Heldentod oder gerechter Terrorismus? Deutsche Soldaten in Afghanistan getötet

Krieg am Hindukusch

Kränze im Bundeswehr-Ehrenmal

Bald ein vertrautes Bild? Kränze im -Ehrenmal in Berlin.

Die Alternativen im sind immer tödlich; Zeit für eine Debatte. Zum Tod der drei deutschen Soldaten in .

Nahe Kundus in Nordafghanistan sind in einem Hinterhalt drei deutsche Soldaten getötet worden – die Trauerfeier findet heute statt -, weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Auch wenn es von der Bundesregierung so nicht kommuniziert wird: Die Konsequenzen der veränderten NATO-Strategie in Afghanistan sind damit in Deutschland angekommen; die Zahl der getöteten und verletzten deutschen Soldaten am Hindukusch dürfte rascher zunehmen als bisher.

Aus Bundeswehrkreisen und vom Wehrbeauftragten des deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, wurde erneut Kritik an der offenbar unzureichenden Ausrüstung der Bundewehr in Afghanistan laut. Dieser Mißstand ist lange bekannt, die kürzlich versprochene Abhilfe offenbar nicht geschaffen worden.
Das ganze zwei Wochen nach der Meldung, dass Deutsche Waffen 2009 erneut ein absoluter Exportschlager waren: Nur die USA und Rußland verkaufen mehr Waffen als wir – könnte man da nicht…? Es wäre das Mindeste.

Aber auch der Verteidigungsminister hat recht, wenn er darauf hinweist, dass auch die beste Ausrüstung keine absolute Sicherheit bietet. Den Klartext vermied zu Guttenberg zwar ebenso wie alle anderen im politischen Berlin, aber man versteht es auch so: Im Krieg wird getötet und gestorben.

In den USA gehören diese Wahrheiten des Krieges weit mehr als hierzulande zum Alltag. Und trotz dieser “Gewöhnung” auch an den Anblick heimkehrender Särge wird seit dem ersten Golfkrieg – wir erinnern uns an die immer gleichen grünstichigen Bilder – massiv versucht, durch den Einsatz modernsten Kriegsgeräts die Zahl der eigenen Verluste so gering wie möglich zu halten.

Gegen Saddam Husseins Panzerverbände gelang dies offenbar noch ganz gut mit Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern – bevor die US-Armee im blutigen Häuserkampf und im Foltergefängnis von Abu Ghraib hoffentlich auch den letzten Romantiker der humanitären Aktion von der Wahrheit über Krieg im Allgemeinen überzeugte.

In Afghanistan hat das Präzisionsbomben von Flugzeugen und Schiffen aus nie funktioniert, weshalb man sich noch unter George W. Bush dazu entschloss, einen Schritt weiter zu gehen und das gezielte Töten einzelner vermeintlich besonders gefährlicher Personen mit Hilfe von ferngesteuerten, unbemannten Drohnen als kriegswichtige Strategie zuzulassen. Noch wenige Tage vor dem 11. September 2001 hatten die USA übrigens gegen gezielte Tötungen des israelischen Militärs im Gazastreifen protestiert.

Nach “9/11″ fiel das plötzlich alles unter Selbstverteidigung; aus Terrorismus wurde gerechter Terrorismus. Gegenwärtig gibt es zwei US-amerikanische Programme, die Drohnen zum gezielten Töten einsetzen. Eines davon unterhält die Luftwaffe, das andere wird von der Central Intelligence Agency (CIA), dem US-Auslandsgeheimdienst betrieben.

Die wenigen bekannten Fakten über diese Einsätze verspotten die militärische Präzisionsrhetorik der “chirurgischen Schnitte”. Allein die 16 (!) Drohnen-Anschläge, die die Tötung von Baitullah Mehsud, einem pakistanischen Terroristen, zum Ziel hatten, haben insgesamt mindestens 207 Menschen getötet. Einer dieser Raketenangriffe wurde auf ein Begräbnis von Opfern anderer Drohnen-Attacken in Pakistan verübt. Mehsud war zwar nicht zugegen, dafür starben weitere 86 Menschen.

Auch unter Militärexperten in den USA wird mittlerweile Kritik am gerechten Terrorismus der Drohnen-Morde laut. Die ferngesteuerten Attacken fördern nämlich offenbar – weit mehr als andere Formen des Tötens – den Zulauf zu bewaffneten Widerstandsgruppen. Der Grund: Diese Form des Krieges werde als besonders “unehrenhaft und feige” beurteilt.

Anders ausgedrückt schaden diejenigen Waffen, die die eigenen Soldaten am Abzug am effektivsten schützen, den politischen Kriegszielen am meisten. Zurück also zum Heldentod, zum “ehrenvollen” Sterbenlassen der eigenen Soldaten?

So sehen Alternativen aus, wenn man Krieg führen will.

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