Kunstwerk

Otto Dix – Großstadt-Triptychon

Otto Dix - Selbstporträt 1926

- Selbstporträt 1926

1. Zum Maler Otto Dix

(Wilhelm Heinrich) Otto Dix wurde am 2. Dezember 1891 in Untermhaus, heute einem Stadtteil von Gera, geboren. Er starb am 25. Juli 1969 an einem Schlaganfall in Singen am Hohentwiel. Dix war ein bedeutender deutscher Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist von stilistischer Vielfalt geprägt, bleibt jedoch in seiner künstlerischen Grundhaltung dem Realismus verpflichtet. Am bekanntesten sind seine Gemälde, die der Neuen Sachlichkeit (Verismus) zugerechnet werden, darunter das .

Dix gilt als exzellenter Zeichner und hinterließ mehr als 6000 Zeichnungen und Skizzen. Die umfangreichsten Werksammlungen befinden sich im Kunstmuseum Stuttgart und im Museum Gunzenhauser in Chemnitz. Den weltweit größten Bestand an Arbeiten auf Papier besitzt die Galerie Albstadt.

2. Das Gemälde „Großstadt“

„Großstadt“ ist ein in den Jahren 1927/28 in Dresden gemaltes Triptychon (von Griechisch „Dreiheit“, Bezeichnung für drei Bilder, die zusammengehören. Viele mittelalterliche Altäre sind Triptychen: ein großer Hauptaltar in der Mitte und rechts und links jeweils kleinere Seitenaltäre). Otto Dix malte es in altmeisterlicher Lasurtechnik auf Holz. Das Gemälde befand sich zunächst als Leihgabe im Kunstmuseum Stuttgart. Im Jahre 1972 kaufte es die Stadt Stuttgart für 500.000 DM aus dem Nachlass von Otto Dix. Heute besitzt das Großstadt-Triptychon einen Kaufwert von ca. hundert Millionen Euro.

Dix stellte das Bild zum ersten Mal in einer von insgesamt drei Ausstellungen zum hundertjährigen Bestehen des Sächsischen Kunstvereins aus. Auf der Mitteltafel porträtierte er unter anderem auch verschiedene Größen des damaligen sächsischen Kunstbetriebs. Der Mann mit Monokel auf der rechten Seite stellt beispielsweise den Architekten Wilhelm Kreis und seine Gattin rechts daneben dar. Eventuell handelt es sich bei dem Tänzer um ein stark stilisiertes Selbstporträt des Malers.

2.1. Bildinhalt

Hauptthema ist das Nachtleben einer Großstadt in den Goldenen Zwanzigern. Auf dem großen „Mittelaltar“ ist das Innere eines typischen Salons dieser Zeit dargestellt. Auf der linken Seite spielt eine Jazz-Band zum Tanz auf. Auffällig ist hier vor allem Folgendes: Am Schlagzeug sitzt ein Schwarzer, in karikaturhaft überspitzter Darstellung. Tatsache ist aber, daß es zu jener Zeit keine Kapellen gab, in denen Schwarze und Weiße zusammen musizierten. (Dies war erst ab den 30er – 40er Jahren in den USA der Fall.) Des weiteren hat es sich Otto Dix bei der Abbildung der Trompete recht leicht gemacht. Er verzichtet auf die Darstellung der Pumpventile wie auch der mehrfachen Biegung des Rohres. Seine Trompete stellt eine Art „verkappte Aida-Trompete“ dar, die es aber in Jazzkapellen nie gegeben hat. Auf der rechten Seite sitzen und stehen die Reichen und Schönen. Die Frauen tragen dabei Kleider, deren Stoffe und Muster auch auf mittelalterlichen Gemälden vorkommen könnten. Die Jazz-Band und die Reichen werden durch ein Shimmy tanzendes Paar getrennt (Dix hatte den Spitznamen „Jimmy“, weil er so gerne Shimmy tanzte!). Deren Körper spiegeln sich im polierten Parkett wider. Rechts neben dem tanzenden Paar sieht man in gleicher Größe eine Gestalt, die wohl eine junge, emanzipierte Frau (mit Federboa und „Bubikopf“-Frisur) verkörpern soll. Den Proportionen nach (Größe der Hände, Beinform), wie auch der Physiognomie (wenig ausgeprägte, kleine Stirn mit prominenter Nase), könnte es sich auch um einen jungen Mann (mit möglicherweise orientalischer Herkunft), als Transvestit, handeln.

Otto Dix - Großstadt-Triptychon

Otto Dix - Großstadt-Triptychon

Der Hintergrund des Raumes verliert sich in dunkelroten Farben. Außer dem Farbigen scheint übrigens niemand zu lachen – die Frage ist: Lacht dieser wirklich oder ist es nur Ausdruck seiner Anstrengung beim Schlagzeugspiel?

Das Parkett des Tanzlokals scheint abzufallen – ein Zeichen für den sprichwörtlichen Tanz auf dem Vulkan, den die Großstädter ausüben. Die Flügel stellen denn auch einen krassen Kommentar zu den Seitenflügeln des Triptychons dar.

Auf dem linken Flügel sieht man mehrere Prostituierte dem rot erleuchteten Eingang des Tanzlokals zustreben und über zwei Männer hinwegsehen, von denen einer betrunken (oder tot) auf dem Boden liegt, der andere ein Kriegsversehrter ist, der das Konterfei Dix’ trägt und gierig nach den Frauen schaut. Er wird von einem Hund wild angekläfft. Ganz außen links sieht man unter einem Torbogen ein etwas verkommenes Mädchen, welches sich den Rockteil ihres Kleides hochgeschoben hat und evtl. masturbiert.

Der rechte Flügel wird beherrscht von einer Gruppe von Huren, die in einer Phalanx scheinbar von oben auf den Betrachter zukommen und an einem Kriegsversehrten (dem gleichen von links?) achtlos vorbei gehen. Er grüßt militärisch. Der Nerzmantel und das rote Kleid des vordersten Freudenmädchens bilden das Aussehen einer Vagina nach.

Der Flügel findet seinen Abschluss in einer wirren Architektur, die keiner korrekten Perspektive zu genügen scheint. Otto Dix ließ sich für das Großstadt-Triptychon durch mittelalterliche Bilder inspirieren. So wird die Architektur durch den Herrenberger Altar von Jörg Ratgeb angeregt. Auch Bilder von Hans von Köln und Hans Pleydenwurff hat Otto Dix in seinem Gemälde mitverarbeitet.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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  • Tobias

    Mir gefällt wie Triptychon Bilder von Altarbildern zu modernen Gemälden evolviert haben. Im Mittelalter konnten sie nur christliche Motive enthalten und im 20. Jahrhundert ganze Großstadt usw. Es ist meine Lieblingsart der Bilder

    http://www.bimago.de/triptychon-bilder.html