Mit dem Ende der Olympiade endet auch die mediale Herrschaft des Medaillenspiegels

Die kurze Herrschaft des Medaillenspiegels

Medaillenspiegel? An Robert Harting lag's nicht...© Getty Images

? An Robert Harting lag's nicht...

Die kurze Herrschaft des Medaillenspiegels

Was denken Sie denn? Kriegen wir die Südkoreaner noch, oder bleibt im Medaillenspiegel von doch “nur” Platz 6? Wir werden sehen, und angefangen hatte das – zumindest nach der Zahl der Medienberichte – Sommerdrama schlechthin ja auch wirklich identitätsbedrohend: Kurz nach Beginn der Olympischen Spiele in erhaschte der Autor bei einer Reise nach Deutschland einen Blick in die “BILD”-Zeitung. Mit dem Hinweis auf den Stand im Medaillenspiegel titelte das Blatt: “Mann, sind wir schlecht.” Es musste also übel begonnen haben, mit dem Medaillenspiegel von .

Falsche Medaillenspiegel in US-Presse

Ohne dass er einen Blick auf die Hintergründe hatte werfen können, wunderte sich der Autor dennoch, als er im Anschlussflug eine amerikanische Tageszeitung erhaschen konnte, auf deren Sportseite – natürlich – ein Medaillenspiegel abgedruckt war. Kanada führte diesem zufolge nach dem ersten -Wochenende souverän, vor den USA und Deutschland; China unter “ferner liefen”. Nun berechnen die Amerikaner ihre Medaillenspiegel anders als wir – die Gesamtanzahl der , nicht die Anzahl an goldenen ist entscheidend – trotzdem stand die Frage im Raum: Was hat die “BILD” denn?

Deutschland doch ein Wintermärchen?

Im nächsten Flieger dann die “FAZ”, wieder ein Medaillenspiegel und Deutschland nicht unter den ersten 20 Nationen. Ja wie denn nun? Ein erneuter Blick in die bereits erwähnte, amerikanische “International Herald Tribune” ergab den Befund: Man hatte dort fälschlicherweise den Medaillenspiegel der letzten Winterolympiade abgedruckt; der vierte Platz für Norwegen konnte aber auch wirklich nicht sein. Nun könnte man sich angesichts der Diskrepanz zwischen den Medaillenspiegeln der Sommer- und Winterolympiaden schlicht mit der Erklärung bescheiden, dass Deutschland eigentlich eine Wintersportnation ist.

Und Südkorea kriegen wir noch

Tut man aber nicht; stattdessen wird in Grundsatzdiskussionen geschwelgt, dass es eine wahre Freude ist. Das Fazit bleibt dennoch: Mit Ausnahme der Nach-Wendejahre war Schwarz-Rot-Gold auf den Siegertreppchen und Medaillenspiegeln der Sommerspiele nie so weit vorn wie im Winter und außerdem: Wir sind halt nicht allein auf der Welt und seit wann darf man gegen Sportgiganten wie die USA, China und Russland und den Gastgeber Großbritannien (zähneknirschend!) nicht mehr verlieren? Und Südkorea? Die kriegen wir natürlich noch!

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