Bauwerk

Die Frauenkirche in Dresden

Ruine der Frauenkirche in Dresden 1945

Ruine der Frauenkirche in 1945

1. Allgemeines zur Frauenkirche

Die Frauenkirche in Dresden ist eine evangelisch-lutherische Kirche des . Sie gilt als eines der architektonisch reizvollsten Kirchengebäude Europas und als prachtvolles Zeugnis des protestantischen Sakralbaus. Der größte Sandsteinbau der Welt verfügt zugleich über die größte steinerne Kirchenkuppel nördlich der Alpen.

Die Dresdner Frauenkirche wurde von 1726 bis 1743 erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie während der Luftangriffe auf Dresden 1945 zerstört. 45 Jahre war auf einer kleinen Tafel, angebracht vom DDR-Regime, vor dem Trümmerberg der Frauenkirche zu lesen: „Die Frauenkirche in Dresden, im Februar 1945 zerstört durch angloamerikanische Bomber, erbaut von George Bähr 1726-1743. Ihre Ruine erinnert an Zehntausende Tote und ermahnt die Lebenden zum Kampf gegen imperialistische Barbarei für Frieden und Glück der Menschheit.“ In der DDR blieb ihre Ruine erhalten und diente als Mahnmal. Nach der Wende begann 1994 der 2005 abgeschlossene in historischer, möglichst originalgetreuer Bauart, den Fördervereine und Spender aus aller Welt finanzieren halfen. Am 30. Oktober 2005 fand in der Frauenkirche ein Weihegottesdienst und Festakt statt. Aus dem Mahnmal gegen den Krieg sollte nun ein Symbol der Versöhnung werden.

2. Geschichte der Kirche

Schon im 11. Jahrhundert wurde an der Stelle der heutigen Frauenkirche eine kleine romanische Kirche – vermutlich die älteste Kirche Dresdens – erbaut, die der Gottesmutter Maria geweiht war. Diese wurde im Mittelalter mehrfach umgebaut. In der Reformation fiel das Kirchengebäude an die nun lutherische Gemeinde der Stadt. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude baufällig und reichte für die wachsende Zahl der Gottesdienstbesucher nicht mehr aus.

Aus städtebaulichen Gründen wurde ein Neubau der Frauenkirche in Betracht gezogen. Um 1717/18 ging die Idee eines überkuppelten Zentralbaus auf den König selbst zurück. Sein Interesse an dem Projekt dauerte fort, und 1731, als der Bau schon begonnen hatte, rief er den Ratszimmermeister zu sich, um persönlich Einblick in die Baupläne zu nehmen. In dem Protokoll, das Bähr über den Verlauf der Unterredung anfertigen ließ, schilderte er anschaulich, wie eingehend sich der König mit den Rissen beschäftigte, sogar selbst mit dem Zirkel Abstände ausmaß.

Nur wenige Dresdner wissen Genaueres über das kleine osterzgebirgische Grenzdörfchen Fürstenwalde, aus dem der junge George Bähr nach Dresden kam, um dort Ratszimmermeister und schließlich ein großer Baumeister ganz aus sich selbst heraus zu werden. Das Handwerk eines Zimmermanns hatte der junge Bähr im nahen Lauenstein erlernt und schon kleinere Kirchen zu Loschwitz, Schmiedeberg und Hohnstein sowie etliche Dresdner Wohnhäuser erbaut, ehe er kurz vor seiner Anstellung beim Dresdner Stadtrat den Meisterbrief erwarb. Niemals war er in Rom oder anderswo gewesen, wo er die Vorbilder hätte besichtigen können, die er später erreichte. Seit 1730 führte Bähr als erster seines Faches den Titel Architekt.

Erst nach harten Auseinandersetzungen mit dem königlichen Oberlandbauamt und Änderung der Planung wurde am 26. August 1726 der Grundstein gelegt. Die Kirche kostete 288.570 Taler, 13 Groschen und 64,4 Pfennige, die vorwiegend aus Spenden der Dresdner Bürger stammten. Diese Spenden waren jedoch nicht für die Frauenkirche, sondern für die wegen ihres Glaubens vertriebenen Salzburger Protestanten bestimmt, die damals durch Sachsen zogen. Die gesammelten Spendengelder wurden den Salzburgern nicht ausgehändigt, sondern zum Bau der Frauenkirche zweckentfremdet.

