Zu den Protesten gegen die Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler

Judith Butler und die Hisbollah

Judith Butler bei der Preisverleihung in der Paulskirche© Wikimedia Commons

bei der Preisverleihung in der Paulskirche

Judith Butler erhält den

Der diesjährige -Preis der Stadt am Main wurde vorgestern an die US-amerikanische Philosophin Judith Butler verliehen. Für sich gesehen hätte diese Meldung es niemals in den “Tag der Wahrheit” geschafft, denn die Verleihung dieser Anerkennung an Judith Butler ist keine Überraschung. Denn Judith Butler, die Rhetorik und Komparatistik an der Universität Berkeley lehrt, steht unbestritten in der Tradition der “Kritischen Theorie” der , als deren Begründer, neben Max , Theodor W. Adorno gilt. Der Adorno-Preis wiederum ist folgerichtig für Personen vorgesehen, die Adornos Denken in irgendeiner Weise weiterführen; soweit, so klar.

Wütende Proteste des Zentralrats der Juden, in un den USA

Judith Butler ist aber auch eine wissenschaftliche und politische Reizfigur. Und wenn dieser Tatbestand noch Bestätigung bedurfte, so lieferte ihn der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, der die Preisverleihung an Butler mit den bemerkenswerten Worten kommentierte: “Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als ‘Halbjude’ in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten.” Und weiter: “Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen.”

Judith Butler “bekennende Israel-Hasserin” und -Sympathisantin?

Wenn Worte töten könnten, müsste man sich um Judith Butler ernsthaft sorgen. In der Tat müssen wir lange nachdenken, wann wir – jenseits von Wahlkampftiraden in den USA, dem Iran oder in Bayern – letztmalig Zeuge solcher Brachial-Rhetorik geworden sind. Und wenn doch Worte nicht (direkt und physisch) töten können, so war den Erwiderungen Judith Butlers gegen diese und ähnlich lautende Anwürfe aus den USA und Israel doch eine Betroffenheit anzumerken, die für die äußerst streitbare jüdisch-amerikanische Gelehrte Butler nicht selbstverständlich ist. Immer wenn aber solche Töne um einen Gegenstand von eher akademischer Bedeutung, wie es der Adorno-Preis zweifelsohne ist, angeschlagen werden, liegt der Verdacht nahe, dass es in der Sache um etwas ganz anderes geht.

Streit um die Meinungshoheit

Auch die Gründe, die zu Judith Butlers öffentlicher Verurteilung herangezogen wurden, stärken diese Vermutung: Tatsächlich unterstützt Judith Butler die Israel-kritische Kampagne “Boycott, Divestment and Sanctions”, die sich etwa gegen Investitionen in Militarunternehmungen wendet und Vorträge in Institutionen ablehnt, die sich nicht gegen die israelische Besetzungspolitik aussprechen. In einer im Internet dokumentierten Fragerunde einer universitären Diskussion hatte Judith Butler außerdem dafür plädiert, und Hisbollah als Teil der “globalen Linken” zu analysieren. Beides darf ganz offensichtlich nicht sein. Zumindest aber qualifizieren diese Untaten im innerjüdischen Streit um die Deutungs- und Meinungshoheit, um den es hier eigentlich geht, für die harten Bandagen.

Und so musste sich Judith Butler gewissermaßen ins argumentative “last resort” begeben und darauf hinweisen, dass auch ein großer Teil ihrer Familie von den Nazis im KZ ermordet wurde. Der Oberbürgermeister von Frankfurt blieb der Preisverleihung, die er eigentlich vornehmen sollte, übrigens fern. Dieses Verhalten bedarf dann wohl keines Kommentars.

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