Erste Protonen-Kollision im neuen Teilchenbeschleuniger LHC des CERN

Kein schwarzes Loch in der Schweiz

Teilchenbeschleuniger am CERN

Im Inneren des am

(Noch) kein schwarzes Loch in der Schweiz. Erste Protonen-Kollision im neuen (LHC) des CERN.

Die Erde ist vorerst nicht von einem “schwarzen Loch” verschluckt worden und die Schweiz wurde auch nicht von einer Antimaterie-Explosion erschüttert: Das erste Experiment im “Large Hadron Collider” (LHC), dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt, ist geglückt. Am europäischen Kernforschungszentrum CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) wurden Wasserstoff-Protonen mit bisher ungekannter Energie zur Kollision gebracht.

Im zweiten Anlauf haben die Teilchenphysiker am CERN ihr LHC, das aufwendigste Experiment der Menschheitsgeschichte zum Laufen bekommen. Protonen, also Atomkerne sind mit beinahe Lichtgeschwindigkeit aufeinandergeprallt und haben für eine unglaublich kurze Zeit Bedingungen erzeugt, wie sie der Theorie nach einige Sekundenbruchteile nach dem “Urknall”, der Entstehung unseres Universums, geherrscht haben sollen.

Zwanzig Jahre hat die Planung und Komplettierung des Versuchsaufbaus, der aus vier separaten, vom LHC gespeisten Experimenten besteht, gedauert; fast sämtliche Komponenten des Teilchenbeschleunigers sind komplette Neuentwicklungen.

Die CERN-Computerspezialisten mussten für die Datenmengen, die die Versuche erzeugen werden, eigens eine neue Form der Datenverteilung, das “World Wide Grid”, den Nachfolger des ebenfalls am CERN entwickelten “World Wide Web” (WWW) entwickeln. So ist eines der größten wissenschaftlichen Datennetze weltweit entstanden, auf das der gewaltige Datenausstoß des CERN verteilt wird, der während des Lesens dieses Absatzes etwa 4,5 Gigabyte (also eine DVD) beträgt – alle sechs Sekunden wohlgemerkt.

Und wozu das Ganze? Es geht um nichts weniger als die experimentelle Überprüfung des Standard-Teilchenmodells unseres Universums, von dem zuvor gerade einmal fünf Prozent im Versuch bestätigt werden konnten. Anders ausgedrückt, geht es um die größten aller Fragen:
Wie hat alles angefangen? Was sind die Bausteine aller Existenz? Warum ist überhaupt Etwas und nicht Nichts?

Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu kommen, werden über 10.000 Teilchenphysker in den Daten des LHC nach Hinweisen auf so exotische Teilchen und Energien suchen, wie “dunkle Materie”, “dunkle Energie”, oder, vielleicht am wichtigsten, das “Higgs-Teilchen”. Durch dessen Wirkung, so die 40 Jahre alte Vorhersage des schottischen Physikers Peter Higgs, erhält alle existierende Materie erst ihre Masse.

Angesichts solcher – bisher nur postulierter – Beziehungen von Materie und Energie, wird klar, warum Physik, Philosophie und Schöpfungsglauben sich ab einem bestimmten Punkt berühren.
Ein Teilchen, das selbst keine Masse besitzt, allen anderen Teilchen im Universum aber erst ihre Masse zuteilt, so dass die Schwerkraft, die das Weltall zusammenhält, überhaupt erst entsteht?
Kein Wunder, dass einige Physiker dem bisher unentdeckten Higgs-Teilchen den Boulevard-tauglichen Namen “Gottesteilchen” verliehen haben: Das Eine ohne dessen Existenz alles andere nicht sein kann.

Sind die LHC-Experimente demnach ein verkappter Gottesbeweis? Nun, vergleicht man die Erkenntnisziele mit denen der modernen Biologie, hält sich zumindest die Blasphemie in Grenzen: Nicht einmal die optimistischsten Experten gehen davon aus, dass man am CERN den Schöpfungsakt wiederholen oder im bestehenden Kosmos herumpfuschen können wird. Man will eigentlich nur schauen.

Und was ist mit den Gefahren der Teilchenkollision? Rein wissenschaftlich betrachtet, gibt es sie nicht. Die Allmacht, die dem Teilchenbeschleuniger in Szenarien zugeschrieben wird, in denen sich durch die Experimente ein schwarzes Loch bildet, das die Erde verschluckt, hat mit der eher bescheidenen Selbsteinschätzung der Physiker bezüglich ihrer Fähigkeiten erfreulich wenig zu tun.

Und wenn doch etwas passiert? Wenn tatsächlich die Schweiz samt den noch nicht georteten deutschen Steuersündern im Nichts verschwindet?

Nun, es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass in diesem Fall nicht das LHC verantwortlich ist, sondern tatsächlich der Schöpfer eingegriffen hat.

Und das wäre das Risiko doch irgendwie wert, oder?

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  • Andreas

    Na, kein Wunder hat Dan Brown ein ganzes Buch daraus gemacht; ist ja auch krass, was sie am CERN alles machen – ein bisschen wie Star Trek nur eben im Hier und Jetzt.