Haushaltsausschuss beschließt mehr Geld fürs Berliner Stadtschloss

Ein Stadtschloss hatte uns gerade noch gefehlt

Berliner Stadtschloss

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Ein Stadtschloss hatte uns gerade noch gefehlt

Beim Gang über den noch immer Stadtschloss- und auch sonst Sinn-freien (Dort steht momentan einsam und verlassen die “-Box”, was auch immer das sein soll.) Berliner Schlossplatz hatte manch vernünftiger, wenn auch vielleicht naiver Zeitgenosse wieder zu hoffen gewagt. Sicherlich würde doch angesichts von Schuldenkrise, Eurokrise, Hunger in der Welt, Energiewende, Stuttgart 21, etc. wenigstens dem Irrsinn Berliner Stadtschloss heimlich still und leise der fiskalische Garaus gemacht. Denkste. Während die Bundesregierung offenbar dem Euro weiter ohne Plan Zeit kaufen will und Angela Merkel gegen das Verhungern von 400.000 somalischen Flüchtlingen in Kenia gnädig eine Million (!) gewährt, genehmigt der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 38 Millionen zusätzlich Euros für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses.

Haushaltsausschuss beschließt mehr Geld fürs Berliner Stadtschloss

Nun wären unserer Ansicht nach bereits diese 38 Millionen genau 38.000.000 Euro zu viel für noch mehr Preußenkitsch à la Stadtschloss in der Hauptstadt. Dass im siegreichen Entwurf des Architekten Francesco Stella der ideenlose Wiederaufbau noch mit einem bestenfalls einfallslosen “modernen” Flügel ergänzt wurde, sei nur am Rande erwähnt. Dass die im ursprünglichen Nutzungskonzept für das neue Stadtschoss vorgesehene Verwendung als Bibliothek nicht funktioniert und mittlerweile keiner mehr weiß, was eigentlich genau in dieses Gebäude (wieder Humboldt, diesmal als “”) hinein soll, ist schon bedenklicher. Der eigentliche Punkt sind aber, natürlich, die Kosten. Bereits eine Machbarkeitsstudie von 2005 bescheinigte den offiziellen Baukosten von 670 Millionen Euro Phantasiestatus und ging von 1,2 Mrd Gesamtkosten aus.

Grundgesetz des öffentlichen Bauens

Die zwischenzeitlich beschlossene, hektische Verkleinerung der Stadtschlosspläne, die die Baukosten auf angeblich 552 Millionen drücken sollten, werden die Nutzbarkeit des Baus weiter vermindern. Vor allem aber wird auch die Zahl von 552 Millionen, die nun der Haushaltsausschuss auf 590 Millionen aufstockte, dem zweiteiligen Grundgesetz öffentlichen Bauens in dieser Größenordnung nicht entgehen: 1. Es dauert immer länger als geplant, außer man baut für die Fußball-WM. 2. Es wird immer teurer als geplant und zwar auch gern einmal um den Faktor 2, auch wenn Fußball-WM ist. Wir wären jedenfalls überrascht, wenn am Ende der Bauzeit des Stadtschlosses, wann immer das sein mag, eine Summe von unter einer Milliarde in den Berliner Sand gesetzt worden wäre.

Disneyland statt Geschichte

Bis vor gar nicht langer Zeit stand nun auf dem Schlossplatz, der seit Jahren die wertvollste ungenutzte Brache der Hauptstadt ist, der Palast der Republik; seinerzeit Sitz des, nun ja, Parlaments der . Diesen hatte man nach der Wende aufwändig und teuer (70 Millionen Euro) vom Asbest befreit und die Aussichten standen ausgezeichnet, ihn für weitere 60 Millionen so umzubauen, dass man dem “Humboldt-Forum” einen doppelt so großen Raum hätte bieten können, wie in den Planungen zum Stadtschloss vorgesehen.
Doch rechnen wir großzügig: 200 Millionen Euro für einen renovierten Palast der Republik mit 100.000 m² Nutzfläche gegen mindestens 600, womöglich 1000 Millionen Euro für das neue Stadtschloss mit 50.000m². Renovierungs- und Abrisskosten für den Palast, ungleich längere Bauzeit für das Stadtschloss und ungenutzte Brachfläche ohne Einnahmen für Stadt und Bund nicht mitgerechnet.
Was sagen uns diese Zahlen? Wir befinden uns längst außerhalb der Sphäre der Vernunft und innerhalb der der politischen Abrechnung mit einem ohnehin gescheiterten Staat: Kaiserreich statt DDR, Disneyland statt Geschichte. Ein Glück ist die auch bald größer als das Holocaust-Mahnmal.

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