Warum die Zukunft Syriens nur in Syrien entschieden wird

Keine Abkürzung in Syrien

Keine Abkürzung in Syrien

Keine Abkürzung in

Es steht außer Frage: Wenn es legitim ist, Libyens Zivilbevölkerung vor den Truppen Muammar al-Gaddafis zu schützen, gilt dies auch von Syrien und der Junta Baschar al-Assads. Und wenn ein solcher Schutz tatsächlich das Ziel der -Luftangriffe auf wäre, müsste man die Frage, warum in Syrien nicht das gleiche geschehen kann, sogar ernsthaft diskutieren. Stattdessen ist der inoffizielle Nato-Plan, die Vertreibung oder Tötung Gaddafis nie ein wirkliches Geheimnis gewesen und mittlerweile muss man beinahe fragen, ob die Nato denn nicht wenigstens dies zustande bringen könnte, wenn sie sich schon planlos von Frankreich und Großbritannien in einen Konflikt hineinziehen lässt, der noch lange andauern wird. Im Unterschied zu Syrien darf man nämlich tatsächlich Hoffnungen hegen, dass Gaddafis Regime weitgehend mit ihm verschwinden wird, die üblichen Kriegsgewinnler einmal ausgenommen. Für Syrien aber gilt, das zeigen die Entwicklungen der letzten Wochen: Es gibt keine Abkürzung.

Warum die Zukunft Syriens nur in Syrien entschieden wird

Die syrische Situation beginnt tatsächlich bereits dort unübersichtlich zu werden, wo sich die Frage stellt, ob nach einer Entfernung Assads nicht ein noch weitaus skrupelloser Akteur das Ruder in Damaskus übernähme. Assads Bruder Maher, der Kommandeur der syrischen Elitetruppen, die Assads Befehl, Demonstranten mit Kampfhubschraubern zu beschießen, ohne zu zögern ausführten, wäre wohl der erste Kandidat. Auf der anderen Seite erscheint die syrische Opposition, deren mutiger, buchstäblich todesverachtender Einsatz Bewunderung verdient, viel zu schwach, um – mit Hilfe von außen oder ohne – die Macht im Land zu übernehmen. Solange die Armee auf der Seite der Regierung steht, wird sich diese Lage nicht ändern, das hat nicht zuletzt die in Ägypten gezeigt.

Die Frage für den Westen

Nimmt man noch die bedeutende regionalstrategische Position Syriens hinzu – ein weiterer großer Unterschied zum politisch vergleichsweise isolierten Libyen – ist nicht schwer vorauszusagen, was passieren wird: Es wird mehr Blut fließen. Und selbst wenn irgendwann in wohl eher fernerer Zukunft ein Umschwung tatsächlich stattgefunden haben sollte, wird sich das Schicksal des Landes – -Sanktionen hin oder her – nirgendwo anders entschieden haben als in Syrien selbst. Dem “Westen” bleibt das Zuschauen und es wäre hohe Zeit, dieser Position eine Lehre abzugewinnen, denn die nächsten Szenarien der Sorte “Diktator lässt auf den protestierenden Teil seines Volks schießen” ziehen bereits am Horizont auf. Die Frage, die sich die selbsternannt moralisch überlegene “westliche Staatengemeinschaft” zu stellen hätte, wäre demnach: Wie reagieren, ohne durch Abseits stehen noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit zu verlieren, oder durch planloses Eingreifen alles nur noch schlimmer zu machen?

Syrien: Nichts sehen ohne wegzusehen

Die Antwort wird vermutlich darauf hinauslaufen, dass es Situationen, in denen solche Fragen üblicherweise gestellt werden, für gute Antworten bereits zu spät ist. Solange man sich in Zeiten der “Stabilität” lieber mit Despoten gemein macht, ihnen Rohstoffe ab- und Waffen verkauft, um bei Staatsbesuchen treuherzig zu versichern, man habe auch über Menschenrechte gesprochen, braucht man sich über die eigene Glaubwürdigkeit keine Sorgen zu machen.
Im Bürgerkriegsfall bleibt dann nur noch, zuzusehen und zu hoffen, dass die Medienkontrolle so perfekt funktioniert, wie nun in Syrien: Man muss nämlich gar nicht wegsehen, um nichts zu sehen.

Themenverwandte Artikel, die Sie auch interessieren könnten: