Innenminister Friedrich: "Islam gehört nicht zu Deutschland."

Islam nein, Muslime ja?

Islam und Deutschland: Karl der Große trifft Harun al-Rashid

nein, ja?

Gerade mal einen Tag im Amt, hat Hans-Peter die nächste Runde im “Leitkultur”-Spielchen eröffnet. “Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt”. Die erneute Spitze gegen Bundespräsident Wulffs Rede vom 3. Oktober 2010 (“Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.”) war unüberhörbar und beabsichtigt. Schon damals Jahr hatte den Bewahrer des Abendlandes gegeben und erklärt: “Die Leitkultur in Deutschland ist die christlich-jüdisch-abendländische . Sie ist nicht die islamische und wird es auch nicht in Zukunft sein.” Muslime, die in der Bundesrepublik lebten, so der frischgebackene gestern, gehörten als Bürger aber natürlich zu diesem Land. Islam nein, Muslime ja?

Innenminister Friedrich: “Islam gehört nicht zu Deutschland.”

Ein wenig Populismus zugunsten der noch Guttenberg-wunden konservativen Seelen der Unions-Anhänger, schön verpackt in einer scheinbar neutralen “historischen” Betrachtung, ist das eine. Wie aber sollen es die vom Minister angesprochenen Muslime verstehen, dass sie “durchaus”, ihre Religion, der Islam, aber nicht zu Deutschland gehören? Muss nun konvertieren, wer sich vollständig integrieren will? Und wie steht es im Gegensatz zur Historie mit der Gegenwart? Sind Stadtviertel in Berlin und anderswo, in denen der Islam eine große Rolle spielt, nicht Deutschland?

Phantasma der christlich-jüdisch-abendländischen Kultur

Es ist dünnes Eis, auf das sich der Minister begibt, wenn er die Geschichte bemüht. Die von ihm beschworene christlich-jüdisch-abendländische Kultur in einem größeren geschichtlichen Kontext vom Islam abzusetzen, ist unsinnig. Was das christliche Mittelalter an kulturellem Bestand Europas vergessen hatte, wäre ohne die islamischen Gelehrten der Renaissance einfach vergessen geblieben; kein Aristoteles, kein Platon. Dass das christliche Abendland überdies – bis hin zum Holocaust – einen guten Teil seiner Energie auf die Vernichtung seines jüdischen Erbes verwandte, wird in diesem schönen, harmonistischen Kulturbegriff auch gern unter den Teppich gekehrt. Dass hingegen die älteste Deutschlands bereits 1928 in Berlin Wilmersdof eröffnet wurde, ist eine Tatsache.

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, ist keine. Wie Integration und notwendiges Miteinander gelingen können, wenn diese Erkenntnis nicht gelten soll, ist das Problem.

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