Die Stimmung gegen Flüchtlinge in Israel offenbart eine bröckelnde Identität

Israel zwischen Leitkultur und Rassismus

Israel: Flüchtlinge übernachten auf einem Spielplatz in Tel Aviv© Getty Images

: Flüchtlinge übernachten auf einem Spielplatz in Tel Aviv

Israel zwischen und

60.000 Flüchtlinge aus Afrika gibt es laut offiziellen Angaben in Israel. Viele dieser Menschen sind aus Eritrea, dem Sudan und anderen, vorsichtig formuliert „krisengeschüttelten“ Staaten am Horn von Afrika nach Israel gekommen, oft illegal und unter Umständen, die kein Mensch freiwillig auf sich nimmt. “Wie Krebs”, seien diese Menschen für den Staat Israel, rief Miri Regev, die für die rechtskonservative Likud-Partei im israelischen Parlament (Knesset) sitzt, in dieser Woche Demonstranten in Tel Aviv zu, die lautstark die Abschiebung aller Einwanderer aus Afrika forderten. Auch tätliche Angriffe gegen afrikanische nehmen in Israel zu. Doch hinter Parolen und Anschläge offenbart sich vor allem der Kampf des Staates Israel mit der eigenen, bröckelnden Identität.

Parolen und Anschläge gegen Flüchtlinge in Israel offenbaren eine bröckelnde Identität

Auch jenseits der unsäglichen „Krebs“-Analogie, die an ganz andere Kontexte erinnert, hat Israels politische Führung dem Vernehmen nach nur eine Lösung für die Flüchtlings-Frage im Kopf: Abschiebung. So verurteilte Ministerpräsident Netanjahu zwar die tätlichen Übergriffe auf Immigranten, forderte aber gleichzeitig – unisono mit den Demonstranten in Tel Aviv – die Ausweisung “aller” Einwanderer. Israels Innenminister Eli Yischai wurde noch deutlicher: Wenn ihm “alle Mittel”, die er fordere, zur Verfügung gestellt würden (man mag sich lieber nicht vorstellen, welche das sind), würden binnen eines Jahres alle Migranten Israel verlassen haben. “Mit der Hilfe Gottes”, so Yischai weiter, “werden wir die jüdische Identität des Staates Israel und den zionistischen Traum bewahren”.

Was kommt nach dem ?

Das klingt für die Ohren von uns “Leitkultur”-Debatten-Geprüften ebenfalls bekannt. Und genau wie Herrn Sarrazin die Angst umtreibt, es werde in Deutschland bald keine Deutschen mehr geben, scheint es der politischen Führungsschicht in Israel zu ergehen: Auf dem Spiel steht, zumindest gefühlt, das Ganze; die Identität des jüdischen Staates Israel. In der Tat stellt sich natürlich die Frage, ob der “zionistische Traum” für Israels Zukunft noch taugliche Bindungswirkung entfalten kann. Ob er das muss und was danach kommen könnte, danach fragt offenbar keiner. Und so dürfte Israel, ohnehin an Mauern nicht arm, weiter an der Befestigung eines überholten status quo arbeiten, der dem Außenstehenden immer mehr wie ein erscheint.

Man sollte sich nicht täuschen. Gefängnisse sind äußerst funktionale Orte; sie können den Insassen eine Art von Sicherheit und “Sinn” bieten, die die “Welt da draußen” nicht zu geben vermag. Nur eng sind sie eben, das dürfte in Israel nicht anders sein.

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