Bauwerk

Kloster Blaubeuren

1. Geschichte des Klosters

Die beiden Tübinger Grafen Anselm und Hugo sowie ihr Bruder Sigiboto auf Schloss Ruck gründeten durch Stiftung das (benediktinische) Kloster Blaubeuren, wobei Anselm als der eigentliche Stifter angesehen wird. Mit dem Bau wurde 1085 begonnen. Die geistige Leitung hatte Abt Wilhelm von Hirsau, der sein Kloster zum Mittelpunkt einer großen, weit über Württembergs Grenzen hinausgreifenden Bewegung gemacht hatte. Er führte auch für Blaubeuren die strenge Regel der von Cluny in Burgund ausgehenden Reform der Benediktiner ein. Im 14. und 15. Jahrhundert kam es im Blaubeurer Kloster zu einem wirtschaftlichen Niedergang und damit zu einem allgemeinen Verfall. 1447 kam das Kloster unter württembergische Schirmherrschaft. Die Wende in der Bedeutung des Klosters wurde mit dem Beginn seiner Erneuerung 1466 eingeleitet.

Mit Abt Heinrich III. Fabri, der von 1457 bis 1495 das Kloster führte, kam eine Blütezeit. Er war ein persönlicher Freund des Grafen Eberhard im Bart, der sich öfters in Blaubeuren aufhielt und im Kloster sein eigenes Zimmer hatte. Der Neubau des Klosters wurde 1510 beendet. Neben Abt Fabri waren noch die Äbte Ulrich Kundig und Gregorius Rösch an der Erneuerung des Klosters beteiligt. Diese neugeschaffene Klosteranlage können wir heute noch weitgehend erhalten besichtigen. Bauliche Veränderungen wurden vor allem im Westflügel des Klosters vorgenommen. Allerdings ist der ursprüngliche Flügel durch ein in Scheingotik ersetzt worden.

In der Reformation wurden die Mönche aus dem Kloster vertrieben, kehrten einige Jahre später zwar kurzfristig noch einmal zurück, doch kam das Kloster nicht wieder zu seiner ursprünglichen Funktion.

Jedes Kloster war ein in sich selbständig funktionierender Mechanismus mit einem sakralen und einem profanen Teil. Im Klosterhof angekommen, stehen wir vor der breiten Fassade des Konvents, hinter dem sich der Kreuzgang und die Klosterkirche mit allen zum geistlichen Klosterleben gehörenden Räumen befindet. Um diese geistliche Zelle des Klosters herum sind die Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude angeordnet.

Genau gegenüber dem Konvent steht das große Gebäude der Klosteramtei. Das Kloster hatte neben der Stadt bis zur Neuordnung der Staats- und Kirchenorganisation nach den napoleonischen Kriegen eine eigene Verwaltung und eigenen Gebietsbesitz um Blaubeuren herum. Selbst die Stadt war dem Kloster abgabepflichtig.

2. Die im Kloster Blaubeuren

Vom nördlichen Teil des Kreuzganges aus kommen wir in die Klosterkirche. Im Schnittpunkt der in Kreuzform gebauten Kirche steht der 67 m hohe Turm. Die Mauern des Turmes trennen das Laienschiff vom Mönchschor und die nördliche und südliche Seitenkapelle. Diese Form der Trennung zwischen Laienschiff und Mönchschor ist ungewöhnlich.

 Margarethenkapelle im Kloster Blaubeuren

Margarethenkapelle im Kloster Blaubeuren

In seiner ganzen Schönheit zeigt sich der renovierte der Kirche. Er ist eines der schönsten und berühmtesten Denkmale der Spätgotik. Sein Chorgestühl ist 1493 von Jörg Syrlin dem Jüngeren, einem Ulmer Künstler, geschnitzt worden.

Das wertvollste Kunstwerk im Chor ist jedoch der , der 1493/94 für den Chor der Klosterkirche Blaubeuren in einem Gemeinschaftswerk der Ulmer Schule geschaffen wurde. Die figürlichen Teile stammen von Michael und Gregor Erhart – die fünf Stauen des Schreins sind ein Höhepunkt süddeutscher Holzskulptur. Die Tafelmalereien sind von Bartholomäus Zeitblom und Bernhard Strigel.

Der Hochaltar ist ein Wandelaltar, der je nach Jahres- bzw. Festzeit ein anderes Gesicht zeigt. Geschlossen wurde der Schrein in der stillen Zeit (Advents- und Passionszeit). Zu sehen sind dann 12 verschiedene Szenen vom Abendmahl bis zur Auferstehung. Die geschlossene Predella, der Sockel des Altaraufsatzes, zeigt das Klosterwappen, das Lamm Gottes, den Patron des Klosters, Johannes den Täufer. Der heilige Benedikt und vier Evangelisten sind ebenfalls zu sehen. In der ersten Wandlung des Altars wird auf 16 Tafeln das Leben Johannes des Täufers geschildert. In der zweiten Wandlung, dem Inneren des Altarschreins, zeigt dieser seine volle Pracht. Diese Altarstellung ist hohen Festtagen vorbehalten geblieben. In der Mitte wird die Hauptfigur, die Gottesmutter mit Jesuskind, gezeigt. Links von ihr steht Johannes der Evangelist und die heilige Scholastika, die Schwester des Benedikt, rechts von Maria Johannes der Täufer, der Patron des Klosters, sowie der heilige Benedikt, der Ordensstifter. Auf den Altarflügeln sind Geschehnisse aus der Weihnachtsgeschichte abgebildet. Am oberen Ende der Flügel sind aufgesetzt die Reliefbüsten des Grafen Eberhard im Barte und des Abts Fabri zu sehen. Im Hintergrund der linken Tafel, auf der Maria und Josef vor dem Jesuskind knien, ist ein Abbild des Blaubeurer Ruckenschlosses zu sehen. Die geöffnete Predella zeigt Jesus mit den 12 Aposteln. Das Schnitzwerk der Krönung stammt nachweislich von Jörg Syrlin d. J.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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