Seit 1726 baute der Ratszimmermeister George Bähr die protestantische Frauenkirche, mit ihrer hoch aufragenden steinernen Kuppel bald Wahrzeichen der Stadt. Nicht unberechtigte Zweifel an der Festigkeit der Pfeiler für die steinerne Kuppel führten zu erregten Auseinandersetzungen, über denen Bähr am 16. März 1738 starb. Er wurde nicht in der noch unvollendeten Frauenkirche, wie es sein Wunsch war, sondern auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Erst 1854 werden seine sterblichen Überreste in die Kirche überführt.

Daß er durch einen Sturz vom Gerüst seines Kirchenbaus ums Leben kam, ist nur eine Legende. Johann Georg Schmid und Johann Gottfried Fehre, sein Neffe und sein Schüler, vollendeten 1740-43 die Laterne, die, entgegen dem Bährschen Plan, nunmehr eine hölzerne Haube abschloss. Am 27. Mai 1743, knapp fünf Jahre nach dem Tod George Bährs, vollendete der Aufsatz eines Kuppelkreuzes schließlich den Monumentalbau. Löscher hatte das Kreuz gegen die Pläne Bährs, der einen Obelisken (Pyramide) als Bekrönung vorgesehen hatte, und die Forderung Brühls, mit einem „A“-ähnlichen Obelisken die Herrschaft August des Starken zu symbolisieren, durchgesetzt.

Ende 1732 stand der Bau bis zur Kuppel vollendet. 1760, während des Siebenjährigen Krieges, überstand die Frauenkirche trotz mehrerer Treffer die Beschießung während der Belagerung Dresdens durch die Preußen.
Statische Untersuchungen von 1938 wiesen Bährs Irrtum nach, dass sich die Last der Kirchenkuppel auf die Außenmauern verteile. Die Last lag auf den Pfeilern und war um ein vielfaches zu hoch. Mehrere Sicherungsarbeiten wurden notwendig. Am 28. Februar 1734 wurde der Innenraum mit einer Festpredigt geweiht.

Zwischen acht Pfeilern waren ursprünglich fünf, später vier hölzerne Logenringe eingespannt, zum Teil in Herrschaftslogen aufgeteilt – Meisterwerke der Zimmermannskunst. Schiff und Emporen konnten etwa 3500 Besucher fassen. (Heute sind es 2200 Plätze.) Das Gotteshaus, auf quadratischem Grundriss, erreichte 95 m Höhe und bestimmte durch die monumentale Kuppel mit ihrer großen Laterne das Stadtbild wesentlich mit und kennzeichnete gleichzeitig den Höhepunkt des protestantischen Kirchenbaus in Sachsen. Mit der geschlossenen Form hatte Bähr ein imposantes, den Anforderungen der protestantischen Liturgie entsprechendes Werk im barocken Stil entstehen lassen. Die Orgel war ein Meisterwerk des bedeutenden sächsischen Orgelbauers Gottfried Silbermann, der in Sachsen insgesamt 48 Orgeln baute, seine letzte in der Kathedrale. Drei Konzerte Johann Sebastian Bachs auf dieser Orgel sind überliefert.

Als krasse Fehleinschätzung erwiesen sich die geplanten Baukosten von 120.000 Talern: Es wurden schließlich 288.000 Taler. Kein Wunder, dass während der Bauzeit immer wieder das Geld knapp wurde und die Arbeit stockte. Dies vor allem auch deshalb, weil die Arbeiter, denen ihr knapper Lohn von vier Groschen täglich nicht gezahlt werden konnte, nicht immer mit der größten Begeisterung bei der Sache waren. Durch zahlreiche Spenden, verschiedene Steuern und Fonds wurde das Geld jedoch letztendlich aufgebracht.

Der Zentralbau von Bähr trug eine ganz aus Naturstein gefertigte Kuppel. Die Dresdner Kuppel faszinierte jedoch außerdem durch ihre konkave Form im unteren Teil, die an eine Glocke erinnerte. Diese war einzigartig auf der Welt und brachte dem Gebäude den Namen „die Steinerne Glocke“ ein. Sie ruhte auf acht Pfeilern, die zu den Diagonalen etwas enger standen als zu den Hauptachsen und so eine Kreuzform andeuteten.

