Es gibt eine Grundstimmung in Deutschland und die ist gereizt

Deutschland gereizt

Deutschland: Gereizt

Das – wie im Sommerloch üblich – apokalyptische Besingen der “Wespenplage” hierzulande kann man als stimmiges Bild verstehen: Wenn man die Grundstimmung im Deutschland dieser Tage mit einem Wort beschreiben müsste, wäre “gereizt” wohl der passende Begriff. Ob sich zwei Mitbürger im Straßenverkehr, an der Kasse im Supermarkt oder auch im Freibad über den Weg laufen: Die Wegstrecke von der Begegnung zum Streit ist kurz, die Nerven scheinen immer latent blank zu liegen. Man muss nur ein paar Tage lang aufmerksam seine Umwelt oder vielleicht auch nur sich selbst beobachten; die Gereiztheit scheint allgegenwärtig.

Gereizt: Nicht nur die üblichen Verdächtigen

Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht (nur) von den vielbeschworenen “aggressiven jungen Männern”, nein: Familienväter und -mütter, Herren und Damen im fortgeschrittenen Alter kann man täglich angesichts dieser oder jener Lappalie vor Gereiztheit in die Luft gehen sehen. Was ist los in Deutschland? War das Immer so? Nun, will man die wenig exakte Disziplin der “Völkerpsychologie” bemühen, so gehörte eine ausgeprägte Gelassenheit vermutlich nie zum “deutschen Wesen”. Dennoch scheinen wir uns im Verlauf der Gereiztheits-Kurve dieser Tage in der Nähe eines oberen Extrempunkts zu befinden.

1992 – 2015: Ängstlich, gereizt und hässlich

Vielleicht nicht zufällig stammt der zu jener Zeit populäre Track des hessischen Comedy-Duos “” namens – eben – “Gereizt!” aus dem Jahr 1992. Wenn wir für den Moment einmal annehmen dürfen, dass Badesalz damals so etwa wie ihre “Zeit in Gedanken” eingefangen hatten, lässt sich eine Parallele ziehen. Damals – in den Jahren kurz nach der Wiedervereinigung -, wie heute – im der prosperierenden Post-Agenda 2010-Republik empfanden beziehungsweise empfinden viele Menschen in Deutschland ganz offenbar eine große Unsicherheit: Es geht uns gut, aber der eigene Status, das Erreichte scheint fragil und bedroht.

Und diese Unsicherheit äußert sich – noch eher harmlos – als Gereiztheit, auf der leider ebenfalls in Deutschland immer präsenten, keineswegs harmlosen Seite in Angst vor Fremdem und Fremden. Die Straßenkreuzung werden zum Kampfgebiet und die Asylantenheime zur Zielscheibe; 1992 wie 2015.

AK

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