Nach dem Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner

Lindner verlässt das sinkende Schiff FDP

Christian Linder geht© Getty Images

Christian Linder geht

verlässt das sinkende Schiff

Man hätte gedacht, für die FDP sei der Boden endlich erreicht. Nun ist mit Christian Lindner – man mochte seinen politischen Stil mögen oder nicht – der nach den Eindrücken der letzten Monate letzte Aktivposten der Partei zurückgetreten und man fragt sich: War es das nun? Wohl nicht, denn Lindners trifft die Partei nicht nur als solcher schwer. Er könnte weitere nach sich ziehen, in einem an vernichtenden Niederlagen und Peinlichkeiten ohnehin reichen Jahr 2011. Denn selbst wenn die Mitgliederbefragung zum Europäischen Rettungsschirm, deren Ergebnisse für heute erwartet werden, im Sinne der ehemaligen Parteispitze -Lindner ausgehen sollte, ist der innerparteiliche Richtungsstreit in der Sache damit keineswegs beigelegt.

“Boygroup” Rösler-Lindner- gescheitert

Dass sich die Parteispitze überhaupt in eine solch riskante Abstimmung über eine bedeutende außenpolitische Frage hat zwingen lassen müssen, ist ein verheerendes Zeichen. Dass (Ex-) Generalsekretär Lindner mehrere Tage vor dem Ergebnis der Abstimmung verkündet, diese werde wohl an mangelnder Beteiligung scheitern, war zudem unsouverän und passt daher ins Bild, das die “Boygroup” Rösler-Lindner-Bahr seit dem Wattebausch-Putsch gegen Guido abgibt. Man bekommt es kaum über die Lippen, aber gegen Röslers bisher jämmerliche Performance als Parteivorsitzender, wirken die Jahre von Guido Westerwelles “Die Partei bin ich”-Credo im Rückblick ja beinahe wie mit einem Goldrand versehen.

Nach dem Wattebausch-Putsch

Aber der Reihe nach: Generalsekretär Lindner, in seinem programmatischen Ehrgeiz ganz offensichtlich innerparteilich – deutlicher: in der Parteiführung – in letzter Zeit ausgebremst, hatte vielleicht gar nicht so unrecht, als er in seiner Rücktrittserklärung am Mittwoch seine Rolle auf die des reinen “Sprachrohrs” der FDP beschränkte. Zumindest zeigte Lindner Präsenz, während Gesundheitsminister Daniel Bahr, in seinem Amt noch weniger präsent als sein Vorgänger Rösler, auf die wohl nur ihm ersichtlichen besseren Zeiten wartet. Er wird aufpassen müssen, nicht den Mehmet Scholl-Weg zu gehen des ewigen Talents einzuschlagen. Parteichef Rösler hingegen wusste wohl, warum er sich anfangs so lange zierte, als es um die Westerwelle-Nachfolge ging. Er ist mit der Führung der FDP ganz offensichtlich völlig überfordert und hat, das sollte nicht vergessen werden, mit seinem europapolitischen Schlingerkurs im Sommer die nun ihn bedrohende Abstimmung quasi selbst herbeigerufen.

Niedergang der FDP Grund zur Freude?

Lindners Rücktritt, soviel sollte deutlich geworden sein, hat hingegen weniger mit der Mitgliederbefragung zum Rettungsschirm und seinem schlechten Management derselben zu tun, als vielmehr mit einem gesunden Selbsterhaltungstrieb. So erhärteten sich in den letzten Tagen die Vermutungen, dass Rösler ihn im Falle einer Abstimmungsniederlage der Parteiführung als Bauernopfer präsentieren wollte. Dass für einen gestandenen Parteistrategen wie Christian Lindner darüber hinaus der Allgemeinzustand der FDP wenige Gründe für ein Bleiben liefert, liegt auf der Hand. Wenn in der Bundesrepublik die liberalen Themen Ordnungspolitik, Rechtsstaatlichkeit und Bürgerrechte nicht seit Jahre so schändlich brachlägen, man würde sich ungehemmt freuen über den Niedergang dieser FDP.

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