Ende des Wintermärchens: Die Biathlon-Saison geht vorbei

Rücktritte im deutschen Biathlon

Biathlon-Schießstand

Im Idealfall bleiben fünf weiße Scheiben: -Schießstand.

Die Biathlon-Saison geht mit Rücktritten zu Ende – was wird nun aus uns?

Es ist wieder einmal soweit, die Wintersport-Saison ist fast beendet und mit ihr die Wettbewerbe in Deutschlands populärster Sportart im Schnee: Biathlon. Wieder werden wir mit der Politik allein gelassen. Und schlimmer noch; der einzige Trost an trüben Tagen gerät sogar dauerhaft in Gefahr.

In Berlin stehen die Haushaltsdebatten an, die Regierung ist zerstritten, der Außenminister kommt nicht mehr zur Außenpolitik, und die Opposition? Naja.
In den USA steht Barack Obamas nächste Niederlage im Kongress zu befürchten, Israel baut fröhlich weiter Siedlungen auf palästinensischem Gebiet, Frankreich findet, dass Deutschlands Wirtschaft zu gut funktioniert, und die Griechen stehen vor einem Staatsbankrott, den irgend jemand wird bezahlen müssen; im Zweifel wir.

Und zu allem Überfluss ist die Saison im Biathlon, Deutschlands zu Recht beliebtester Wintersportart, fast beendet. Vorbei die Möglichkeit, der Tristesse der Weltpolitik im Allgemeinen und düsterer Mittwochnachmittage im politischen Berlin im Besonderen mit einem Klick auf die Fernbedienung zu entfliehen, in eine andere, bessere Welt:
Dorthin, wo der Schnee noch weiß ist, wo Frauen an der Waffe eine Selbstverständlichkeit sind und, vor allem, wo Deutschlands Sportler immer ganz vorn sind in der Welt. Es ist eine heile Welt, zwischen Oberhof, Ruhpolding und dem schönen Antholzer Tal, Biathlon eben.

Dass ein Paar Russinnen gedopt sind; geschenkt, das ficht uns nicht an. Aber auch im Reich von König Ole Einar (Björndalen) und Kronprinzessin Magdalena (Neuner) beginnt der Putz zu bröckeln: Die deutschen Männer freuten sich in dieser Saison über fünfte Plätze. Vorbei die Zeiten, als Gesamtdeutschland die Leistungen der noch zu DDR-Zeiten ausgebrachten Saat erntete; kein Ricco Groß, kein Sven Fischer und schon lange kein Frank Luck mehr – und auch Frank Ullrich, ewiger Bundestrainer, Ikone des Erfolgs, wird uns verlassen.

Und bei den Damen? Klar, Magdalena Neuner wird mit 23 wahrscheinlich zum zweiten Mal den Gesamtweltcup-Sieg olen – beeindruckend. Aber auch hier, wo immer alles noch ein bisschen besser war, als bei den Männern, stehen tiefe, schmerzhafte Schnitte in unser aller Seele an: Kathi Wilhelm hört auf, Simone Hauswaldt (früher Denkinger) hört auf, Martina Beck (früher Glagow) hört auf, und auch die letzte der alten Garde, Andrea Henkel, wirkt irgendwie wie auf Abschiedstour.

Was werden wir ohne Euch machen? Unangefochtene Staffelsiege der Russinnen wird es geben, oder, noch schlimmer, der Französinnen. Weißrussland wird zur dritten Kraft. Vorbei die herrlichen Tage mit fünf deutschen Damen unter den besten acht; eine Ära geht zu Ende, Fortsetzung ungewiss.

Was hilft? Vielleicht beten, aber auch das ist in diesen Zeiten ein Problem. Warum? Wolfgang Pichler, der bayerische Cheftrainer der schwedischen Biathlon-Mannschaft, spricht es aus:

“Ich muss immer für acht Millionen Schweden mit beten, weil das alles Atheisten sind, oder Protestanten, die nie in die Kirche gehen.”

Harte Zeiten kommen auf uns zu, und kein Hirtenbrief in Sicht.

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