Der Fastenmonat Ramadan beginnt

Ramadan bei 40 Grad

Zu Beginn des Ramadan haben die Astronomen das Wort© Getty Images

Zu Beginn des haben die Astronomen das Wort

Ramadan bei 40 Grad

Am heutigen Freitag beginnt für die meisten Muslime weltweit der Ramadan, der neunte Monat des islamischen Kalenders. Im Ramadan, so die aus dem Koran abgeleitete Vorschrift, ist es dem Gläubigen zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nicht erlaubt, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. Auch das Rauchen und der Geschlechtsverkehr sind allen Muslimen, die die geistige Reife und die körperlichen Voraussetzungen besitzen, das unbeschadet zu überstehen, tagsüber verboten. Rechtzeitig zum Beginn des Ramadan werden – etwa für – Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius gemeldet und trotzdem gilt der erstaunliche Befund auch dort: Von den “5 Säulen des Islam”, den zentralen Glaubensvorschriften der Muslime werden die Gebote des Ramadan am häufigsten und umfassenden befolgt.

Der Ramadan beginnt

Diese Treue zu Glauben und/oder Tradition im Ramadan verwundert den nicht-islamischen Beobachter, gerade in einem in weiten Teilen so “modernen” Land wie Tunesien. Der Widerspruch, den man gerade in den urbanen Regionen des Landes zu erkennen glaubt, wo zu jeder anderen Zeit des Jahres (mit Ausnahme des Freitags!) etwa die Supermärkte ganz selbstverständlich Alkohol auch an nicht-Ausländer verkaufen, scheint manifest. Allgemein gesprochen: Der “Hedonismus”, den die konservative Kulturkritik dem “Westen” nicht selten bescheinigt, ist im nordafrikanischen Urlaubsparadies sicher nicht weniger ausgeprägt als in Berlin oder München. Dennoch: “Ramadan, c’est autre chose.” (“Ramadan ist etwas anderes.”), diesen Satz hat der Autor in den letzten Tagen nicht nur einmal gehört und ihn neugierig auf dieses “Andere” zurückgelassen.

Scheinbarer Atavismus mit Bindungskraft

Das im Alltag völlige Verschwinden der einstmals ebenfalls wichtigen Fastenregeln im christlichen Abendland sind sicher ein Grund für Staunen und Neugier imm Angesicht des Ramadan, doch es geht tiefer. Wenn ausgerechnet der scheinbar schwersten Glaubens-Prüfung unter Muslimen – dem Gebot des Ramadan – am häufigsten Folge geleistet wird, muss – neben der Tatsache der sozialen Kontrolle – irgendwas dran sein, an diesem Monat. Aus theoretischer Perspektive ist demnach der Fastenmonat zunächst einmal eines: Eine äußerst gut funktionierende, stark gemeinschaftsstiftende Einrichtung. Denn das vielzitierte gemeinsame Feiern des Fastenbrechens des Nachts wird schließlich nur durch das Aushalten von Hunger und Durst in den Stunden des Tages zu etwas besonderem. Und einen Monat lang – wenn man es denn tut – auf üble Nachrede, Verleumdung, Lügen und Beleidigungen aller Art zu verzichten, ist vermutlich gesellschaftlich gesehen auch keine schlechte Idee.

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die gesellschaftliche Lebendigkeit einer solchen, scheinbar atavistischen Tradition im und der -Zentrale die Gesichtsfarben ins grünliche Wechseln lässt. Wir jedenfalls sind gespannt; der Ramadan hat begonnen.

Themenverwandte Artikel, die Sie auch interessieren könnten: