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Gondeln

Gondeln - Blick in die Lagune von Venedig auf San Giorgio Maggiore

- Blick in die Lagune von Venedig auf San Giorgio Maggiore

1. Gondeln sind besondere Boote

Gondeln sind traditionelle Ruderfahrzeuge, die insbesondere in den Kanälen von Venedig benutzt werden, eine Stadt, die auf über 200 Inseln in einer Lagune erbaut wurde. Aufgrund dieser Tatsache gibt es dort anstelle von Straßen für Autos ausschließlich Kanäle für den Bootsverkehr. Über die Jahrhunderte entwickelten sich hier viele verschiedene Bootstypen für den täglichen Gebrauch, deren bekanntester die venezianische Gondel ist: ein Boot, das bis zu sechs Passagiere befördern kann.

Eine Gondel ist 11,05 m lang, 1,45 m breit und wiegt leer ca. 400 kg. Sie hat eine asymmetrische Mittellinie, die eine leichte Kurve nach steuerbord (rechts) aufweist. Dies ist notwendig, da sie nur von einem Ruderer auf der rechten Seite am Heck des Bootes fortbewegt wird. Die Asymmetrie des Rumpfes bewirkt einen erhöhten Widerstand im Wasser, der den einseitigen Vortrieb durch den einzelnen Ruderer auf der rechten Seite ausgleicht, sodass die Gondel trotzdem geradeaus fährt. In den engen Kanälen der Stadt ist dies die einfachste Möglichkeit, zwei sich begegnende Boote aneinander vorbei zu manövrieren.

Darüber hinaus hat die Gondel einen erheblichen „Sprung“. Das bedeutet, daß sie an den Enden sehr weit nach oben gebogen ist. Dies hat zur Folge, daß sich die Wasserlinie erheblich verkürzt und so die Manövrierfähigkeit des Bootes verbessert wird. Man kann sie „auf dem Teller drehen“, und die im Verhältnis zur Gesamtlänge relativ kurze Wasserlinie erlaubt auch ein vergleichsweise müheloses Vorankommen. Tatsächlich muss ein Gondoliere für eine Fahrt mit Passagieren nur soviel Kraft aufwenden, wie er für dieselbe Strecke benötigen würde, wenn er zu Fuß und ohne Traglast unterwegs wäre – ein ungewöhnliches Merkmal für ein Boot dieser Größenordnung.

2. Aufbau einer Gondel

Sieben Holzarten werden für den Bau der echten venezianischen Gondeln verwendet: Eiche, Nussbaum, Ulme, Lärche, Mahagoni, Tanne und Kirsche. Eine Gondel besteht aus 33 Rahmen, die meist aus drei Teilen gemacht sind: zwei Seitenteilen, meist aus Ulme, und einem Unterteil (aus Eiche). Bei Squero Canaletto werden sie in Anlehnung an eine ältere Technik aus zwei gebogenen Eichenteilen gemacht, die unten überlappen. Früher erhielten die Eichenteile ihre Biegung, indem man den Baum während des Wachstums bog. Heute werden dünne Eichenstreifen zu einem Bogen zusammengeleimt. Die Beplankung wird ebenfalls meist aus Eiche hergestellt. Ihre Enden werden mit Hitze in die richtige Form gebogen. Zusammengehalten werden die Gondeln von Eisennägeln oder Edelstahlbeschlägen.

Gondeln am Markusplatz in Venedig

Gondeln am Markusplatz in Venedig

Sitzen Beplankung und Deck sowie die Schmuckelemente, wird der Bootskörper schwarz gestrichen. Mit fünf bis sieben Schichten Lack, dazwischen wird nass geschliffen. Zunächst waren Gondeln aus praktischen Gründen schwarz: Sie wurden mit Pech wasserdicht gemacht, und da war es am einfachsten, sie schwarz zu streichen. Später im Mittelalter bestimmte dann der Doge, das Oberhaupt der Venezianer, per Erlass, dass Gondeln nur noch schwarz sein sollten.

Dennoch gibt es auch heute mehr oder weniger ausgestattete Modelle. Eine Gondel, deren Bau zwei bis drei Monate dauert, kostet um die 15.000 Euro.

Neben der allgemein bekannten Form der Gondel gibt es noch die „Gondola Traghetto“, die als Fährboot eingesetzt wird. Auf ihr können bis zu 20 Personen auf einmal für ein wenig Kleingeld den Canal Grande überqueren. Darüber hinaus gibt es die „Gondola Regatta“, die bei Rennveranstaltungen eingesetzt wird und das „Gondolino“, welches auch für Rennen benutzt wird, aber wesentlich leichter und schneller ist.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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