CAS verurteilt Jan Ullrich wegen Dopings

Jan Ullrich oder der lange Abschied

CAS verurteilt Jan Ullrich wegen Dopings

Manchmal führt kein Weg am Kalauer vorbei und ja, Jan Ullrich ist beileibe nicht der erste Mann, an dessen Fall ein Gynäkologe beteiligt war. O.k., das wäre geschafft. Jan Ullrich, so die Meldung dieser Tage, wurde vom Internationalen Sportgerichtshof “CAS” (Court of Arbitration for Sport) des Dopings für schuldig befunden, des “Blutdopings” um genau zu sein. Jan Ullrich, so die Richter, war – spätestens seit 2005- Kunde des spanischen “Dopingarztes” Eufemiano , seines Zeichens eigentlich Facharzt für Gynäkologie.

Schlussstrich unter eine Farce

Dass Jan Ullrich sein Blut regelmäßig, wie zahlreiche andere Sportler, bei Fuentes “auffrischen” ließ, war eigentlich spätestens seit 2007 bekannt. Aber erst jetzt, mehr als fünfeinhalb (!) Jahre nachdem die spanische Polizei Fuentes’ Praxis durchsucht und zahlreiche Blutbeutel sichergestellt hatte, setzte der CAS einer Affäre, die vor nicht zuuletzt Ullrichs wiederholte, skurril-unglaubwürdige Dementi, zur Farce geworden war. Vor allem aber war sie längst vergessen, ebenso wie ein großer Teil des Ruhms, den Jan Ullrich auf zwei Rädern eingefahren hatte.

Keine Einzeltäter im

Auch bei uns sind die Zeiten, in denen wir Julinachmittage vor dem Fernseher verbracht haben, um Bergankünfte, Zeitfahren, Ausreißversuche, aber eben lange Zeit vor allem diesen Jan Ullrich zu verfolgen, lange vorbei. Jeder halbwegs klar denkende Mensch musste spätestens seit 2006 wissen, dass eben nicht nur Jan Ullrich, Alberto Contador, Marco Pantani oder andere “Einzeltäter” im Radsport mit Dopingmitteln ihre Leistung erfolgreich zu steigern versucht hatten. ist, soviel ist längst klar, im Radsport Teil des Systems und das nicht erst seit Fuentes.

Rückblick nach

Da nun auch die Akte Jan Ullrich endgültig geschlossen werden kann, sei uns ein letzter Rückblick gegönnt. Ein Rückblick auf eine Szene, die in den Köpfen einiger Menschen – wir kennen mindestens drei persönlich – nie in Vergessenheit geraten werden wird. Hauptdarsteller dieser Szene ist eben dieser Jan Ullrich, damals, an diesem 15. Juli 1997 gerade einmal 23 Jahre alt. Jan Ullrich, der auf den Bergetappen jener 84. seinem schwächelnden Kapitän und Titelverteidiger Bjarne Riis noch zur Seite gestanden hatte, obwohl alle Welt sehen konnte, dass die Stallorder Ullrich nur aufhielt. Auch Riis, das muss man ihm lassen, merkte das irgendwann.

Jan Ullrich oder der lange Abschied

Und dann, ja dann der Schlussanstieg hinauf nach Andorra-Arcalis und Jan Ullrich, der dem gesamten Feld, Riis, Pantani, Virenque und all den anderen am steilsten Stück einfach davonfährt. Jan Ullrich, dessen Gesäß den Sattel beim Antritt fast nicht verlässt, der einfach den Druck auf die Pedalen immer und immer weiter steigert, bis keiner mehr folgen kann. 1:08 Minuten fährt Ullrich heraus, gewinnt die Tour mit dem größten Vorsprung seit 1984 und – oft vergessen – das eigentlich im Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers… So, nun ist es heraus, wir haben es aufgeschrieben und vielleicht lässt der Stachel, der immer noch dann und wann zwickt, ja nun los. Jan Ullrich ist endgültig Teil der Vergangenheit und die Julinachmittage bleiben fernsehfreie Zeit.

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