Rettungspaket für den Euro

Im Angesicht der Inflation? Nach der Euro-Rettung ist vor der Krise.

Der Euro

Gerichtet oder Gerettet? Der

Gegen die Euro-Krise machen die europäischen Staaten 750 Milliarden Euro locker – ist die Krise nun abgewendet?

Ein hochdramatisches Wochenende mit Krisensitzungen in Brüssel, Berlin und andern europäischen Hauptstädten liegt hinter uns. Zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) will die EU bis zu 750 Milliarden Euro ausgeben – als “Rettungsschirm” für die angeschlagene Gemeinschaftswährung, den Euro.

In unserer an Rettungspaketen mit astronomischen Nennwerten reichen Zeit ist es bezeichnend, dass die Summe schon gar keinen Anlass mehr zu großer Verwirrung gibt. Daher noch einmal zur Erinnerung: Wir sprechen über 750.000.000.000 einzelne Euros, die entgegen den anderslautenden Beteuerungen vieler beteiligter Akteure eben doch irgendwann beansprucht werden werden. Oder noch ein wenig anders: 750.000 Millionen Euro. Wer – Hände hoch – glaubt, dass man diese ausgeliehenen Werte jemals wieder sehen wird?

Was das bedeutet, ist klar. Erstens muss jemand – steuerzahlende Bürger – für diese Summe geradestehen, und zweitens ist damit eine Finanzwette im Moment eine sichere Sache: es wird, nein, es muss in den nächsten Jahren eine deutliche in den wirtschaftlich starken Ländern der Erde geben.

Warum? Weil Inflation das einzige politisch durchsetzbare Mittel ist, um die gigantischen Staatsschulden, die im Moment diesseits und jenseits des Atlantiks angehäuft werden, irgendwann in den Griff zu bekommen. Ein wenig bildlicher: Inflation ist das einzig real mögliche Ventil an der Überschuldung der Welt, über das Überdruck abgelassen werden kann.

Damit sei das Schuldenproblem aber auch gelöst, hört man nicht zuletzt vom Nobelpreis-gekrönten Ökonomen Paul Krugman. Man habe ja schließlich unabhängige Notenbanken, die rechtzeitig vor dem Entstehen gefährlich hoher Inflationsraten die Leitzinsen erhöhen, und das Risiko der Geldentwertung damit in den Griff bekommen können.

Dahinter steht die Idee, dass ohne Inflation die Steuerzahler durch die steigenden Zinslasten der immer höher verschuldeten Staaten über Gebühr belastet würden. Weiterhin beruht die Annahme auf der politischen Unabhängigkeit der Notenbanken.
Denn Leitzinserhöhung bedeutet Drosselung der im Wirtschaftskreislauf verfügbaren Liquidität. Die normalen Folgen sind sinkende Wachstumsraten mit all ihren Folgen, von denen wachsende Arbeitslosigkeit gerade in den Industrieländern nur eine ist.

Dieselben Steuerzahler aber, die durch “kontrollierte” Inflation geschützt werden sollen, werden dieselbe Inflation an jeder Ladenkasse deutlich zu spüren bekommen; von Ersparnissen (Renten, Versicherungssystemen, private Spar-Schweine und -Strümpfe etc.) ganz zu schweigen.
Und wie unabhängig Notenbanken im Moment sind, konnte man am Wochenende beobachten, als die Europäische Zentralbank unter dem Druck der EU-Staatschefs ihre Position, keine wertlosen südeuropäischen Staatsanleihen kaufen zu wollen, ganze zwei Tage durchhielt.

So oder so, die unfassbar hohen Staatsschulden werden ihren Tribut fordern. Rohstoffpreise und Arbeitskosten in den Schwellenländern ziehen bereits kräftig an, und die nächste Immobilienpleite in den USA mit Abschreibungsvolumina von 300 – 400 Milliarden Dollar wird für Mitte des Jahres erwartet.

Es wird der Tag kommen, da die – zum Teil berechtigten – Tiraden über die Machenschaften von Spekulanten im Politiker-Hals steckenbleiben werden. Vieles spricht dafür, dass es nur noch eine Frage von Monaten ist.

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