Kardinal Meisner ändert seine Ansicht zur Pille danach

Die Pille davor ist die Pille danach

Ist die Pille danach die Pille davor?© Getty Images

Ist die danach die davor?

Kardinal ändert seine Ansicht zur

Es fällt einem durchaus das Wort vom Berg und dem Propheten ein, wenn man die Meldungen in Sachen und der “Pille danach” liest. Schließlich erlebt man es nicht alle Tage, dass ein hoher katholischer Geistlicher seine Meinung öffentlich und innerhalb kurzer Zeit so drastisch ändert. Zumal wenn der Druck der Öffentlichkeit wie in Bezug auf das Thema der Zulässigkeit der Pille danach für Vergewaltigungsopfer so groß ist, wie in den letzten Tagen, überrascht die Reaktion Meisners. Ansonsten hält man es im katholischen Klerus ja gern mit der Devis “jetzt erst recht (nicht)”. Nun also, “nach einer Beratung durch Fachleute”, hält die Verabreichung und Einnahme der Pille danach an und für Vergewaltigungsopfer “für vertretbar“. Der Vorgang verdient Aufmerksamkeit, soviel ist sicher, und zwar gleich aus mehreren Gründen.

Kardinal Meisner lässt sich aufklären

Ihm sei nicht klar gewesen, dass es unter dem Sammelbegriff “Pille danach” Präparate verschiedener Wirkweisen gebe, wurde Kardinal Meisner zitiert. Deshalb halte er nun die Pille danach teilweise für vertretbar, “wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern“. Das gelte nicht für diejenigen Pillen danach, die die Einnistung bereits befruchteter Eizellen in der Gebärmutterschleimhaut verhinderten. Beruhigend, dass sich ein Mann, dessen Wort in der Frage der Pille danach de facto Gesetz für alle Katholiken zumindest des Erzbistums ist, in dieser Frage informiert, zumindest danach. Aber davon und von der Drohung der Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens, den katholischen Krankenhäusern ihre wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, sollten sie weithin Vergewaltigungsopfer nicht behandeln, wollen wir einmal absehen.

Die Pille davor ist die Pille danach

Die kardinale Volte zur Pille danach lässt jedenfalls auf den Umstand schließen, dass die Fachleute, die Meisner konsultiert hat, gewiss keine Koryphäen in katholischer Dogmatik waren. Denn für jene bedeutet das partielle Einlenken des Kardinals nichts weniger als Dynamit: Reduzieren wir seine neue Position zur Pille danach auf ihren Gehalt, so ist nämlich aus katholischer Sicht genau dann akzeptabel, wenn die Befruchtung einer Eizelle verhindert wird, die in Folge einer Vergewaltigung sonst geschehen wäre. Selbst ein mittelmäßiger Scholastiker kann daraus eine Erlaubnis zur Verwendung beinahe aller Verhütungsmittel konstruieren. Schließlich passiert bei Kondom, Pille und Co. das Selbe, wie im Fall von Meisners Pille danach: Das Verschmelzen von Eizelle und Spermium wird verhindert und wie will man, bitteschön, – man verzeihe bitte die Geschmacklosigkeit im Dienste der Logik – im Falle etwa der “Pille davor” ausschließen, dass man während ihrer Wirkdauer vergewaltigt wird?

Höhere

Oder ist es vermessen, Kardinal Meisner zu unterstellen, er habe die Konsequenzen seines Handelns in re Pille danach nicht bedacht? Schimmert durch unsere laienhaften scholastischen Bemühungen bereits die dogmatische Entgegnung durch? Muss demnach eine Frau Kardinal Meisner zufolge nicht nur darauf hoffen, dass diejenige Pille danach zur Schwangerschaftsverhinderung noch genügt, die die Befruchtung verhindert? (Ohnehin bereits ein dicker Hund und – um es einmal etwas auf die Spitze zu treiben – wohl kaum wahrscheinlich, wenn die Betroffene bereits von einigen katholischen Krankenhäusern abgewiesen wurde.) Muss sie vielmehr außerdem und ganz grundsätzlich erst vergewaltigt werden, bis sie Empfängnisverhütung betreiben darf? Wir vermuten fest: Genau das. Urbi et orbi, versteht sich.

