Ballacks Syndesmoseband gerissen

Ohne Ballack fahr’n wir zur WM. Die Dimensionen des Syndesmosebands.

Die Anatomie des Sprunggelenks

Die Anatomie des Sprunggelenks

Warum ist Deutschland so auf fixiert? Versuch einer Aufklärung.

Michael Ballack wird bei der Fußball-WM in Südafrika nicht für die deutsche Nationalmannschaft spielen können. Ein doppelter Bänderriss (Innenband und Syndesmoseband) in der rechten Wade des Kapitäns der deutschen Elf schockt die Nation.
Es herrscht Krisenstimmung im Blätterwald und sogar der Bundesinnenminister gibt eine Erklärung ab.

Warum eigentlich fallen die Reaktionen auf Ballacks Ausfall so heftig aus? Warum hängt die Fußballnation seit beinahe zehn Jahren so an diesem einzelnen Spieler?

Nüchtern betrachtet ist Michael Ballack der einzige Feldspieler nach der Weltmeistergeneration von 1990, der den Sprung aus der Bundesliga heraus in eine europäische Spitzenmannschaft dauerhaft geschafft hat. Zuvor, in seiner Zeit bei Leverkusen und Bayern München war Ballack der einzige deutsche Offensivspieler, bei dem Zuschauen meistens Spaß machte.

Doch schon bei den Bayern und erst recht in der Nationalmannschaft ereilte Ballack ein Schicksal, das auch seinen designierten Nachfolger im Nationalteam, Bastian Schweinsteiger, beinahe getroffen hätte (wäre nicht ein gewisser Louis van Gaal Trainer von Bayern München geworden):
Man wollte in ihm partout den klassischen Mittelfeldregisseur sehen. Einen dieser seltenen Spezies von Fußballern, die in Deutschland immer besonders selten waren. Oder fallen Ihnen außer Netzer, Schuster und Effenberg echte “Zehner” ein?

Ballack aber war für diese Position vor allem eines: zu nett, zu wenig (ich bitte um Verzeihung!) Arschloch. Das erklärt durchaus seine ungebrochene Beliebtheit, aber Fußball ist zunächst einmal ein voller Ego und Testosteron, und seine wirklichen Protagonisten sind praktisch nie die netten Jungs von nebenan, zu denen Bierhoff und Löw am liebsten all ihre Schützling machen würden.

Im Vergleich zu diesen wirkte selbst ein Michael Ballack kantig. Aber in der Realität, im Starensemble von Chelsea war dennoch der Platz des Regisseurs von Frank Lampard besetzt, und Ballack hat nie ernsthaft an dessen Thron gerüttelt. Lieber wandelte er sich zum “Sechser”; durchaus mit Regisseur-Qualitäten, aber eben deutlich unauffälliger.

Doch die kollektive deutsche Sehnsucht nach dem Mittelfeldgenie hat nie aufgehört, in Michael Ballack den Erlöser zu sehen. Und Ballack auf der anderen Seite hat zu selten das getan, was einen wirklich großen Fußballer auszeichnet: Spiele entscheiden.

Wenn er es dann doch einmal tat, wurde er in den Himmel gelobt, wenn nicht, blieb die Enttäuschung über das Nichterscheinen des Fußball-Messias. Und jetzt?

Jetzt ist er nicht dabei in Südafrika. Auf der persönlichen Ebene muss man ihn bedauern – wieder eine Chance vorbei, ein gutes Turnier zu spielen. Weltmeister wäre er aller Voraussicht nach allerdings auch dann nicht geworden, hätte er mitspielen können, dazu liegt im Nationalteam zu viel im Argen. Die Teamleitung um Joachim Löw und Oliver Bierhoff muss sich fragen lassen, warum diese vielversprechende Mannschaft seit 2006 stagniert.

Was bleibt also als Grund für die Panikreaktionen auf Ballacks Ausfall? Es ist die Tatsache, dass man sich in Südafrika nicht wird hinter ihm und seiner Leistung – sei sie gut oder schlecht – verstecken können.
Kein Ballack wird da sein, wenn ein Sündenbock für die Versäumnisse des Teamchefs gebraucht wird, und kein Ballack wird, wenn gar nichts mehr geht, den direkten Freistoß zum 1:0 erzielen.

Kurz: Es werden Tage der Wahrheit.

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