Leere Drohung, wetten? Kein Rückzug von Google aus China.

PR auf Weltniveau: Google

Internet-Zensur in China

Handarbeit: So ungefähr funktioniert -Zensur in .

gegen China? So geht PR auf Weltniveau.

Der weltweit wichtigste Spieler im Internet, Google, hat in dieser Woche einen möglichen Rückzug aus China angekündigt. Und so geht PR auf Weltniveau:

“Wir haben entschieden, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren. [...] Wir sind uns bewusst, dass dies bedeuten kann, dass wir die Website Google.cn und möglicherweise auch unsere Büros in China schließen müssen.“

So die Aussagen von David Drummond, dem Chef der Rechtsabteilung von Google. Man habe einen aus China stammenden, großangelegten Versuch entdeckt, E-Mail-Konten des Google-Dienstes “Gmail” zu hacken, um an die elektronische Post chinesischer Dissidenten zu kommen.
Angesichts der Konsequenz der chinesischen Internet-Zensur, die sich Google seit vier Jahren protestlos gefallen lässt, ist eine solche staatlich befohlene Hacker-Attacke nicht überraschend.

Weltweit beeilten sich nun Bürgerrechtsorganisationen, Google für sein Engegament für die Meinungsfreiheit zu loben. Auch die US-Außenministerin Hillary Clinton stimmte in diesen Chor mit ein und im ZDF “Heute-Journal” wurde uns treuherzig mitgeteilt, dass Google bei einem Rückzug aus China auf jährlich 600 Millionen Dollar Umsatz verzichte.

Google ist also wieder im Kreis der Guten aufgenommen, oder zumindest auf dem Weg zurück dorthin, nachdem in letzter Zeit die Datensammlungs-Aktivitäten und der Umgang mit Urheberrechten zu massiver Kritik an der weltgrößten “Suchmaschine” geführt hatten. Auch Internet-Romantiker hatten einsehen müssen, dass Google nicht das Gleiche ist wie Wikipedia. Google ist eben keine selbstlose, immer freundliche, demokratische Suchmaschine, sondern in erster Linie die intelligentere Version von Microsoft, dem Erzfeind aller Informations-Demokraten.

Google ist mit einem Börsenwert von beinahe 200 Milliarden Dollar der größte und mächtigste Informationsverwalter der Welt. Unter dem populären Slogan “freier Zugang zu Informationen für alle” versucht der Konzern bisher sehr erfolgreich, eben diese Informationen zu monopolisieren. Dabei erzielte Google, mitten in der Weltwirtschaftskrise, allein im dritten Quartal 2009 den Rekordgewinn von 1,6 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 5,9 Milliarden – in drei Monaten!

In China sieht die Situation bislang etwas anders aus. Neben dem Marktführer Baidu, der mit 77% Prozent wichtigsten, originär chinesischen Suchmaschine im Reich der Mitte, sieht Google klein aus, wächst aber stetig. Bislang ist der Werbemarkt für Suchmaschinen in China vergleichsweise wenig entwickelt, hat allerdings ein geschätztes Potential von 10 Milliarden Dollar jährlich. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass Google diesen Markt nicht Baidu überlassen wird.

Google wird sich also mit der chinesischen Führung einigen, keiner wird das Gesicht verlieren, es wird Zugeständnisse auf beiden Seiten geben, Google wird seinen Umsatz in China steigern und sich obendrein als Anwalt der Menschenrechte gerieren, Zensur hin oder her.

Wetten? Sehen Sie auch schon die Pressemitteilung vor sich?

“Wir können uns unserer Verantwortung als Anwalt der Informationsfreiheit nicht durch einen Rückzug aus China entziehen.” Et cetera.

Da kann man schon neidisch werden…

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