Betrachtungen zum Kern des Unternehmer-Berufs

Der Schlaf der Unternehmer

Der Schlaf der Unternehmer

Der Schlaf der

Betrachtungen zum Kern des Unternehmer-Berufs

Das Motto der Kaufmannsfamilie Buddenbrook hatte sich bei seinem Urgroßvater, dem Unternehmer Johann Siegmund Mann, geliehen: “Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können”. Diesen sinnreichen Rat gibt der alte Johann Buddenbrook seinem Sohn, ebenfalls Johann mit Namen und Unternehmer seines Zeichens, auf den kaufmännischen Weg mit. Die , soviel ist bekannt, schlafen nach dem Tod Johanns des Jüngeren noch eine Weile gut. Dann aber lässt Thomas Mann den künstlerischen Stachel im unternehmerischen Fleisch die Familie und das Unternehmen Buddenbrook immer schneller in den Abgrund stürzen. Unternehmer und Unternehmen – das verfolgen wir am Schicksal Thomas mit – sind dabei aufs engste, ja untrennbar miteinander verflochten. Eine grundlegende Wahrheit, die den Kern des Berufs „Unternehmer“ präzise kennzeichnet; damals wie heute.

Das Fossil

Seltsamerweise ist im Land der sozialen Marktwirtschaft vom Unternehmer selten die Rede. Aufsichtsräte, Manager, Vorstandsvorsitzende, Anwälte und Analysten treten sich in der Tagesschau gegenseitig auf die Füße, Unternehmer sind dort rar und meist nur dann zu sehen, wenn ihr Unternehmen gescheitert ist. Wie zuletzt erneut und postum Leo Kirch, der nach den globalen Krisenjahren mit ihrer globalen Rettungspaketrhetorik wie ein Fossil daherkommt. Warum eigentlich? Nun, weil wir es schlicht nicht mehr gewöhnt sind, eine Firma, die eine gewisse Größe erreicht hat und bankrott geht, tatsächlich verschwinden zu sehen. Dabei ist es genau das, was das oft zitierte und von (zu) wenigen wirklich verstandene Wort vom “Unternehmerischen Risiko” bedeutet. Genau wie bei Thomas Buddenbrook ging mit dem Unternehmen Kirch auch der Unternehmer und Mensch Leo Kirch bankrott, mehr oder weniger zumindest.

Die Unternehmer und die anderen

Dass ein solcher Fall überhaupt ins Bewusstsein gerückt werden muss, könnte man mit beinahe als “List des Kapitals” bezeichnen, unverständlich aber ist es in jedem Fall. Denn betrachtet man das System “”, so könnte man die Akteure auf diesem Spielfeld mit gutem Recht in zwei Gruppen einteilen: Die Unternehmer auf der einen und die, deren Berufe nur existieren, weil es Unternehmer gibt, auf der anderen Seite. Was die beiden Gruppen unterscheidet, ist bereits benannt: es ist die Realität oder zumindest der Umfang des Risikos. Unternehmer, so könnte man es mit der Erfahrung der letzten Jahre formulieren, tragen das Risiko selbst, die anderen wälzen es auf die Gesellschaft ab. Dass letzteres nicht ewig so laufen kann, scheint offensichtlich, ein Ende ist dennoch nicht in Sicht.

Kein Hang zum geistig-künstlerischen

Aber zurück zum Ausgangspunkt: Bei Thomas Mann ist es, wir haben es erwähnt, der Hang zum “geistig-künstlerischen”, der die Unternehmer der Familie Buddenbrook zerstört. Die geschilderten Eindrücke könnten vermuten lassen, dass der unternehmerische “Geist” oder zumindest sein Ansehen hierzulande auch ganz allgemein im Schwinden begriffen ist. „Verfall eines Berufs?“ Wir hoffen es nicht. Eines aber können wir mit Sicherheit feststellen: Dem Buddenbrook‘schen Hang zum “geistig-künstlerischen” kann gesamtgesellschaftlich keinesfalls die Schuld angelastet werden; das hätten wir doch bemerkt, oder?

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