Die Außenmauern bildeten einen annähernd quadratischen Grundriss, der vom halbrunden Chor durchbrochen wurde. Die Treppentürme in den Ecken dienten als Widerlager für die Kuppel und führten zu Emporen zwischen den Pfeilern. Vor dem Chor lag eine doppelte geschwungene Freitreppe mit einem Lesepult in der Mitte, dahinter ein monumentaler Barockaltar, der vom Orgelprospekt gekrönt wurde. Die Kanzel schwebte am linken Pfeiler über der Freitreppe. Die Bänke innerhalb des Kuppelraums waren konzentrisch auf einen Punkt zwischen Lesepult und Altar ausgerichtet, die sie zwischen und hinter den Pfeilern umschließenden Bänke auf die Raummitte. Die Proportionen, die sehr hohen Pfeiler und hohen, schmalen Fenster erinnerten an gotische Kathedralen.

Die Frauenkirche hatte eine Gesamthöhe von 91,23 Meter. Sie war 41,96 Meter breit und 50,02 Meter lang. Die Kuppel begann in einer Höhe von etwa 40 m, und die Laterne, der Kuppelaufsatz, öffnete sich in luftiger Höhe von 62 Metern über dem Neumarkt von Dresden. Die aus sächsischem gemauerte Steinkuppel hatte unten einen Außendurchmesser von 26,15 Metern, oben von circa 10 Metern und wog etwa 12.000 Tonnen.

3. und Wiederaufbau

Nach dem Luftangriff auf Dresden durch britische und amerikanische Bomber in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 brannte die Frauenkirche vollständig aus. Sie war durch keine Sprengbombe getroffen worden, befand sich jedoch mitten im Stadtzentrum, wo der Feuersturm und die Brandhitze am stärksten wüteten. Der mit viel Holz ausgestattete Innenraum bot nach dem Schmelzen der Fenster dem Feuer reichlich Nahrung. Auch hält Sandstein nicht so große Hitze aus wie normaler Stein, wie er beispielsweise in der Kreuz- und der Hofkirche eingesetzt wurde. Er dehnt sich aus, bis er schließlich Risse bekommt und platzt, womit seine Stabilität verloren geht.

Die Frauenkirche im Mai 2008

Die Frauenkirche in Dresden im Mai 2008

Am 15. Februar 1945 um 10 Uhr morgens konnten die ausgeglühten Innenpfeiler die Last der gewaltigen Gewölbekonstruktion nicht mehr tragen. Das Gebäude brach mit einem dumpfen Knall in sich zusammen, eine riesige Rauchwolke stieg über der Stadt auf. Ein Ereignis, das in seiner Symbolkraft für viele Dresdner die vorangegangenen Zerstörungen noch übertraf. Nur die Umfassungsmauern des Chors bis zum Hauptgesims und ein Rest des nordwestlichen Eckturms ragten noch aus den Trümmern auf. Teile des von Johann Christian Feige geschaffenen Altars wurden durch das herabtropfende Zinn der schmelzenden Orgel konserviert und überdauerten die Zeiten unter dem Schuttberg. Diese konservierten Reste wurden beim Wiederaufbau in den neuen Altar integriert. Die Spuren der Zerstörung wurden dabei, der Erinnerung wegen, bewusst belassen.

Nach dem Krieg wurden auf Initiative des damaligen Landeskurators Hans Nadler erste Untersuchungen zum Wiederaufbau durchgeführt. 850 Steine wurden inventarisiert und eingelagert. Doch die großflächige Trümmerberäumung in der Dresdner Innenstadt, im Sinne neuen sozialistischen Städtebaus zerschlug die Hoffnungen auf einen Wiederaufbau schnell. Der Versuch der Behörden, den Trümmerberg 1962 zu Gunsten einer Parkfläche zu beseitigen, scheiterte. Es kam zu Protesten aus der Bevölkerung, außerdem fehlte das dazu nötige Geld. Der Trümmerberg wurde mit Rosen bepflanzt. Unterdessen waren längst zwei Drittel der geborgenen Steine für die Befestigung des Elbufers anderweitig verbaut worden.

So blieb der Trümmerberg mitten im Stadtzentrum von Dresden zu Zeiten der DDR über 40 Jahre lang als Mahnmal, ähnlich der Ruine der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, erhalten. Viele überlebende Dresdner gedachten hier ihrer bei den Bombenangriffen ums Leben gekommenen Angehörigen, für die es oft keine Gräber gab.

