Was Eltern wirklich brauchen, liefern weder Betreuungsgeld noch Kita

Die Eltern-Falle

Was brauchen Eltern wirklich?

Was brauchen wirklich?

Was Eltern wirklich brauchen, liefern weder noch

Über die Betreuung ihrer vor der Schulpflicht entscheiden in Deutschland allein die Eltern – so steht es im Grundgesetz. Wie die Mehrzahl der Eltern in Deutschland von diesem Entscheidungsrecht Gebrauch machen wollen, erschöpft sich, glaubt man den Debatten in Politik und Öffentlichkeit, in zwei Möglichkeiten: Betreuungsgeld oder Kita für alle lauten die Parolen, mit denen die Wünsche der Eltern für sich und ihre angeblich ausreichend beschrieben sind. Eltern wollen demnach entweder möglichst in Vollzeit arbeiten und ihren Nachwuchs tagsüber in gute Hände geben, oder “zu Hause bleiben”, um möglichst ganz für ihre da sein zu können. Dazwischen gibt es offenbar nichts. Und genau in diesem behaupteten Nichts liegt sie, die Eltern-Falle.

Kinder sind Problem oder Rest

Wenn in Deutschland öffentlich über Eltern, Kinder und Betreuung gesprochen und geschrieben wird, lohnt es sich, genau auf die Zwischentöne zu achten, sind diese doch auf allen Seiten entlarvend: Da muss das “Betreuungsproblem” gelöst und es müssen – gerade en vogue – die Frauen aus der Teilzeit-Falle befreit werden. Selbst die kleinsten Kinder müssen natürlich nicht nur betreut werden, sondern – mit allen Mitteln, scheint es – “gefördert” werden und schließlich muss der staatlich unbetreute “Kinder-Rest” irgendwie verwaltet werden. Merken Sie was? Kinder sind in deutschen Debatten – wir haben es an dieser Stelle bereits zuvor festgestellt – vor allem eines: Ein Problem und zwar ganz offenbar besonders für ihre Eltern.

und funktional

Das ist ein schizophrener Befund, der in seiner Gruseligkeit kaum zu überbieten ist. Was ist falsch gelaufen, wenn Eltern beginnen, über das größte Glück in ihrem Leben – ihre Kinder – in verbeamteten Angst- und Problemkategorien nachdenken? Wenn sich Eltern auf der Suche nach der Gleichzeitigkeit von erfolgreicher beruflicher Laufbahn und perfekter Elternschaft schier zerreißen? Nun, ob etwas falsch gelaufen ist, hängt von der Interessenlage ab. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist die Eltern-Falle ein absolutes Erfolgsmodell. Was könnte besser in die spätkapitalistische Ideologie-Formation passen, als Werktätige, die vor lauter schlechtem Gewissen noch am Wickeltisch E-Mails beantworten?

Was Eltern wirklich brauchen, liefern weder Betreuungsgeld noch Kita

Würde man die Eltern selbst nach ihren Bedürfnissen fragen und würden diese zwangfrei antworten, bekäme man vermutlich die Antwort, dass es vor allem dieses konstatierte “entweder – oder” ist, dass sie, die Eltern in der Falle hält. Ein flexibles Konzept von , in der “entwickelten” Welt eigentlich längst überfällig, würde hingegen die grundlegende Erkenntnis abbilden, dass das Leben, besonders das von Eltern, aus Phasen mit wechselnden Prioritäten besteht. Dass eine daraus abzuleitende Durchlässigkeit zwischen Familien-, Berufs- und anderen Lebensschwerpunkten keine Utopie sein muss, würde ein ehrlicher Blick über den mitteleuropäischen Tellerrand nach Norden zeigen. Einstweilen aber marschieren Eltern nach fremder Pfeife weiter, geradewegs in die Eltern-Falle.

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  • M.B.

    Was aus der Eltern-Falle helfen kann, ist meiner Meinung nach, ein größeres Maß an Achtung vor den individuell so verschiedenen Wünschen und Bedürfnissen von Familien. Eltern müssen die Möglichkeit haben, auf die phasenweise höchst unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Kinder hören zu können und müssten es sich leisten können, auch mal ein paar Tage beruflich kürzer zu treten, wenn ein Kind besonderer Zuwendung bedarf. Eltern müssten ihr Arbeitsleben so gestalten können, dass sie nicht ein Leben lang auf Karriere verzichten, nur weil sie einige Jahre flexibel auf die innerfamiliären Bedürfnisse eingehen und die Politik müssten den Firmen dafür die Rahmenmöglichkeiten schaffen. Kindern sind nicht in ökonomisch vorteilhafte Zeit- und Arbeitsmodelle zu pressen, sie werden krank, haben Sorgen und Phasen und sollten jederzeit das Recht auf Eltern haben, die Kraft und den Rückhalt in der Arbeitswelt haben, auf sie einzugehen. Kinder kosten viel Kraft – und glücklich ist man im Alltag mit Kindern nur, wenn sich das Elternsein nicht auf eine reine Versorgung und Versorgungsorganisation beschränkt. Flexibilität verlangen Kinder von Eltern und Eltern sollten sie auch von der modernen Gesellschaft erwarten können. Kinder sind das größte Glück – wir wollen es genießen!
    M.B.