Eine Streitschrift zum gebührenpflichtigen Verwaltungshandeln.

Raubritter, verbeamtete.

Raubritter, verbeamtete?

, verbeamtete.

Raubritter, so steht es im “Brockhaus”, waren “Angehörige des Ritterstandes, die im sozialen und wirtsch. Umbruch des 14. und 15. Jh. [...] entwurzelt waren und ihre Notlage durch Straßenraub mit Erpressung von Lösegeld zu ändern suchten.”
“Sozialer und wirtschaftlicher Umbruch”, “Notlage”, Straßenraub”, “Erpressung” und “Plünderungszüge” (dt. Wikipedia)? Wem das alles bekannt vorkommt, der hat vielleicht in letzter Zeit mit gebührenpflichtigem Verwaltungshandeln in der BRD zu tun gehabt; im Klartext des Volksmundes auch schlicht als “Abzocke” bezeichnet. Verbeamtete Raubritter, könnte man sagen, die die traditionelle Finanznot der Kommunen “zu ändern suchen”.

Gebührenpflichtiges Verwaltungshandeln

Beispiele gefällig? Die erste Kopie der Geburtsurkunde Ihres Kindes wird Sie im günstigsten Fall € 7 kosten, jede weitere Kopie € 3,50. Dafür bekommen Sie eine Photokopie (5 ct. im Kopierladen) und eine Unterschrift samt Stempel, (für die haben Sie ohnehin mit Ihrem Steuern bezahlt). Immerhin kriegen Sie mittlerweile mit Glück ein Lächeln des zuständigen Raubritters (Raubritterinnen natürlich mitgemeint!) dazu, vielleicht aber auch nicht. Ach ja, und eine Woche dauert es mindestens.

“Diese Verwarnung wird bei Ihnen zunächst auf wenig Verständnis stoßen.”

Soweit zu den harmlosen Beispielen. Aus dem – neben Hessen – Stammländle des Raubrittertums, dem schönen Baden-Württemberg, ist uns eine Begebenheit zur Kenntnis gelangt, die selbst dem zynischen Betrachter staatlich sanktionierten Straßenraubes noch eine erhobene Augenbraue abverlangt. Das Opfer, mit zugegebenermaßen zum Teil berechtigten 8 Punkten in einer uns allen wohlbekannten Flensburger Kartei belastet, bekam durch persönliche (!) Zustellung ein Dokument überreicht, das ihn zur Zahlung von € 20,22 verpflichtete.

Strafzettel ohne Verstoß

War er nun wieder beim zu schnellen Fahren erwischt worden? Hatte er einer alten Dame am Zebrastreifen das Wegerecht genommen? Nein. Der Grund für die kostenpflichtige Verwarnung war lediglich die Tatsache, dass das Punktekonto in nun den Betrag von 8 aufwies und darüber eine gebührenpflichtige Mitteilung im Sinne einer Verwarnung vorgeschrieben ist. Die Gebühr betrug übrigens, so war aus dem dreiseitigen Schriftstück zu entnehmen, eigentlich nur € 17,90. Die restlichen € 2,32 waren als “Auslagen” deklariert, was auch immer das heißen mag.

Mitten im besagten Dokument aber dann der Satz, der anzeigt, dass der Geplünderte hier zusätzlich und nach guter alter Sitte auch noch nach Strich und Faden _______ (Sie wissen schon) werden soll.
Wir zitieren wörtlich: “Diese Verwarnung wird bei Ihnen zunächst auf wenig Verständnis stoßen.” Sachlich korrekt, möchten wir im Raubritter-Idiom antworten; bis auf das “zunächst”.

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