Der Papst, die Kondome und das Licht der Welt

Papst Benedikt, die Sphinx aus Oberbayern

Papst Benedikt, die Sphinx aus Oberbayern

Benedikt, die Sphinx aus Oberbayern

Hat er nun, oder hat er nicht? Zum Erscheinen des Buchs “Das Licht der Welt” von Papst Benedikt, der darin von Peter Seewald in trauter Harmonie interviewt wird, beherrscht eine Frage die Diskussion: Hat Papst Benedikt tatsächlich den Gebrauch von Kondomen (unter bestimmten Bedingungen) erlaubt? Während der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, sichtlich bemüht war, die Aussagen des Papstes mit dem vielsagenden Attribut “nicht lehramtlich” herunterzuspielen, feiern andere die “Ankunft des Papstes in der Realität”. Hat er also doch? Halt. So einfach ist das nie bei Papst Benedikt, der Sphinx aus Oberbayern.

Der Papst, die und das Licht der Welt

Benedikt spricht in “Licht der Welt” selbstverständlich nicht in der Hauptsache über Kondome. Vielmehr ist das Interview eine Fundgrube von Aussagen über beinahe alle denkbaren Themen, über Gott und die Welt eben. Der Leser erfährt viel Bekanntes und manches Neue über das Leben des Papstes, aber auch über Moscheebau, Burkaverbot, sexuellen Missbrauch und natürlich die zunehmende Verblendung besonders der westlichen Welt. Von der verlockenden Diskussion der Frage ob man Benedikt im letzten Punkt wirklich widersprechen kann muss hier alledings aus Platzgründen abgesehen werden; zur Sache also:

Papst Benedikt gegen die “Banalisierung der

Die Passage zur Kondomfrage umrahmt der Papst mit der Wiederholung seiner vielgescholtenen Aussage, dass die “bloße Fixierung auf das Kondom” ganz allgemein eine “Banalisierung der Sexualität” bedeute und im Besonderen “nicht die eigentliche Art” sei, “dem Übel der HIV-Infektion beizukommen.” Bekannt ist auch die Zielrichtung, die Papst Benedikt der katholischen Sexualmoral vorgibt: “Deshalb ist auch der Kampf gegen die Banalisierung der Sexualität ein Teil des Ringens darum, dass Sexualität positiv gewertet wird und ihre positive Wirkung im Ganzen des Menschseins entfalten kann.”

Kondombenutzung als moralische Handlung?

Dazwischen allerdings steht ein Satz, der bei katholischen Hardlinern à la Pius-Bruderschaft eingeschlagen ist wie nordkoreanische Granaten: “Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.” Nicht mehr Ehe und Enthaltsamkeit allein sind also die Eckpfeiler des katholischen Safer Sex, es kann auch – als erster Schritt – das Kondom einer sein. Das hat gesessen und doch: da war doch was, oder?

Das große ABER

Allerdings; bevor die reformtheologischen Schäfchen beruhigt Präservative kaufen gehen können, hat der Papst es im Nebensatz geschafft, die vortrefflichste Qualität aller theologischen Autoritäten zu bewahren: Rätselhaftigkeit. “Ein Prostituierter”, so steht es geschrieben. Warum nicht auch “eine Prostituierte”? Was ist mit allen anderen, die “in der Sexualität nicht mehr den Ausdruck ihrer Liebe finden, sondern nur noch eine Art von Droge, die sie sich selbst verabreichen”? Das verdauen wir erst einmal beim Glühwein auf einem terrorgefährdeten Weihnachtsmarkt und ziehen den Hut vor der Sphinx aus Oberbayern.

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