Herr Riedl-Strammlieger auf meinem Gangplatz

Eine wahre Geschichte als Tag der Wahrheit

Herr Riedl-Strammlieger auf meinem Gangplatz© dpa

Herr Riedl-Strammlieger auf meinem Gangplatz

Manchmal schreibt das Leben selbst die besten Geschichten, mit dem schönen Nebeneffekt, daß diese die besser repräsentieren, als jeder Kommentar es vermag. Wenn ich an diese zurückdenke, fällt mir eines meiner Liebslingszitate ein, geprägt vom großen Thomas Mann: “Ich finde lieber, als daß ich erfinde.” Ich möchte die kleine Begebenheit daher ohne weitere Umschweife, sowie ohne Wertung oder Kommentare einfach genau so erzählen, wie sie sich gestern zugetragen hat.

Der großzügige Herr Riedl-Strammlieger auf meinem Gangplatz

Ich bin in das eingestiegen, das mich nach Hamburg bringen wird. Ich habe den 7C, einen Platz am Gang also. Der Fensterplatz ist bereits belegt, und so setze mich in die Mitte, um nicht mehr aufstehen zu müssen, in der festen Überzeugung, daß es dem eigentlichen Inhaber des Mittelplatzes einerlei sein wird. Kurz darauf hält mir auch schon ein Mann seine Bordkarte entgegen: Dies sei sein Platz, womit er ja recht hat. Der Herr ist ungefähr 20 Jahre älter als ich, hat kurze graue Haare und einen ebenfalls grauen Dreitagebart. Er gar einen runden Bauch und stinkt leider ein wenig nach unterdrücktem Schweiß. Mir fällt sein Name auf, weil dieser ein auffallend langer und lustiger Doppelname ist: Herr Riedl-Strammlieger. Ich frage den Herrn, ob ihm die Mitte wichtig sei, ich habe den Gangplatz, den er gerne übernehmen könne. Ihm sei es egal, antwortet er, und setzt sich an den Gang.

Ich stecke meine Ohrstöpsel in die Ohren und schließe die Augen, kann aber, obwohl ich sehr müde bin, nicht schlafen. Gedämpft höre ich also, was um mich herum geschieht. Der beginnt. Hierbei gibt es Unterschiede, wer gemäß seiner Buchung einen Snack bekommt und wer nicht. Daher spricht die Stewardess alle diejenigen mit Namen an, denen ein Brötchen zusteht. Zunächst den Herrn am Fenster, der ablehnt. Mich übergeht sie, da ich die Augen geschlossen habe und offenbar schlafend aussehe. Schließlich spricht sie Herrn Riedl-Strammlieger am Gang an, wo ja laut ihrer Liste ich sitze: “Möchten Sie Salami oder Käse, Herr Erhardt?”

Und ihr werdet nicht glauben, was Herr Riedl-Strammlieger antwortet: “Salami, aber bitte lassen Sie doch den Titel weg, einfach nur Erhardt.”

Themenverwandte Artikel, die Sie auch interessieren könnten:

  • AK

    Tja, Erziehung ist nun mal durch nichts zu ersetzen…