"Nahost-Protokolle" bei Al Jazeera

Nahost-Konflikt um jeden Preis?

Nahost Konflikt um jeden Preis?

um jeden Preis?

Die letzten sichtbaren Erfolge im Nahost-Konflikt zwischen und den Palästinensern liegen lange zurück. Eigentlich – so der Eindruck von außen – ist in diesem Kern-Konflikt des “nahen Ostens” seit der Ermordung Yitzchak Rabins nichts mehr passiert, was ernsthaft zur Hoffnung auf eine Beilegung des Konflikts Anlass gegeben hätte. Die Veröffentlichung von 1600 geheimen Verhandlungsaufzeichnungen der palästinensischen Unterhändler (im Zeitraum zwischen 1999 und 2010) durch den arabischen Nachrichtensender “Al Jazeera” bietet nun Grund für einen erneuten Blick auf einen kalt-heißen von mittlerweile 53 Jahren Dauer. Die Frage, die sich dabei stellt, scheint paradox: Wer will eigentlich den Nahost-Konflikt um jeden Preis?

“Nahost-Protokolle” bei Al Jazeera

Das erste, was in Bezug auf Nahost-Protokolle, die Al Jazeera und der englische “Guardian” im “Wikileaks-Stil” der Weltöffentlichkeit zugänglich machte, aus deutscher Binnensicht auffällt, ist, wie wenig man hierzulande darüber erfährt. Ein beredtes Schweigen – bei zugegebenermaßen sich gleichzeitig überschlagenden Entwicklungen in Tunesien, Ägypten und Russland – tönt dem Betrachter nach anfänglichen Kurzmeldungen aus den deutschen Medien entgegen. Einziger Punkt dauerhafter Berichterstattung ist die Kritik, die der palästinensischen Autonomiebehörde unter Präsident Abbas für ihre offensichtlich besonders im Jahr 2008 große Bereitschaft zu Zugeständnissen an Israel aus den eigenen Reihen entgegenschlägt.

“Das größte Jerusalem der Geschichte”

Deutlichstes Fanal und der wichtigste Aufhänger für die Kritik an Abbas und seinem Chefunterhändler Saeb Erekat ist das Angebot an Israel, beinahe sämtliche jüdische Siedlungen im palästinensischen Ost-Jerusalem anzuerkennen. Oder, in Erekats Worten gegenüber der damaligen israelischen Außenministerin Tzipi Livni: “…we are offering you the biggest Yerushalayim in history.”
Nun bestreitet Mahmud Abbas – was bleibt ihm auch übrig? – die Authentizität der Protokolle. Zu fragen wäre zudem, wer Interesse an einer abermaligen Schwächung der palastinensischen Regierung hat. Interessanter und vielleicht auch wichtiger ist hingegen die Frage was die Dokumente – so sie denn die “Wahrheit” erzählen – über die israelische Seite zu sagen haben.

Israel nicht interessiert

Außer in der Frage der jüdischen Siedlungen gingen die palästinensischen Unterhändler 2008 nämlich auch in weiteren Fragen, wie der der Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge nach Israel, fast bis zur Selbstverleugnung auf die Gegenseite zu. Doch trotz der augenscheinlichen Möglichkeit, einem sichtlich geschwächten Verhandlungsgegner weit mehr abzutrotzen als öffentlich kommuniziert, zog die israelische Regierung den Abschluss eines neuen Abkommens offenbar nicht einmal in Betracht.
Das macht stutzig und auch wieder nicht. Denn während in den 1990er Jahren offensichtlich schien, dass es auf beiden Seiten die “Hardliner” waren, die mit politischem Druck oder offenem Terror einen Frieden in Nahost zu verhindern suchten, schleicht sich in den letzten Jahren der Verdacht ein, dass im Falle Israels die Hardliner zum Mainstream geworden sind.

Braucht Israel den Nahost-Konflikt?

Angesichts des Bildes, dass das regierende Personal Israels in den letzten Jahren abgibt und angesichts der immer offener zutage tretenden Risse in der israelischen Gesellschaft stellt sich die Frage, wen oder was der “Schutzwall”, der das Land durchzieht, eigentlich schützt. Ist diese Mauer vielleicht ebenso zur Abschottung gegen die feindliche Umwelt errichtet worden, wie sie Zusammenhalt nach Innen bewirken muss? Oder anders: Braucht Israel mittlerweile den Nahost-Konflikt um jeden Preis?

Themenverwandte Artikel, die Sie auch interessieren könnten: