Stadt

Lindau

1. Allgemeines zu Lindau

Lindau ist eine Große Kreisstadt und Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Die liegt am östlichen Ufer des Bodensees im Deutschland-Österreich-Schweiz.

Die historische Altstadt liegt auf einer Insel von 0,68 km² im Bodensee. Die Insel ist durch einen Damm und eine Brücke mit dem Festland verbunden.

Der Name rührt von Linden-Au her, also einer von Lindenbäumen bewachsenen Flusslandschaft. Aus römischer Zeit wird die Bezeichnung Lindavia herbeizitiert, möglicherweise eine Anlehnung an die Umkehrform der Via Mala der Via Lindau.

2. Geschichte der Stadt Lindau

Nur sehr wenige Funde oder Bodendenkmäler sind aus dem Landkreis Lindau bekannt, wenn auch nachgewiesenermaßen schon während der älteren Eisenzeit Menschen hier ansässig waren. Aus der Zeit der Römer, welche die ersten vier christlichen Jahrhunderte am See lebten, haben sich ebenfalls Reste von Straßen in dem Gebiet erhalten. Nach den Römern kamen die Alemannen. Erste Siedlungen lassen sich urkundlich im 8. Jahrhundert nachweisen.

Bei Tiefbauarbeiten auf der Lindauer Insel beim ehemaligen Kaufhaus Heka konnte ein Steigbaum aus vermutlich vorchristlicher Zeit geborgen werden. Vergleichbare Objekte sind am Bodensee im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen als Rekonstruktion zu besichtigen. Der Stadtteil Aeschach (außerhalb der Insel) weist römische Besiedlungsspuren aus dem 1. Jahrhundert auf.

Einer der wichtigsten Herrschaftsträger weit und breit war das Kloster St. Gallen, das vor allem in der Zeit zwischen 750 und 800 seinen Besitz enorm zu mehren wusste. Es hatte Grundeigentum in Wasserburg, Weiler, Lindenberg und Scheidegg. Lindau selbst wurde urkundlich erstmals 882 von einem St. Galler Mönch erwähnt.

Als ältestes Bauwerk, wenn auch nicht unumstritten, gilt auf der Lindauer Insel die sogenannte Heidenmauer, eine kolossale, blockförmige Befestigungsmauer in Richtung des Festlands mit einer Tafel, deren Aussage jedoch zweifelhaft ist. Sie wird deretwegen der Römerzeit und damit den zunächst heidnischen Romanen, Italikern oder Langobarden zugeordnet. Arbeiten am Objekt in jüngerer Zeit förderten Hinweise zu Tage, die jedoch eher auf mittelalterliche, allenfalls frühmittelalterliche Ursprünge hindeuten.

Circa 1180 wurde die Pfarrkirche St. Stephan gebaut, 1224 gründeten Franziskaner ein Kloster auf der Insel. Kaiser Rudolf I. verlieh der Stadt die Reichsfreiheit.

Im Zuge der Reformation wurde Lindau 1528 evangelisch. Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens und schloss sich der Tetrapolitana (Evang. Bekenntnisformulierung von Bucer) an.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1646/47 auch Lindau von den Schweden belagert. Die Lindauer unter militärischer Führung des Grafen Max Willibald von Waldburg-Wolfegg, des Kommandeurs der kaiserlichen Besatzungstruppen, zerstörten aber bei Nacht und Nebel Teile der Belagerungsmaschinerie und wehrten die Schweden ab. Die Verteidiger gelangten über den sumpfig verlandeten sogenannten Kleinen See ans Festland.

Erwähnenswert ist, dass in diesem Gebiet bereits 1748 die Leibeigenschaft aufgehoben wurde. Schon 1713 hatten auch die Gerichte Simmerberg und Grünenbach darauf verzichtet. Mit dem Erwerb von Wasserburg 1755/56 von den Montfortern endete deren Regierung in unserem Gebiet zugunsten Österreichs, das nun bis zum Jahre 1805 ungefähr die Hälfte des heutigen Landkreisgebietes besaß.

Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verlor die Stadt 1802 ihre Reichsprivilegien. Das tausendjährige Lindauer Damenstift wurde säkularisiert. Fürst Karl August von Bretzenheim gab Stadt und Damenstift 1804 an Österreich. 1806 erfolgte die Rückgabe der Stadt durch Österreich und Angliederung an das Königreich . 1853 wurde ein Eisenbahndamm auf die Insel gebaut, 1856 entstand ein neuer Hafen mit den Wahrzeichen Leuchtturm und Löwe.

1922 wurden unter Oberbürgermeister Ludwig Siebert Orte auf dem nahen Festland (Aeschach, Hoyren und Reutin) eingemeindet. Er selber wurde zum ersten NSDAP-Oberbürgermeister Bayerns und nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 bayerischer Ministerpräsident.

Im Zweiten Weltkrieg besetzten am 30. April 1945 französische Truppen kampflos Lindau. Stadt- und Landkreis wurden als Teil der Französischen Besatzungszone von Bayern abgetrennt und erhielten einen staatsrechtlichen Sonderstatus. Der Landkreis nahm eine Sonderstellung ein, denn er gehörte als einziger in Bayern zur französischen Zone. 1946 konstituierte sich ein Kreispräsidium als Oberstes Verwaltungsorgan. Es besaß Kompetenzen, die anderswo von einer Landesbehörde ausgeübt wurden, und war rechtlich gegenüber bayerischen und württembergischen Landesstellen unabhängig. Die Lindauer Spielbank ist eine Gründung dieser Jahre. Das Gebiet diente in den folgenden knapp zehn Jahren als Landbrücke zwischen den französischen Besatzungszonen in Deutschland und Österreich. Am 1. September 1955 erfolgte die Wiedereingliederung in den Freistaat Bayern.

Früher war Lindau ein Zentrum der Textilindustrie (beispielsweise Kunert). Heute gibt es neben zahlreichen Kleingewerbebetrieben auch diverse größere Firmen. Obstbaubetriebe gibt es viele in Lindau; zahlreiche Obstbauern verkaufen Obst und Gemüse direkt auf dem Hof. Ein bekannter Safthersteller ist hier ansässig. Die Fischerei spielt wirtschaftlich nur noch eine geringe Rolle, hat aber für die Gastronomie und den Tourismus noch eine Bedeutung. Die Wasserversorgung erfolgt zum größten Teil aus dem Bodensee über das Seepumpwerk in Nonnenhorn und den Hochspeicher auf dem Hoyerberg. Die Gasversorgung ist städtisch und wird zur Zeit aus russischem Erdgas gespeist.

3. Sehenswürdigkeiten der Stadt

Altes Rathaus in Lindau

Altes Rathaus in Lindau

Zu den Sehenswürdigkeiten Lindaus zählen einige bedeutende Kirchen, darunter das Unserer Lieben Frau. Die Ursprünge der Kirche am Marktplatz, im östlichen Bereich der Insel von Lindau, gehen bis auf das Jahr 810 zurück. Die Kirche (ehemals Stiftskirche Mariä Himmelfahrt) wurde nach dem Stadtbrand von 1728 in den Jahren 1748–1752 durch den Barockbaumeister des Schlosses und der Kirche auf der Insel Mainau, Johann Caspar Bagnato, errichtet. Im Inneren der katholischen Stadtpfarrkirche finden sich barocke Deckenmalereien und eine heiter beschwingte Innenausstattung im Rokoko mit prunkvollem Rot-und-Gold-Dekor. Die 1987 eingestürzte Langhausdecke wurde inzwischen renoviert.

Weiter Kirchen sind die evangelische Kirche St. Stephan, die um 1180 als Schwesterkirche zur Stiftskirche erbaut wurde, die Peterskirche, die auf das Jahr 1000 zurückgeht, sowie die Barfüßerkirche, das heutige Stadttheater.

Das alte Rathaus von Lindau wurde 1422 ursprünglich gotisch erbaut und 1576 mit einem schönen Treppengiebel im Renaissance-Stil umgebaut. Die Rückfront wurde im 19. Jahrhundert üppig historisierend mit Malerei geschmückt, welche die Lindauer Geschichte darstellt. Die Fassade zur Fußgängerzone, am Bismarckplatz, ist zudem von einer großen Freitreppe geschmückt. Im Inneren findet sich der gotische Ratssaal, in dem 1496/97 der Reichstag abgehalten wurde. Heute befinden sich im Alten Rathaus noch Teile der Reichsstädtischen Bibliothek.

Weitere wichtige Bauten der Lindauer Altstadt sind das Haus zum Cavazzen (1729), diverse Türme (wie der Diebs- und der Mangenturm, ehemals ein Leuchtturm) sowie die markante Hafeneinfahrt.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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