Die DDR erklärte die Kirchenruine 1966 offiziell zum Mahnmal gegen den Krieg. Der Tag der Zerstörung Dresdens wurde fortan zu staatlich gelenkten Gedenkdemonstrationen an der Ruine genutzt. Am 13. Februar 1982 riefen Dresdner Christen erstmals zum stillen Gedenken gegen den Krieg an den Trümmern der Frauenkirche auf. Dieser Aufruf führte in den 1980er Jahren zu Zusammenkünften von Gruppen der DDR-Bürgerrechts- und Friedensbewegung an jedem 13. Februar an der Ruine, um stumm des Krieges zu gedenken. Versuche staatlicher Stellen, diese Treffen zu verhindern, hatten kaum Erfolg.

Die Sächsische Landeskirche plante in dieser Zeit eine Konservierung der Ruine, die als Versöhnungsdenkmal erhalten bleiben sollte. Die Unterkirche sollte eine Ausstellung über die Geschichte der Frauenkirche aufnehmen und gleichzeitig als „Raum der Stille“ dienen. Die staatliche Forderung von Anfang der 1980er Jahre, die Kirche mit Westgeldern wieder aufzubauen, lehnte die Landessynode der Sächsischen Landeskirche ab. Sie wurde darin auch von Teilen der Friedensbewegung unterstützt.

Am Reformationstag 1989 setzte ein „Offener Brief“ von Günter Voigt an den Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Johannes Hempel mit dem Gedanken, den Wiederaufbau neu zu bedenken, ein wichtiges Zeichen. Aus einem Kreis gleichgesinnter Dresdener Bürger heraus, der sich im November 1989 traf, entstand der „Ruf aus Dresden“, den der Pfarrer Karl-Ludwig Hoch formulierte. Er ging am 12. Februar 1990 in die Welt.

Die Idee eines Wiederaufbaus des Gotteshauses nahm nun immer konkretere Formen an. Aus der Folgewirkung des Aufrufes wurde ein Verein gegründet, der Überzeugungsarbeit für den Wiederaufbau leistete und Spenden sammelte. 1991 wurde eine Stiftung gegründet, die den gesamten Wiederaufbau leitete. Am 18. März 1991 beschloss die sächsische Landessynode den Wiederaufbau der Frauenkirche.

Am 27. Mai 1994 wurde der Grundstein der neuen Frauenkirche gelegt. 1996 begann der eigentliche Wiederaufbau; der Baumeister war Eberhard Burger. Der Wiederaufbau wurde im Herbst 2005 abgeschlossen. Er vollzog sich viel rascher, als ursprünglich erwartet, da vor allem das private Spendenaufkommen alle Erwartungen bei weitem übertraf. Entgegen der ursprünglichen Planung wurde die äußere Form der Frauenkirche schon im August 2004 und nicht erst wie geplant im Jahre 2005 wieder hergestellt.

Rund zwei Drittel der Baukosten in Höhe von 179 Millionen Euro konnten aus Spenden finanziert werden. Als Zeichen der Versöhnung sammelte beispielsweise der britische „Dresden Trust“ unter Vorsitz von Allan Russell in Großbritannien mehr als eine Million Euro an Spenden; zahlreiche Prominente beteiligten sich. Den Restanteil von 65 Millionen Euro stellten die Stadt Dresden, der Freistaat Sachsen und der Bund zur Verfügung.

Durch Abtragen des Trümmerhaufens konnten 44% des alten Steinmaterials wiederverwendet werden. Sogar einige große Fundstücke konnten im Ganzen wieder an ihren ursprünglichen Platz gehoben werden. Die Reste des Eckturms und des Chors wurden ebenfalls in den Bau integriert. Alleine diese damals stehengebliebenen Ruinenteile machen 34 Prozent der Gesamtmasse aus.

Am 13. April 2004 wurde der letzte Stein der Hauptkuppel der Frauenkirche eingesetzt, der Steinbau war damit abgeschlossen. Am 22. Juni 2004 wurde die mit Kupfer beschlagene Holzkonstruktion der Turmhaube mit dem vergoldeten Kreuz auf die Laterne über der Steinkuppel aufgesetzt. Damit war das frühere äußere Aussehen wiederhergestellt, die Frauenkirche hat nun die endgültige Höhe von 91,24 Metern und ist wieder als Dresdner Wahrzeichen sichtbar.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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