Guido Westerwelle oder die Geschichte vom ewigen Jungen Wilden

Geht Guido?

Guido Westerwelle

Geht Guido?

Sollte es das wirklich gewesen sein für als -Vorsitzender? Die Stimmen aus der Partei, die viele Jahre lang fast gleichbedeutend mit Westerwelle erschien, sind so eindeutig, dass es im Moment wohl nur noch darum gehen dürfte, wie ein Rücktritt halbwegs ohne Gesichtsverlust vonstattengehen könnte. Währenddessen legen die ersten Parteifreunde bereits auch den Rücktritt als nahe; er könne “ja Fraktionsvorsitzender werden”. Doch wie sollte das funktionieren? Kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass einer wie Westerwelle ins zweite Glied zurücktritt? Einmal ganz abgesehen davon, wer den Job als und Vizekanzler übernehmen sollte – es wird einem beim Nachdenken etwas bang – was ist eigentlich passiert?

Guido Westerwelle oder die Geschichte vom ewigen Jungen Wilden

War nicht die FDP unter Guido Westerwelle als – man verzeihe den Kalauer – strahlender Sieger aus der Bundestagswahl 2009 hervorgegangen? Sah es nicht so aus, als hätte Westerwelle, der gefühlt ewige Vorsitzende, endlich sein politisches Lebensziel erreicht? Sicher, das Amt des Außenministers war ihm nicht auf den Leib geschrieben, aber hatte den Job doch auch hinbekommen.
Aber, als sei es ein klassischer Tragödienstoff; auf dem Höhepunkt des Erfolgs begann der Abstieg. Dass die FDP ihre ökonomisch sinnlose und politisch dumme Mehrwertsteuer-Erleichterung für Hoteliers unbedingt durchdrücken wollte, war dabei zunächst gar nicht das Problem. Das Problem war, das Guido Westerwelle, im Stil des ewigen jungen Wilden, sich nicht wenigstens dem Anschein nach aus der Innenpolitik heraushalten konnte. Kein Mikrophon, in das der Vizekanzler und Außenminister nicht die immer gleiche Stellungnahme posaunt hätte.

Auch der ist am Ende

Weniger wäre hier mehr gewesen, an anderer Stelle fehlte es: am Programm. Die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben deutlich gemacht, dass, abgesehen von der Atomkraft, eigentlich niemand mehr so genau wusste, wofür die FDP steht. Anders ausgedrückt: das Charisma des Personals, inklusive des Vorsitzenden, genügte bei weitem nicht, um die Wähler über die Tatsache hinwegzutäuschen, dass es die FDP nach knapp anderthalb Jahren in der Regierung nicht verstanden hatte, zu erklären, warum wir sie brauchen.
“Spaßpartei”, “Projekt 18″, “Partei der Besserverdienenden”, alles Begriffe, die, wie das “Guidomobil” (ein Wahlkampfbus in den späten 1990er Jahren), Westerwelle-Erfindungen sind, haben diese Fragen auch nie beantwortet und weisen doch, gewissermaßen aus der politischen Altkleiderkammer, auf das grundlegende Problem Guido Westerwelles hin: “Jung und wild” ist nicht gefragt in der Politik, schon gar nicht bei den Jungen und (naja) Wilden. Die bemüht-hippe Attitüde mag in Oppositionszeiten für kurze Zeit Aufmerksamkeit erregt haben, für Regierungshandeln taugt sie nicht und nicht umsonst ist vom einstigen jung-konservativen “Andenpakt” in der CDU nicht einmal mehr übrig geblieben.

Westerwelle wie die Deutsche Bank

Die Selbstdarstellungs-Bemühungen der post-Westerwelle-Generation in der FDP – Bahr, Rösler, Lindner – machen es deutlich: “Wild” verfängt nicht, Seriosität und Pragmatismus sind gefragt. Dass damit eine gewisse Glätte einhergeht, nun ja. Es ist ein wenig wie bei der Deutschen Bank, die um das Ende des letzten Jahrtausends herum junge Menschen mit dem Namens-Zusatz “24″ als Kunden gewinnen wollte. Internet-affin sollte das klingen, hipp und unabhängig. Nicht einmal fünf Jahre später wusste niemand mehr, was “Deutsche Bank 24″ einmal war. Die jungen Kunden wollten gar keine hippe Bank, sondern eine, die nach Solidität klang. Jetzt heißt es wieder “Deutsche Bank” und es scheint, als sollte auch die selbsternannte “Freiheitsstatue der Republik”, Guido Westerwelle bald nicht mehr da sein. Geht Guido? Wahrscheinlich ja, die Frage ist nur, welche Ämter zurückbleiben.

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    Tja der Westerwelle kann einem einfach leid tun. Jetzt fallen alle über ihn her. So hat auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Druck auf Westerwelle erhöht. “Keiner sollte an seinem Posten kleben”, sagte die bayerische FDP-Vorsitzende dem “Münchner Merkur”. Westerwelle habe ein gutes Gespür für die Lage der Partei. “Da gibt es ein erhebliches Grummeln an der Basis.” Auf die Frage, ob Westerwelle auch als Außenminister in Frage stehe, sagte sie: “Nein, wir reden jetzt nur über die Erneuerung der Parteispitze.” Vielleicht sollte man auch über die Besetzung des Bundesjustizministeriums sprechen.