Erste Woche Fußball-WM in Südafrika

Nach dem Zaubertrank: Wo bleiben die Gegner?

Zwischenbilanz auf dem Rasen: Fußball-WM in Südafrika

Zwischenbilanz nach einer Woche WM

Zugegeben: auch wir hatten uns in den Kreis der Skeptiker gestellt, als es galt, die Chancen der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Südafrika einzuschätzen. Doch wer konnte auch ahnen, dass Teamchef Joachim Löw in der Vorbereitung großzügig den Zaubertrank Spielfreude ausschenken würde?

Nach einer Woche -WM leisten wir Abbitte und fragen: Wo bleiben die Gegner?

Australien war kein Maßstab, um die Leistung der deutschen Nationalmannschafft – jetzt, wo es läuft, heißen sie ja “Jogi’s Jungs” (mit Apostroph!) – im Hinblick auf den Turnierausgang wirklich einschätzen zu können. Was allerdings jenseits von vier schönen, aber sicher nicht gegen jede Abwehr zu erzielenden Toren beeindruckte, war die Einstellung des Teams. In diesem Punkt des unbedingten Siegeswillens steht Deutschlands Nationalmannschaft im Kreise ihrer traditionellen Gegner im Weltfußball ziemlich alleine da, so scheint es zumindest nach deren ersten Auftritten.

Frankreich planlos

Brasilien konnte sich gegen Nordkorea eine nicht untypische Arroganz leisten und wurde trotzdem nur mit einem Gegentor bestraft. Die Spanier hätten schlicht drei Tore schießen müssen. Beide Mannschaften sind, zusammen mit Argentinien, trotz der enttäuschenden Ergebnisse, weiterhin zu den Favoriten zu zählen. Anders muss man die Leistungen Frankreichs und Englands bewerten.

Dass die Franzosen überhaupt bei der WM dabei sein dürfen, ist ein Skandal, der nicht vergessen werden darf: Das Handspiel von Henry gegen Irland war nichts weniger als offenkundigster Betrug vor den Augen der gesamten Welt.

In Südafrika hinterließen die Franzosen – gewissermaßen folgerichtig – den Eindruck, als wüssten sie gar nicht genau, was sie bei dieser WM sollten: Ohne erkennbares taktisches Konzept, ohne Führung, ohne Einsatz wurde, um es deutlich zu sagen, planlos herumgekickt. Man konnte Ribèry förmlich ansehen, wie er sich auf seine Mitspieler und Louis van Gaal bei Bayern München freute.

England pomadig

Noch schlimmer die Engländer: Das Spiel ein einziger Rückfall in graue Kick-and-Rush-Zeiten, mit dem zusätzlichen Makel, dass Wayne Rooney nicht seinen besten Tag hatte und das Tor nicht traf. Er war allerdings noch der einzige Spieler, der sich ernsthaft bemühte. Dem Rest, so der Eindruck, war es einfach egal, wie das Spiel gegen die USA ausgehen würde.

Dass hinterher das Unentschieden allein dem Torwart angelastet wurde, war schlicht frech, angesichts der pomadigen Arbeitsverweigerung der Feldspieler.
Englische Torhüter sind immer für einen Bock gut. Dass aber nach dessen kapitalem Fehler keiner der Mannschaftskameraden zu Torhüter Green ging, um ihn aufzumuntern, war neu und vielsagend.

Italien wie immer

Und Italien? Bei Italien, so muss man feststellen, ist eigentlich alles wie immer in den letzten 10 Jahren: Sie spielen einen personell und systematisch völlig überholten Fußball. Das kann mit dem Aus in der Vorrunde bestraft werden, oder sie spielen um den Titel mit.

Fazit der ersten Woche: Der Zaubertrank hat gewirkt, die Gegner müssen erst noch brauen. Aber schon morgen kann alles wieder anders sein.

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