Viel unnötiger Wind um Norbert Röttgens Entlassung

Röttgen musste weg

Norbert Röttgen musste weg, man sieht es.© Getty Images

musste weg, man sieht es.

Röttgen musste weg

“Eiskalt”, “brutal”, so wird – nicht nur aus Oppositionskreisen – die Entlassung von Norbert Röttgen durch Angela Merkel kommentiert. Von CSU-Chef Horst Seehofer habe sich die Kanzlerin zu diesem Schritt gegen Röttgen zwingen lassen, auch das hört man. Die übliche Aufregung nach einer spektakulären politischen Personalentscheidung? Ja und nein. Denn Norbert Röttgen hat sich, interessanter Weise offenbar ohne dies selbst zu merken, eigentlich selbst entlassen. Zumindest ließ Röttgen der Kanzlerin keine Wahl und dies bereits vor seiner Weigerung, von sich aus zurückzutreten.

Viel unnötiger Wind um Norbert Röttgens Entlassung

Zur Abkühlung der Aufregung über Röttgens Entlassung genügt es, den Fall Röttgen auf die bloßen Fakten zu reduzieren. Norbert Röttgen wollte Ministerpräsident in , dem für die CDU wichtigsten Bundesland werden. Nicht aus Lust an der Landespolitik, sondern einzig und allein deshalb, weil er – schnell und rücksichtslos aufgestiegen – sich eines großen Mankos auf dem Weg zu künftiger Kanzlerschaft bewusst war: ihm fehlte die “Hausmacht”, das Netzwerk in der Partei. Natürlich war Röttgen niemals bereit, im Falle einer Wahlniederlage in NRW den Oppositionsführer zu geben und behielt vorsichtshalber seinen Posten in Berlin. Dass ihn allein diese Entscheidung bereits die Wahl gekostet haben dürfte, da es ihm somit schlicht an landespolitischer Glaubwürdigkeit fehlte, hätte eigentlich klar sein müssen.

Vom eigenen Spiegelbild geblendet

Röttgen aber war offenbar so von seinem eigenen Spiegelbild geblendet, dass er tatsächlich glaubte, er werde damit schon fertig. Dass dies ein Irrtum sein sollte, wurde schnell klar. Der Wahlkampf in NRW begann im Ernst und Röttgen gab zwischen Rhein und Ruhr eine so jämmerliche Figur ab, dass er seinen in Umfragen ermittelten, anfänglichen Vorteil gegenüber in Lichtgeschwindigkeit verspielte. Man merkte Norbert Röttgen bei jedem Auftritt im Wahlkampf an, dass dies nicht sein Metier ist – soviel im Übrigen auch zu Rötgens Aussichten bei einer künftigen Bundestagswahl. Es kam aber noch dicker: Als Norbert Röttgen schließlich selbst seine Wahlschlappe kommen sah – so hell kann das Spiegelbild nicht mehr gestrahlt haben, dass er die Zeichen nicht mehr sah – viel ihm nichts Besseres ein, als die Wahl in NRW zu einer Abstimmung über die Europapolitik der Kanzlerin zu machen.

Politik ist Krieg mit anderen Mitteln

Vielleicht hätte dieses Verzweiflungsmanöver Röttgens zu Beginn des Wahlkampfes in Grenzen funktioniert; nach dem Motto: Wenn die Sozis drankommen, kriegen die Griechen noch mehr Geld. Aber so kurz vor der Wahl klang das, was Röttgen da zu aller Erstaunen von sich gab, nur wie ein vorgezogener Versuch, die Schuld am eigenen Scheitern auf die Bundeskanzlerin abzuwälzen. Was machen Sie also, wenn Sie mit einer ohnehin schwer angeschlagenen Rumpftruppe ein Land regieren und ihr Umweltminister sich nicht nur im Wahlkampf blamiert, sondern Sie, die Chefin noch mit hineinzieht? Eben. Und wer das grausam findet, dem sei das Studium der politischen Geschichte der letzten 3000 Jahre anempfohlen: Politik ist Krieg mit anderen Mitteln, das sollte sich doch herumgesprochen haben.

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