Ein Sittenbild aus einer Sauna in Berlin

Frauen und Männer ohne Hüllen

Männer und Frauen ohne Hüllen

und ohne Hüllen

Es gibt einen Ort, wo sich Menschen, Männer und Frauen, ohne Hüllen begegnen: die . Wenn Sie -Gänger/in sind, haben Sie vielleicht bemerkt, dass das Diktat der Hüllenlosigkeit, dem sich Männer und Frauen an diesem üblicherweise heißen und feuchten Ort mehr oder weniger gern unterwerfen, nicht bei den Textilien halt macht. Auch der Charakter der Schwitzenden tritt oftmals ungefilterter zu Tage. Die körperliche Blöße verleitet offenbar dazu, sich auch sonst “natürlicher” zu gebärden und gegebenenfalls auch die letzten Rudimente von “sittlichem Zwang” über Bord zu werfen.

Ein Sittenbild aus einer Sauna in

So wie Männer und Frauen an sich und untereinander verschieden sind, so unterschiedlich sind Stimmung, geschriebene und ungeschriebene Gesetze in Saunen. Anhand letzterer lassen sich besonders gut die Hierarchien ablesen, von denen dieser Mikrokosmos natürlich keineswegs frei ist. Bereits innerhalb einer Stadt können Sie vollkommen unterschiedlich funktionierende dieser Feuchtbiotope finden; wir empfehlen dieses anthropologische Experiment ausdrücklich und gehen mit gutem Beispiel voran. In einem kleinen Sittenbild aus einer Sauna in Berlin möchten wir zwei Prachtexemplare des “ungezwungenen Verhaltens” vorstellen. Eines männlich, eines weiblich, versteht sich.

Der mit sich selbst beschäftigte Mann

Ihn gibt es als tief versunkenen Denker, als spiegelhaschenden Narziss und als lautstark Prustenden (bisweilen hört man sogar Schreie!) unter der kalten Dusche. Weiterhin als breitbeinig beim Aufguss drei Plätze Besetzenden, laut Hustenden, die Nase vernehmlich Hochziehenden und mitunter sogar laut Schnarchenden: Den mit sich selbst beschäftigten Mann. Seine Grundregel: Die Handlungen oder Haltungen die seine ganz-in-sich-selbst-Versunkenheit zum Ausdruck bringen, müssen unbedingt laut, auffällig oder auch aufdringlich ausgeführt werden. Er liefe sonst schließlich Gefahr, unbemerkt zu bleiben, der Mann bei seiner Selbstversunkenheit.

Die Lebensunpraktisch-rücksichtslose Frau

Der Fairness halber sei vorausgeschickt, dass sie korrekter unter “Mädchen” subsumiert wäre, auch wenn einige Exemplare durchaus auf die Dreißig zugehen. Normalerweise tritt dieser Typus paarweise auf und erstes Erkennungsmerkmal ist die ungezwungen laute Unterhaltung in Saunakabinen und Ruheräumen. Bei allen Verrichtungen fällt außerdem das Kokettieren mit der eigenen praktischen Unzulänglichkeit auf – ein Schelm, wer Strategie dahinter sieht. Im übrigen ist die zart-mädchenhafte Maske dieser jungen Frauen aber recht schnell abgeworfen, wenn es gilt, sich irgendwo vorn anzustellen und ganz allgemein das zu beanspruchen, was einem nun einmal zusteht; nur das Beste.

Der Beispiele seien hier genug gegeben, dem Samstagabend-Anthropologen bietet sich ein reiches Betätigungsfeld für die eigene Analyse. Also Hüllen runter und auf in die Sauna, Männer und Frauen! Es ist sowieso kalt geworden in Deutschland.

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