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  • Pingback: myBasti

  • Antonius Theiler geb. 1941

    Quanta cura von 1864

    Diese Sätze sind mit Unfehlbarkeit verworfen; denn das
    Urteil lautet:

    Alle u. jede der schlechten Meinungen u. Lehren, wie sie in
    diesem Schreiben erwähnt sind, verwerfen, ächten u. verdammen wir einzeln kraft
    Unserer Apost. Autorität, u. wollen u. befehlen, dass sie von allen Söhnen der
    kath. Kirche schlechthin als verworfen, geächtet u. verdammt angesehen werden’.

    Es verwirft (ohne den Grad der theol. Zensur zu nennen u.
    ohne Nummerierung) 16 Sätze:

    Die beste Ordnung der menschl. Gesellschaft verlange
    absolute Religions=, Kultus=, Gewissens=, Rede= und Pressefreiheit;

    Frevel gg. Die kathol. Religion seien nie zu ahnden, es
    währe denn um der öffentl. Ruhe willen. (Satz 1 – 3)

    Der Staat sei die Quelle alles Rechtes; vollendete Tatsachen
    als solche seien in der Politik rechtlich gültig, öffentliche Almosen seien zu
    untersagen, das Verbot knechtl. Arbeit an gewissen Tagen sei aufzuheben. (Satz
    4 – 6)

    Jeder Einfluß auf Erziehung u. Unterricht der Jugend sei dem
    Klerus zu enziehen. (Satz 7)

    Die Gesetze der Kirche verpflichten im Gewissen erst durch
    die staatl. Promulgation, (Satz 8) die Erlasse u. Dekrete der röm. Päpste in
    relig. u. kirchl. Angelegenheiten bedürfen der Bestätigung od. Zustimmung des
    Staates. (Satz 9)

    Der Kirchenbann gg. Die geheimen Gesellschaften gilt dort
    nicht, wo sie vom Staate geduldet sind. (Satz 10)

    Der Kirchenbann gg. Usurpatoren geistl. Rechtes u. Eigentums
    sei auf Ereichung eines rein weltl. Gutes gerichtet. (Satz 11)

    Die Kirche dürfe über den Gebrauch zeitl. Güter keine
    Gewissenspflicht auferlegen, (Satz 12) über die Verletzer ihrer Gesetze keine
    zeitl. Strafe verhängen, (Satz 13) das Eigentumsrecht an den Gütern der Kirche,
    relig. Genossenschaften u. anderer frommer Stiftungen sei dem Staate
    zuzusprechen. (Satz 14)

    Die kirchl. Macht sei nicht nach göttl. Rechte v. der
    bürgerlichen verschieden u. unabhängig. (Satz 15)

    Nur dogmat. Bestimmungen über Glaube u. Sitten, nicht aber
    andere Bestimmungen des Apost. Stuhles verpflichten im Gewissen. (Satz 16)

    Auszug aus Michael Buchberger 1912

    Dies sind die Sätze die alle Menschen aus der Kirche mit
    Unfehlbarkeit verstoßen, es ist eine Enzyklika von dem Papst Pius IX.

    Also wenn Sie jemanden fragen: Sind Sie der Meinung das die
    Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit ein wichtiges Kriterium in
    einer Freiheitlichen Gesellschaftsordnung ist, und er bejaht es, kann er kein
    Katholik sein. Nur der Mangel an seiner Religiösen Bildung läst dem Katholiken
    nicht Erkennen.

    Anders gesagt: Dummheit ist nicht ein Zeichen von Mangel, Sie ist der
    Wille zur Freiheit das zu Denken was bequem ist.

    “Pille danach” „Pille davor“ ein anfrage am heiligen Stuhl in Rom ist fällig.