förderung durch Lorenzo de Medici gewährten ihm politischen Schutz, sicherten ihm kontinuierliche öffentliche Aufträge für die nächsten 20 Jahre – u. a. auch durch Lorenzo di Pierfrancesco de Medici – und schufen ideale Voraussetzungen für zahlreiche Meisterwerke. Als Dank verewigte er die Familie symbolisch-bildnerisch.

Botticelli war als Porträtmaler in seiner Vaterstadt bekannt und beliebt. Den engen Zusammenhang mit dem humanistischen Gedankengut der Zeit und die schöpferische Phantasie des Künstlers zeigen seine reiferen Meisterwerke nach 1475, insbesondere seine allegorischen Darstellungen „Der “, auf dem das Erwachen der Natur durch blumenbekränzte, leichtverhüllte Mädchen in einer paradiesischen Landschaft verkörpert wird, und „Die Geburt der “, auf dem die aus dem Meeresschaum geborene Liebesgöttin in einer Muschel zur Küste treibt. Wie diese Werke verbinden auch die religiösen Bilder des Malers aus dieser Zeit (unter anderem „Die Anbetung der Heiligen drei Könige“ und „Die Krönung Mariä“) dieses zeitgenössische Gedankengut jedoch zugleich mit älteren, der Gotik nachempfundenen Bildvorstellungen.

Die überschlanken Figuren und Glieder seiner Frauengestalten, deren blasse, schwermütige Gesichter von reichem Goldhaar umflossen werden, zeigen in nervöser Zartheit diese Nachklänge der Gotik. Auch in der Ausgewogenheit des Bildaufbaus und in der Betonung der Linien findet dieser mittelalterliche Geist seinen Ausdruck. Diesen für Botticelli typischen wiederkehrenden weiblichen Gesichtsausdruck auf Madonnen-, Portrait- und allegorischen Darstellungen, wie er im „Weiblichen Idealbildnis“ (Frankfurt am Main, Städel) realisiert ist, haben einige Kunsthistoriker wiederholt mit den Zügen der 1476 jung verstorbenen Simonetta Vespucci in Verbindung gebracht. Diese Theorie, die Ernst Gombrich verworfen hatte, erlebte in der ersten umfassenden Botticelli-Retrospektive in Deutschland 2009 (im Städel) eine gewisse Renaissance.

Zwischen 1481 und 1482 wurde Botticelli gemeinsam mit anderen Künstlern von Papst Sixtus IV. nach Rom berufen, um die neu errichtete Sixtinische Kapelle mit großen Wandgemälden, die Ereignisse aus dem Leben Jesu und Mose darstellen sollten, sowie mit Porträts früherer Päpste zu schmücken.

Der Tod von Lorenzo de Medici im Jahr 1492 bedeutete vorerst das Ende der glänzenden Epoche florentinischer Kunst und den Beginn sozialer und religiöser Unruhen, besonders nach der Vertreibung der Medici 1494, als Savonarola bis zu seiner Hinrichtung 1498 seinen Gottesstaat in Florenz errichtete. Unter seinem Einfluss, so erzählt es Vasari in seinen berühmten „Vite“, habe sich Botticelli nur noch religiösen Themen gewidmet und das Malen gänzlich vernachlässigt. Dass Botticelli wie sein Bruder Simone zu den Anhängern Savonarolas gezählt habe, ist, wie es die neue Botticelli-Forschung herausgearbeitet hat, zweifelhaft. Weder hat Botticelli die Petition an den Papst wegen einer Begnadigung des Dominikanermönchs unterzeichnet; noch hat die Botticelli-Werkstatt die Arbeit eingestellt. Berühmt wurden seine in dieser Zeit entstandenen 94 Federzeichnungen zur „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri.

Nach 1500 konnte Botticelli möglicherweise wegen einer Behinderung nicht mehr selbst malen, während seine Werkstatt weiterarbeitete. Vasari beschreibt den Künstler im Alter als einen verarmten Mann, der auf Krücken durch die Stadt humpelte. Dieses möglicherweise subjektiv gefärbte Szenario, das Vasari zeichnete, ist jedoch nicht anhand anderer Quellen zu beweisen.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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