Am Ende jeden Jahres steht der Tag der unschuldigen Kinder

Der Tag der unschuldigen Kinder

Tag der unschuldigen Kinder von Rubens

Tag der unschuldigen von Rubens

Am Ende jeden Jahres steht der

Beinahe am Ende eines jeden Jahres – am 28. Dezember – steht der “Tag der unschuldigen Kinder” im Kalender. In Ihrem nicht? Kein Wunder, ist doch der Tag der unschuldigen Kinder ein zumindest hierzulande vergessener Gedenk- und Festtag. Ein alter, wohlgemerkt, im Gegensatz zu den vielen neuen, die zwar in allen Kalendern stehen, die aber trotzdem keiner kennt. Mit diesem Tag der unschuldigen Kinder jedoch verhält es sich etwas anders und bis ins 18. Jahrhundert hinein war eben jener Tag eine feste Institution auch bei uns, zumindest in den katholischen Gegenden Deutschlands. Heute wird der Tag der unschuldigen Kinder nur noch in Spanien und Lateinamerika allgemein begangen, in den Agenden der evangelischen, anglikanischen und römisch-katholischen Konfessionen ist er allerdings weltweit zumindest auf dem klerikalen Papier präsent geblieben. Von welchen unschuldigen Kindern aber handeln wir hier eigentlich? Nun, über dem Weihnachtsgeschäft und inmitten aller Stille Nacht-Romantik tendieren wir dazu, die dunkleren Seiten der biblischen Weihnachtserzählung etwas aus den Augen zu verlieren und mit ihnen auch den Tag der unschuldigen Kinder vom Bethlehem.

Der Tag der unschuldigen Kinder von Bethlehem

Denn, so lesen wir im zweiten Kapitel des Matthäus-Evangeliums, es war ja nicht nur so, dass Maria und Josef – das biblische Elternpaar – nur das Problem der fehlenden Herberge gehabt hätten. Der Stall, um es so zu sagen, war ja letztlich als Entbindungsstatt noch hinzunehmen gewesen. Viel schwerwiegendere Probleme nahten da aus Richtung Jerusalem. Dort nämlich suchte der neutestamentliche Paradebösewicht Herodes, seinerseits jüdischer König von Roms Gnaden, die „Weisen aus dem Morgenland” als Spione für seine Zwecke zu missbrauchen, die ihn in rührender politischer Unschuld nach dem Weg nach Bethlehem fragten. Herodes aber fürchtete – so erzählt es die – die Überlieferung, die die Geburt des Messias eben in Bethlehem ansiedelte. Als dann noch die in den alten Schriften erwähnten himmlischen Zeichen einzutreffen schienen – der “Weihnachtsstern”, dem die “heiligen drei Könige” folgten – wurde er endgültig nervös. Die Weisen aus dem Osten erreichten schließlich Bethlehem und fanden das gesuchte Kind, berichteten davon Herodes aber nichts, wie der es gefordert hatte. Solchermaßen im Ungewissen gelassen ließ der wiederum zu Bethlehem nicht wie geplant nur ein Kind – – umbringen, sondern alle Jungen zwischen null und zwei Jahren: Die unschuldigen Kinder eben, der am Tag der unschuldigen Kinder seither gedacht wird, beziehungsweise wurde.

Ende gut, alles gut?

Das Gedenken an dieses biblische wurde dabei durch die Jahrhunderte in interessanter Weise volkstümlich gewendet und so war (und ist es, wo er noch begangen wird) der Tag der unschuldigen Kinder ungefährer Vorläufer dessen, was bei uns der erste April darstellt: ein Tag der Narrenfreiheit; besonders für Kinder natürlich. Von diesem etwas schiefen historischen Ausgleich abgesehen kommt der Tag der unschuldigen Kinder uns aber als Stolperstein gerade recht. Denn (nicht nur) publizistisch gesehen ist das Ende des Jahres Bilanzzeit und wenn man sich in den üblichen Jahresrückblicken einmal umsieht, ist es auch die Zeit der journalistischen Milde. “Ende gut, alles gut”, und daher “auf ein gutes Neues”, so könnte man den Tenor jener Bilanzen zusammenfassen. Aber ist dem so? Können wir uns am Ende eines jeden Jahres über die Lage der “Welt im Ganzen” beruhigen? Können wie in naivem Glauben auf ein (noch) besseres nächstes Jahr fröhlich die von explosionsgefährdeten Kinderhänden für 85 Cent pro 1000 Stück gefertigten Sylvesterknaller in den Himmel jagen?

Das muss – dies ist der “”, nicht der “Tag der Belehrung” – schon jede und jeder für sich entscheiden. Wir für unseren Teil können und wollen uns nicht der Beruhigung ergeben; schließlich hätten wir aller angeblicher zivilisatorischer Fortschritte zum Trotz noch immer an jedem Tag des Jahres Grund, einen Tag der unschuldigen Kinder zu begehen. Wir werden, wie nunmehr seit über drei Jahren, an dieser Stelle zumindest weiter hinschauen, auch und gerade weil 2013 wieder so ein Jahr wird, ganz sicher.

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  • Anonym

    Wie traurig, daß ausgerechnet dieser Tag in Vergessenheit geraten ist. Dabei ist es doch zu Zeiten der Bibel genauso wahr und wichtig wie heute immer noch, und der Tag der unschuldigen Kinder wäre wenigstens ein Zeichen im Kalender, sich dies einmal im Jahr im Dunst der abmildernden Rückblicke zu vergegenwärtigen: Niemals Gewalt!