Roland Koch tritt zurück.

Der endgültigst-mögliche Abgang?

Hessen- Dienstflagge des Ministerpräsidenten

Dienstflagge des hessischen Ministerpräsidenten. Der heißt nicht mehr .

Koch erklärt Rücktritt aus der Politik

Roland Koch, Ministerpräsident von Hessen und stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU, gab am 25. Mai seinen Rücktritt aus der Politik bekannt. Damit endet zunächst die politische Karriere eines der am meisten umstrittenen des Landes. Der bekennende Machtmensch Koch hat damit erreicht, was – wie er selbst betonte – nur sehr wenigen Politikern in Deutschland gelingt: Den Zeitpunkt des Ausscheidens aus der Politik selbst zu bestimmen.

Diese Entscheidung sorgte weithin für Überraschung, aber auch für Respektsbekundungen, die die unvermeidlichen Aufzählungen seiner politischen Fehltritte locker übertönten. Man sollte sie trotzdem nicht vergessen, die nachweislichen Lügen im Prozess um die CDU-Spendenaffäre, oder die leeren Kassen des hessischen Landeshaushalts trotz Etat-Kürzungen besonders im Bildungsbereich; von der unsäglichen Doppelpass-Kampagne, die ihn zum Ministerpräsidenten machte, einmal ganz abgesehen.

Rücktritt zum logischen Zeitpunkt

Nüchtern betrachtet – und diese Betrachtungsweise passt zu Koch – ist der Zeitpunkt des Rücktritts perfekt gewählt: Weder konnte Koch sich unter einer Kanzlerin Merkel Hoffnungen machen, jemals einen wichtigen Kabinettsposten in Berlin übernehmen zu können, noch wollte er sich irgendwann die Blöße geben, sich wie Edmund Stoiber oder Günther Oettinger nach Brüssel abschieben zu lassen.
Und nachdem er aus der letzten Landtagswahl in Hessen – unglaublich genug – noch einmal als nur schwer angeschlagener Sieger hervorgegangen war, konnte er nicht darauf bauen, dass ihm dieses Kunststück jemals wieder gelingen würde.

So weit, so klar, doch das eigentlich Bemerkenswerte an diesem – wie bei Koch üblich – perfekt inszenierten Rücktritt liegt in dem schlichten Satz

“Politik ist nicht mein Leben”.

Die meisten Beobachter hatten genau das aber immer geglaubt. Wie war auch anders zu erklären, dass dieser Mann so oft mit unbequemen (aber wahren), fast ebenso oft aber auch mit populistischen (aber unwahren) Aussagen Gegenwind erzeugte? Das musste doch einfach durch die Tatsache zu erklären sein, dass er eben nicht anders konnte; dass er also nur ein “Vollblut-Politiker” sein konnte.
“Politik ist nicht mein Leben”.

Glaubt man Koch nun, ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Da hat offenbar einer nicht aus innerem Drang, sondern aus kühler Berechnung immer wieder dort den Realpolitiker gegeben, wo der Rest träumte, und dort unter die Gürtellinie gezielt, wo man es nicht für möglich hielt.

Das mag viele schockieren. Kühle Berechnung und die Bereitschaft, sich unbeliebt zu machen, sind allerdings Qualitäten, die der Bundespolitik im Moment entschieden abgehen – nicht zu ihrem Nutzen.

Kochs Rückkehr?

Ob allerdings Koch tatsächlich so leidenschaftslos und penibel auf die Trennung von Person und Mandat geachtet hat, wie er behauptet, wird sich nun erst zeigen: Wer kann ausschließen, dass die CDU mittelfristig doch einen wie Koch braucht?
Zugegeben, es müsste viel passieren, damit die Partei dies einräumte und sich an den Anden-Koalitionär wandte. Trotzdem, ausgeschlossen ist “Roland Koch, die Zweite” nicht.

Es wäre die “brutalst-mögliche” Rückkehr.

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