10. Internationales Literaturfestival Berlin mit Juan Goytisolo eröffnet

Die Sehnsucht nach der Herrschaft des Worts

Sehnsucht nach der Herrschaft des Worts

Sehnsucht nach der Herrschaft des Worts

In New York hetzt der niederländische Rechtsradikale zum Gedenktag des 11. September am “Ground Zero” gegen Moscheen. Die Regierung in Paris verordnet ihren regionalen Verwaltungen eine Quote für die Räumung von von Roma bewohnten “Lagern” (!).
In Berlin wurde unterdessen das Internationale Literaturfest eröffnet, eines der wichtigsten seiner Art in Europa. Und bereits während der Eröffnungsveranstaltung und der dort zelebrierten Feier der kulturellen Vielfalt, wurde ein Gefühl greifbar: Die Sehnsucht nach der Herrschaft des Worts.

10. Internationales Literaturfestival in Berlin mit Juan Goytisolo eröffnet als Lebenselixier der Stadt

Das Thema seines von den Veranstaltern etwas unglücklich mit “Das Pulsieren des Raumes” übersetzten Essays, war denn auch nicht zufällig die literarische Verarbeitung der modernen Stadt. Diese erhält für Goytisolo ihre Eigenart, ihre literarische Produktivität, aber vor allem auch ihre politische Zukunftsfähigkeit erst durch die Lebendigkeit ihrer Einwandererviertel.
Aus dieser Perspektive heraus nannte er Paris und Berlin als Vorbilder für die übrigen Hauptstädte Europas, die seiner Ansicht nach in zu viel Homogenität erstarrten.

Politik wird zur

Diese sympathische Argumentation offenbarte jedoch eine entscheidende Schwäche, die bei einem so politischen Kopf wie Goytisolo doch überraschte: Kein Wort verlor er über die Probleme, die kulturelle Vielfalt ganz offensichtlich mit sich bringen kann und die zu den wichtigsten politischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte gehören. Ob in Kreuzberg oder in den Pariser Banlieues; bei Goytisolo herrschte überall dort vollkommene Harmonie.
Für Goytisolos Schilderungen könnte man argumentieren, dass die Probleme, die unter dem Stichwort der “” verhandelt werden, immer noch besser sind, als alle “national befreiten Zonen” – und man hätte recht damit.
Goytisolos Punkt, soviel wurde am Ende seines Essays deutlich, ist aber ein anderer. Sein Ausruf “Auf den finalen Sieg der Literatur!”, mit dem er den Vortrag beendete, verwies auf den universalen Traum aller intellektuell Arbeitender:

Die Sehnsucht nach der Herrschaft des Worts.

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