"Gott erhalte..." für Otto von Habsburg im Wiener Stephansdom

Kaiserbegräbnis für Otto von Habsburg

Otto von Habsburg 1916

Kaiserbegräbnis für

“So eine Beisetzung hat seit 1916 nicht mehr erlebt, ” ließ der Kommentator des Österreichischen Staatsfernsehens anlässlich des Begräbnisses von von Habsburg am letzten Samstag in verlauten. Der Vergleich spielte natürlich auf das für Franz Joseph I. an, an dem dessen Urgroßneffe Otto von Habsburg 1916 übrigens als Vierjähriger bereits teilgenommen hatte. Aber diese beinahe einhundertjährige Zeitspanne, die das Leben Ottos von Habsburg überstrich, erklärt nur unzureichend den imperialen Prunk des Kaiserbegräbnisses, das die Alpen-REPUBLIK dem Mitglied des Europäischen Parlaments Otto von Habsburg zuteilwerden ließ.

“Gott erhalte…” für Otto von Habsburg im Wiener Stephansdom

“Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land…” schallte es zur Melodie aus dem Haydnschen Kaiserquartett durch den Stephansdom – vielleicht das letzte Mal und mit allem, was Kehlen und die große Orgel an Schalldruck aufzubieten hatten. Man begnügte sich zwar mit der ersten Strophe, aber Fahnen, Banner, Uniformen, der kilometerlange Trauerzug zur Kapuzinergruft, Grablege der österreichischen Kaiser, Salutschüsse und das Aufgebot an Staatsgästen ließen keinen Zweifel: Hier wurde nicht der -Abgeordnete Otto Habsburg (seit 1979 für die CSU, auf Betreiben von Strauss) beigesetzt. Hier beerdigte man wohl eigentlich den letzten Kaiser von Österreich und damit auch endgültig – mit 93 Jahren Verspätung – die Donaumonarchie.

Restauration post mortem

Ein seltsamer Kontrast war das schon, angesichts der Vorgeschichte zwischen Habsburg und der Republik Österreich nach dem 2. Weltkrieg. Dieses Verhältnis wurde lange Zeit nicht zuletzt von kaum verhohlenen Restaurationsplänen Ottos geprägt, der 1946 des Landes verwiesen worden war, weil er nicht den Verzicht auf die familiären Besitz- und Titelansprüche erklären wollte. Noch 1958 äußerte von Habsburg in “Paris Match” den schönen Satz: „Wenn ich aber einmal zurückgekehrt und ein einfacher Staatsbürger geworden bin, wer soll mich dann daran hindern, politisch für meine Ideen zu kämpfen, und welches Gesetz könnte dann die Staatsbürger davon abhalten, mich zum Kaiser zu wählen?“
Aber auch noch Jahre nachdem Otto von Habsburg 1961 schließlich doch jene Verzichtserklärung abgegeben hatte, wurde seiner Person in Österreich mit erstaunlichem Misstrauen begegnet und auch – nennen wir es beim Namen – durchaus mit Kleinlichkeit.

Eintritt zahlen für Schönbrunn

So gibt es die schöne Anekdote, die von Habsburg gern in Interviews erzählte, dass er einmal mit seinem Enkel nach Schönbrunn fuhr, um diesem das Schloss zu zeigen. Trotzdem er als Otto von Habsburg erkannt wurde, ließ man ihn allerdings Eintritt zahlen.
Und nun dieses samt stehend “Gott erhalte…” singenden Kabinettsmitgliedern. Man könnte meinen, dass Österreich angesichts der royalen Prachtentfaltung in London, Monte Carlo oder Stockholm die Chance zum großen Auftritt nicht verstreichen lassen wollte – Republik hin oder her. Die Wahrheit aber dürfte tiefer liegen und man liegt vielleicht nicht falsch, wenn man glaubt, dass hier die Sehnsucht am Werk ist:
“Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land! Mächtig durch des Glaubens Stütze führt er uns mit weiser Hand! [...] Laßt uns Eins durch Brüderbande gleichem Ziel entgegengehn! Heil dem Kaiser, Heil dem Lande, Österreich wird ewig stehn!”, so lautet es in der Kaiserhymne.

Das Herz Ottos von Habsburg liegt übrigens nicht in der Kapuzinergruft begraben, es wurde im ehemaligen Habsburger Kronland Ungarn beigesetzt. Auch ein Sehnsuchtsort. R.I.P.

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